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Dienstag, 15. Juli 2014

Live: Riverside & Votum 16.04.2014 Colos-Saal Aschaffenburg

Foto: Micha
Lang lang ist's her, aber jetzt endlich habe ich mal die Zeit gefunden, in aller Kürze noch über das zuletzt besuchte Konzert von Riverside zu berichten. Es war mein erster Besuch im in Prog-Kreisen fast schon legendären Colos-Saal in Aschaffenburg, einem kleinen Club mitten in der Stadt. Die Atmosphäre ist fast schon familiär, und die Idee, vor dem Konzert auf Leinwand Live-Auftritte als Werbung für kommende Events zu zeigen, ist gar nicht mal so schlecht.

Als Vorgruppe spielten Votum, eine Progressive Metal Band, wie der Hauptact aus Polen kommend. Die Gruppe war laut und hart, mit vertrackten Riffs und Rhythmuswechseln, wenig filigran, aber technisch gut, und bestens gelaunt. Weite Teile des Publikums ließen sich von der guten Stimmung mitreißen, wurden auch immer wieder angepeitscht von Sänger Bartosz Sobieraj. Der Sound war leider, wie so oft bei Vorgruppen in so kleinen Venues, eher suboptimal, ein wenig zu laut, die Gitarren fast schon beißend. Aber die sechs haben eine ordentliche Show abgeliefert und sollten zumindest aus den Augenwinkeln weiter beobachtet werden.

Nach erstaunlich kurzer Umbaupause kam unter frenetischem Jubel Riverside auf die Bühne. Die Polen um Frontmann Mariusz Duda wirkten entspannt und waren in bester Laune. Immer wieder scherzten sie miteinander und mit dem Publikum, es war das letzte Konzert der Tour (bis auf einige Shows in ihrem Heimatland, aber Zitat Duda: "Poland doesn't count"), und entsprechend druckfrei und gelöst konnte die Band aufspielen. 

Die Soundqualität war, wie von Riverside nicht anders erwartet, ohne nennenswerte Mängel, und dass die Jungs ihr Handwerk verstehen, haben sie auch schon oft bewiesen. Die Tour war die zweite zum aktuellen Album 'Slaves Of New Generation Shrine', und im Vergleich zur ersten 'New Generation' Tour wurden einige Dinge anders gemacht. Es wurden ein paar mehr ältere Stücke gespielt, und viele Songs haben auch ein wenig ein neues Gewand bekommen, ein Extra-Solo hier, eine etwas abgewandelte Passage da. Es war also für diejenigen, die schon bei der letzten Tour dabei waren, keine Wiederholung, sondern eine Entdeckungsreise, die sich gelohnt hat.

Fazit: Riverside ist live eine echte Größe, und immer eine Reise wert. Soundqualität, gute Stimmung und die Schönheit der Musik machen es zu einem schönen Erlebnis, an das man sich gern zurück erinnert.

Donnerstag, 21. November 2013

Live: Karnivool & The Intersphere 03.11.2013 Schlachthof Wiesbaden

Was macht man an einem Tag mit miesem Herbstwetter? Richtig, Indoor-Aktivitäten! Das Konzert von Karnivool stand schon länger auf der Agenda, und die Nachricht, dass The Intersphere als Vorgruppe auftreten sollten, sorgte im Vorfeld für zusätzliche Freude. Schließlich hatten diese ja in der Vergangenheit schon live überzeugen können, wie hier schon zu lesen war.

Zunächst ein paar Worte zur Location, für alle, die den neuen Schlachthof in Wiesbaden noch nicht kennen. Die neue Halle ist um Einiges größer als der alte Bau. Der durchaus charmante industrielle Look des einsturzgefährdeten Originals wurde nicht übernommen, man setzte offenbar auf moderne Schlichtheit, mit grauen Betonwänden und grauen Betonträgern in der Decke. Links der Bühne sorgt ein weitläufiger Getränkestand für Erfrischung, allerdings ist man beim Lesen der Preise schon erfrischt genug. Aber das ist ja leider Standard heutzutage, dass man 2,50€ für ein 0,3L Getränk bezahlt.
The Intersphere beginnen pünktlich, und gewohnt kraftvoll. Man könnte von Routine sprechen. Doch es ist mehr als das. Aus Platzgründen agieren alle vier Musiker in einer Reihe direkt am Bühnenrand. Trotzdem ist viel Bewegung auf der Bühne, und vor allem Schlagzeuger Moritz Müller spielt wie ein Besessener, bereichert die Songs immer wieder um technisch hochwertige und interessante Fills, ohne sich allzu sehr in den Vordergrund zu drängen, und stößt zum Ende hin fast noch Teile seines Instruments von der Bühne. Aber auch die Jungs an den Gitarren geben alles, und Sänger Christoph Hessler animiert das Publikum. Und der Funke springt definitiv über. Eine bessere Eröffnung können sich Karnivool nicht wünschen. Der Sound ist sehr gut, die Songs sind eingängig, aber dennoch mit einer Note Prog, und sie haben die nötige Härte, um die Zuschauer in Bewegung zu versetzen. Die Mannheimer werden nach einer knappen Stunde umjubelt verabschiedet. Es war wieder einmal eine Freude. Prädikat Empfehlenswert!
Karnivool beginnen kurz nach zehn mit Songs vom neuen Album. Die sind sperrig, die sind düster, die sind atonal und polyrhythmisch, ein starker Kontrast zu den strukturierten und harmonischen Songs der Vorgruppe. Sänger Ian Kenny visualisiert die Musik mit gollumhaften Tanzbewegungen und wirft, von hinten beleuchtet, gigantische Schatten aufs Publikum. Im Kontrast dazu schneidet er mit seiner kristallklaren Stimme durch das Gewirr aus dröhnendem Bass, vertrackten düsteren Gitarrenriffs und frickeligem Schlagzeug und fügt der Dunkelheit das Licht hinzu, das die Musik zum Schweben bringt. Der Sound ist auch hier sehr gut, die Stimme kommt optimal zur Geltung, und die Instrumente grenzen sich gut voneinander ab. Die fünf Musiker sind konzentriert, aber leidenschaftlich bei der Sache und spielen alte wie neue Songs mit gleichbleibender Sicherheit und Begeisterung, die auch gut ins Publikum transportiert wird. Vor allem bei den älteren Songs gehen die Zuschauer euphorisch und textsicher mit. Ian Kenny ist bester Laune, immer für einen lockeren Kommentar gut, und stimmlich ohne auch nur den kleinsten Ausrutscher, fast schon unheimlich gut. Leider ist der Spaß nach etwas mehr als eineinhalb Stunden schon wieder vorbei, viele gute Stücke, vor allem von der ersten Platte der Band, blieben ungespielt. Das ist aber auch alles, was es zu bemängeln gibt.

Fazit: Beide Bands haben auf ganzer Linie überzeugt, ebenso wie die Location mit ihrer sehr guten Akustik. Dementsprechend war es ein Abend, der sich auf ganzer Linie gelohnt hat. Wer auch immer die Möglichkeit hat, diese Bands live zu sehen, sollte auf jeden Fall zuschlagen!

Freitag, 29. März 2013

Live: Riverside & Jolly 28.03.2013 Centralstation Darmstadt

Mit ihrem aktuellen Album 'Shrine Of New Generation Slaves' schlagen die polnischen Progmetaller Riverside neue Töne an, rockiger, mit weniger Metal-Elementen. Wie sich dieses neue Material live in die älteren Sachen der Band einfügt, konnte man auf der New Generation Tour sehen, die am 28.03.2013 in Darmstadt zu Ende ging.

Die Centralstation in Darmstadt bildete eine gute Kulisse für das Konzert. Das Fassungsvermögen von 1200 Zuschauern wurde nicht erreicht, aber dennoch war der Saal gut gefüllt, als die erste Vorband Dianoya, ebenfalls aus Polen, pünktlich halb neun ihre Show begann. Die etwa 40-minütige Show war handwerklich sehr gut, obwohl die Gitarre zwischen den sehr lauten Bass und Schlagzeug leider etwas unterging. Der teils melodische, teils vertrackte und recht harte Progmetal der Band wurde vom Publikum wohlwollend aufgenommen, aber das Quartett schaffte es leider nicht, wirkliche Begeisterung aufkommen zu lassen.

Nach kurzer Umbaupause spielte mit Jolly eine weitere Vorband, diesmal nicht aus Polen, sondern aus den Vereinigten Staaten. Die Gruppe präsentierte natürlich Songs von ihrem aktuellen neuen Album 'The Audio Guide To Happiness Part 2', aber auch ältere Stücke. Dabei sorgten vor allem der extravagant gekleidete Sänger sowie der Bassist dafür, ordentlich Stimmung ins Publikum zu tragen. Die technisch sehr gute Show wurde ein ums andere Mal mit Scherzen und anheizenden Sprüchen angereichert, so dass die Gruppe das Publikum schnell auf seine Seite ziehen konnte. Kleinere technische Pannen wurden witzig kommentiert, und während eines Songs kamen plötzlich einige Roadies auf die Bühne, die mit Besen, Leitern und Putztüchern bewaffnet an den Instrumenten der spielenden Band herumpolierten und für allerlei Erheiterung sorgten. Kurz vor Schluss bedankte sich die von Hurricane Sandy gebeutelte Band für die Unterstützung, die sie seitdem von den Fans erfahren konnte; die Gruppe hatte bei dem Wirbelsturm Studio und zum Teil auch das eigene Heim verloren. Dann wurde das Publikum auf den Hauptact des Abends eingestimmt.

Während der Umbaupause lief im Hintergrund die 'Night Session' vom aktuellen Album von Riverside. Gegen zwanzig nach zehn war es dann endlich soweit, unter tosendem Beifall kamen Mariusz Duda und seine Kollegen auf die Bühne.


Die Band eröffnete mit den ersten beiden Songs vom neuen Album. Die Soundqualität war hervorragend, auch wenn Duda während der Show mehrfach Missfallen an dem Kopfhörer in seinem Ohr deutlich machte. Das Publikum ließ sich schnell verzaubern von perfekt vorgetragenen Stücken und von der Begeisterung, mit der die Band auf der Bühne agierte. Duda arbeitete gut zum Publikum hin, zog einige Lacher auf sich, als er einen Zettel aus der Tasche zog und die Vorstellung der Band und Ansage eines Titels auf Deutsch vortrug.

Die Gruppe spielte fast alle Songs vom neuen Album, sowie einige Stücke des Vorgängers 'Anno Domini High Definition', wie 'Driven to Destruction' oder, als erste Zugabe, 'Left Out'. Von der EP 'Memories in my Head' wurde 'Living in the Past' zum Besten gegeben, und natürlich durften Hits wie 'Panic Room' nicht fehlen. Von den ersten beiden Alben der Band war leider wenig zu hören, lediglich 'Conceiving You' vom zweiten Album wurde gespielt. gegen zwanzig nach zwölf war dann nach 'Celebrity Touch' Schluss.

Was soll man sagen ... Riverside lieferte wie immer eine sehr gute Show ab. Technisch ausgereift und mit viel Routine, aber auch mit Begeisterung und viel Humor war die Show ein absolutes Erlebnis. Hoffentlich wird man noch viele Jahre in den Genuss solcher Konzerte kommen können.

Dienstag, 8. Januar 2013

Retrospect: Jahresrückblick 2012 - Live

Das Live-Jahr war für mich nicht so üppig wie das Jahr zuvor. Nur zwei Gigs habe ich gesehen, wie man ja auf diesen Seiten hier nachlesen kann. Das Anathema/Amplifier-Konzert hat mir besser gefallen, was Stimmung und Location betrifft, und auch meinen Geschmack hat das Konzert besser abgedeckt. 

Leider habe ich es ja, gerade im Herbst, nicht geschafft, einige in der Tat gute Konzerte zu besuchen. Da war zum Beispiel die Akustik-Tour von Opeth mit Anathema, das leider ausverkauft war. Oder das Phonopop Festival, wo ich die wahrscheinlich einmalige Gelegenheit verpasst habe, die großartigen Warpaint live zu erleben. Der Gig soll wirklich großartig gewesen sein. Aber schaut selbst.


Für das kommende Jahr hoffe ich, dass ich wieder mehr Shows schaffe. Einige sind ja schon in Aussicht; Riverside, Amplifier und Long Distance Calling zum Beispiel haben schon Termine angekündigt. Ich freue mich und bin gespannt!

Montag, 14. Mai 2012

Live: The Intersphere & Katortz 09.05.2012 Kulturclub schon schön Mainz

Beim ersten Anlauf wurde das Konzert von The Intersphere im Kulturclub 'schon schön' leider ultrakurzfristig wegen Krankheit abgesagt. Doch eine Woche später war es dann soweit. Der Platz vor der kleinen Location mitten in der Mainzer Innenstadt war gut gefüllt, als kurz nach 21 Uhr die Türen öffneten. Die späte Anfangszeit war angesichts des Wochentages etwas unglücklich, doch offenbar Standard bei Veranstaltungen in diesem Club. Leider waren einige Zuschauer schon vor dem Konzert erheblich alkoholisiert, was sicher auch an der späten Uhrzeit lag. Der kleine Konzertraum war durchaus überschaubar, es gab die Bar im Hintergrund und etwas abseits der Bühne einen Kickertisch. Zusätzlich gab es noch eine Empore, wo man zwar bessere Sicht, aber schlechteren Ton hatte, und eine Raucher-Lounge im Nebenraum.

Auftritt von Katortz, von der Empore aus betrachtet
Etwa 21:40 begann der Support Act Katortz zu spielen. Das Trio, aus dessen Initialen sich der Bandname zusammensetzt, spielte ambitioniert und mit Begeisterung eine recht rockige Mischung mit leichten psychedelischen Einschlägen. Der Gesang war leider ein wenig unterrepräsentiert, so dass man von den deutschen Texten kaum etwas mitbekam. Insgesamt hat die Musik der Band ein wenig an Selig erinnert, vielleicht eine Spur härter. Die Gruppe war sichtlich gut gelaunt und auch froh über die Chance dieser Tour. Das Publikum war nur bedingt zu begeistern, und ab und zu kam das Gefühl auf, dass eine zweite Gitarre die Arrangements unheimlich bereichern würde. Trotzdem war es kein schlechter Gig, der nach etwa 40 Minuten zu Ende war und einen angenehmen Eindruck hinterließ.

Die Umbaupause war verhältnismäßig kurz, da beide Bands sich ein Schlagzeug teilten. Etwa gegen 22:40 begann der Hauptact des Abends. Von Beginn an war deutlich mehr Stimmung vorhanden. Der Sound war um einiges härter als der der Vorband, schnelle, harte Riffs und melodische Strophen prägten die Songs von The Intersphere. Fans von Karnivool oder Dredg finden sich hier sehr gut aufgehoben. Vor allem Sänger Christoph Hessler wusste gut mit dem Publikum zu interagieren, in dem sich angesichts der Nähe zur Heimatstadt Mannheim offensichtlich auch etliche persönliche Freunde befanden. Die zahlreichen Ventilatoren, die während des ersten Songs eingeschaltet wurden, brachten kräftige Zugluft und wurden auf Bitten des gerade erst wieder fitten Sängers wieder abgeschaltet. Keine Zugluft mehr, dafür heizte sich der Raum ganz gut auf, was gegen Ende des Konzerts etwas drückend wurde.

Kleine Päuschen zwischen den Songs, in denen an den Instrumenten und Effektgeräten geschraubt wurde, hielten sich in einem Maß, das okay war; mit besserer Überbrückung hätte man die Atmosphäre auf einem noch höheren Level halten können. Trotzdem war die Stimmung sehr gut und wurde mit fortschreitender Dauer der Show wurde immer besser. Einige wenige gut platzierte Lichtanlagen sorgten für entsprechende Atmosphäre, und das Publikum ging mit allen Songs richtig mit, ließ sich zeitweise sogar zum Springen animieren. Die Band um den eben erst wieder genesenen Frontmann spielte mit Druck und viel Freude, auch wenn die noch angeschlagene Stimme von Christoph Hessler mit der einen oder anderen Höhe zu kämpfen hatte.

Die Gruppe spielte eine gute Mischung aus Songs vom aktuellen Album und älteren Stücken. Von Anfang bis Ende energiegeladen, war der Auftritt überraschend gut. Die Band hat durchaus weitererzählenswerte Live-Qualitäten; die Jungs beherrschen ihr Handwerk und können auf gutes Songmaterial zurückgreifen. Empfehlung: Unbedingt hingehen!


Mittwoch, 25. April 2012

Live: Anathema & Amplifier 24.04.2012 Bürgerhaus Stollwerck Köln

Amplifier und Anathema luden zum gemeinsamen Konzert ins Bürgerhaus Stollwerck in Köln. Während die Vorband auf der Suche nach "Neuen Freunden" waren, wollte der Hauptact des Abends ein neues Album präsentieren, das den Weg der letzten Jahre hin zu ruhigeren und harmonischen Klängen vortsetzte.

Amplifier hatten mal wieder einen schweren Stand. Zum Einen begannen sie mehr als zwanzig Minuten zu früh. Der Saal war noch nicht einmal zur Hälfte gefüllt, und erst, als sich herausstellte, dass es tatsächlich der Beginn des Konzerts war, kamen zumindest die sich noch im Foyer aufhaltenden zahlenden Gäste dazu. Doch von Beginn an war die Gruppe, wie schon im Jahr zuvor in Wiesbaden, vom Technikteufel verfolgt. Gitarrist Steve Durose war im ersten Song einem Wutanfall nahe, weil seine Gitarre nicht ging. Sänger Sel musste sich das Mikro praktisch in den Mund stecken, damit man ihn hörte. Platzmäßig sah es für die Band auch mau aus. Die Aufbauten von Anathema im Hintergrund nahmen so viel Platz auf der Bühne ein, dass die vier Jungs alle nebeneinander spielen mussten; das Schlagzeug stand direkt am Bühnenrand vorn links.

Wie schon in Wiesbaden ließen sich die meisten technischen Schwierigkeiten während des ersten Songs in den Griff bekommen. Die Band ließ sich davon auch nicht unterkriegen und spielte beherzt auf. Anders als im Vorjahr, wo Amplifier ja als Hauptact unterwegs waren, wirkten die Jungs doch deutlich gelöster und gaben einfach alles. Aushilfsbassist Magnum war keinerlei Unsicherheit anzumerken. Stammbassist Neil war ja zwei Wochen vor der Tour aus der Band ausgestiegen.

Amplifier spielten eine gesunde Mischung aus Songs vom aktuellen und dem Debütalbum sowie von der 'The Astronaut Dismantles HAL' EP. Erstes Highlight war schon ziemlich am Anfang 'Panzer'. Doch der Funke sprang nur teilweise aufs Publikum über. Sel kommentierte das trocken mit einem Hieb Richtung Hauptband: "I'm afraid we don't play any piano ballads tonight. We'll go on with some heavy riffing instead."* Dann folgte der Monstertrack 'Interstellar' vom 'Octopus'-Album. Letztendlich schaffte die Truppe es trotzdem noch, die Leidenschaft und Spielfreude ein Stück weit ins Publikum zu transportieren. Highlight waren dabei 'The Wave' in der Mitte und 'Neon' als Abschluss des knapp einstündigen Sets.

Trotz dass das Publikum nicht ganz so mitgegangen ist, wie das vielleicht der Leistung der Band entsprochen hätte, war der Auftritt doch um ein wenig besser als der im letzten Sommer in Wiesbaden. Und ich denke, wenn die Jungs sich endlich mal ne gute PA und vielleicht auch nen besseren Techniker zulegen, können die Gigs zu echten Erlebnissen werden.

Während bei Amplifier eher rotzige, trotzige Clubatmosphäre vorherrschend war, war die Stimmung bei Anathema gleich ganz anders. Die Bühne war jetzt natürlich offener, größer, und konnte auch ganz anders ausgeleuchtet werden. Stimmungsvolle helle Blautöne waren vorherrschend, als die Band um die Gebrüder Cavanagh mit dem Zweiteiler 'Untouchable' vom neuen Album eröffneten. Der Funke sprang jetzt im mittlerweile sehr gut gefüllten Konzertsaal auch schneller über. Die Setlist der Gruppe war geschickt aufgebaut. Es wurden alle Songs vom neuen Album in der Reihenfolge gespielt, in der sie auch auf 'Weather Systems' erschienen sind. Zwischen die einzelnen neuen Songs wurden etliche etwas Ältere eingestreut. So gab es nach den ersten drei Stücken von 'Weather Systems' zwei vom Vorgängeralbum, danach drei eher selten gespielte Songs von 'Judgement', und so weiter.

Im mittleren Teil der Show stellte sich ein klein wenig Müdigkeit ein, weil hier zu viele ruhige Stücke aneinander gereiht waren, auch wenn der mehrstimmige Gesang von Daniel und Vincent Cavanagh zusammen mit Lee Douglas ungemein bewegend war. Doch gleich darauf setzte die Band ein weiteres Highlight; nachdem Daniel das Publikum mit dem Riff von Tools 'Schism' aufgeweckt und zu lauthalsen Sympathiebekundungen ermuntert hatte, spielten sie das eh schon ziemlich schnelle 'Panic' noch eine Spur schneller als im Original, was das Publikum in gehörige Euphorie versetzte. Die Zuschauer waren nun gänzlich der Band verfallen, und die noch verbliebenen Songs vom neuen Album wurden ebenso frenetisch bejubelt wie die älteren Stücke. Die Laune der Jungs auf der Bühne war ausgelassen, Daniel und Vincent frotzelten die ganze Zeit herum, und als Vincent in einer Ansage die Setlist durcheinanderbrachte, war das für Daniel ein gefundenes Fressen.

Schließlich legte die Band noch einen fulminanten Schlussspurt hin. Aus Zeitmangel unterließen sie es, vor den Zugaben die Bühne zu verlassen, sie spielten einfach weiter. Besonders hervorzuheben ist dabei noch 'Closer', bei dem Vincent im Hintergrund stand und in den Vocoder sang, während Daniel vorn am Bühnenrand hin und her lief und die Menge anpeitschte. Der Jubel nach dem Song war ohrenbetäubend laut, wahrhaftige Begeisterungsstürme brandeten der Bühne entgegen. Als letzter Song wurde 'Fragile Dreams' in der Version vom 'Alternative 4' Album gespielt und damit ein ziemlich genau zweistündiger Gig gekrönt, der in der Mitte seine Längen hatte, aber in seiner Gesamtheit in Sound und Stimmung absolute Spitze war. Entsprechend zufrieden machten sich die Zuschauer auf den Heimweg.


 *ungefähre Wiedergabe aus dem Gedächtnis



Freitag, 4. November 2011

Live: Long Distance Calling & Pigeon Toe 02.11.2011 Schlachthof Wiesbaden

Der Neubau des Wiesbadener Schlachthofs hat endlich begonnen. Vor dem Eingang zur Räucherkammer, in dem an diesem Abend Long Distance Calling sich die Ehre geben sollten, befand sich nur ein schmaler Zugang zwischen Mauer und Bauzaun. Diese war schon früh mit wartenden Menschen gefüllt, und im Gegensatz zum Amplifier-Konzert im Sommer in der gleichen Location war der Raum nach dem Öffnen der Türen schnell gut gefüllt. Die Stimmung war gut und erwartungsfroh, und der Support Act Pigeon Toe eröffnete pünktlich.

Pigeon Toe spielten ambitioniert und mit viel Einsatz und konnten damit große Teile des Publikums mitreißen. Der harte, phasenweise etwas sludgy anmutende Postrock der fünf Freiburger kam gut an. Leider war die Abmischung nicht optimal; die Drums waren etwas überrepräsentiert, und der eigentlich ganz gute Gesang von "Marsen" Fischer (ehem. Fear My Thoughts) kam kaum zur Geltung. Dennoch insgesamt eine recht gelungene Eröffnung für den Hauptact des Abends, und eine Band, die man zumindest im Auge behalten sollte.

 

Long Distance Calling kamen auf die Bühne und gaben von Anfang an alles. Die Befürchtung, dass der Sound nicht optimal sein könnte, bewahrheitete sich nicht, nach kurzer Einstellungsphase während des ersten Songs war der Klang bis auf wenige Ausnahmen gut. Das Publikum war sehr gut drauf, auch wenn man zum Teil irritiert über den teilweise geringen Bewegungsdrang der Zuschauer war. Jeder Song wurde frenetisch gefeiert, teilweise gab es sogar Szenenapplaus. Das Quintett auf der Bühne legte enorm viel Spielfreude an den Tag, die sich weiter ins Publikum transportierte. Die gute Mischung aus neuen und alten Stücken sorgte dafür, dass für jeden etwas dabei war. Besonders die Songs vom 'Avoid The Light' Album lösten wahre Begeisterungsstürme aus, und die Band wirkte immer wieder sehr erstaunt über die gute Stimmung. Das Set war mit etwas weniger als 2 Stunden verhältnismäßig kurz, dennoch verließen die Zuschauer nach der Zugabe zufrieden und mit glücklichen Gesichtern den Raum.

Fazit: Es ist erstaunlich, was für eine riesige Stimmung in so einer kleinen Location wie der Räucherkammer des Wiesbadener Schlachthofes aufkommen kann. Ich hoffe sehr, dass die Band den Gig in guter Erinnerung behält, und auch auf künftigen Tourneen einen Abstecher nach Wiesbaden macht.

Pigeon Toe:
http://www.myspace.com/pigeontoeband
http://www.soundcloud.com/pigeon-toe

Long Distance Calling:
http://www.longdistancecalling.de

Sonntag, 2. Oktober 2011

Live: 5th Anniversary of Progressive Promotion Festival

"Das Rind", Rüsselsheim
Es ist Samstag, der 01. Oktober. Der Herbst ist wahrhaft golden, das Wetter optimal, und vor dem "Rind" in Rüsselsheim herrscht gemütliche Biergartenatmosphäre, während drinnen schon die erste Band des Abends spielte.Der schmale Weg, der zum Eingang des Konzertraumes führte, war von Merch-Ständen und den davor stehenden Kunden gesäumt, was den Durchgang recht eng machte. Der Raum selbst war recht klein, etwa 100 bis 150 Zuschauer fassend. Der Eingang befand sich vorne links neben der Bühne, im hinteren Bereich gab es eine kleine Bar.

Die erste Band des Abends war Retrospective, genau wie der spätere Headliner eine polnische Gruppe. Die fünf Musiker spielten ambitioniert und technisch gut, und die Freude über den Auftrett war ihnen deutlich anzumerken, den sie erhalten haben, weil zwei andere Bands, die ursprünglich gebucht waren, absagen mussten. Vor allem die charismatische Sängerin schaffte es, das offene und gut gelaunte Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Die deutlich von Riverside beeinflusste Musik kam gut an. Ein gut gelungener Opener für diesen Festival-Abend, der Hoffnung auf mehr machte.


M!ndgames
Nach einer Umbaupause, in der die meisten Besucher den Saal verließen, um zu rauchen, oder der doch teils sehr stickigen Hitze zu entkommen, standen M!ndgames auf dem Programm. Im Vergleich zu den jungen, gefühlsbetonten Musikern von Retrospective war hier eher deren Elterngeneration auf der Bühne. Der Neo-Prog, den sie spielten, lehnte sich sehr an den Sound von Arena  oder ein bisschen auch von Rush an. Sänger Bart Schram unterstützte die Geschichten, die in den Songs erzählt wurden, mit großen Gesten und teilweise auch Kostümierung. Die Musiker um ihn herum wurden da nicht mit einbezogen, und immer, wenn der Sänger vom Mikrofon zurücktrat, blieb nur die Musik, aber optisch ein Vakuum. Dennoch waren große Teile des Publikums begeistert und forderten nach dem Konzert eine Zugabe. Diese wurde jedoch vom Veranstalter verwehrt, was Unmut und Buh-Rufe nach sich zog. Die erste Band durfte einen zusätzlichen Song spielen. Bestimmt fünf Minuten verblieben M!ndgames auf der Bühne und versuchten die Technik zu bewegen, die Kanäle wieder hochzuziehen. Aber es war nichts zu machen. Schade für die Gruppe, dass der Veranstalter hier so sehr auf seinen Zeitplan pochte. Man muss aber auch sagen, dass die Band mit ihrem Neo Prog doch nicht ganz zu den anderen Bands passte, die eher melancholisch emotional mit mal mehr und mal weniger deutlichem Metal-Anteil war.



Der nächste Auftritt war der von Subsignal. Die ursprünglich aus Sieges Even hervorgegangene Gruppe hat kürzlich ihr neues Album veröffentlicht, spielte aber beim Konzert viele Songs von  ihrer ersten Platte. Der sympatische Sänger Arno Menses war der Mittelpunkt der Show, doch hier wurden auch die anderen Musiker wie der eher introvertiert wirkende Gitarrist Markus Steffen mit einbezogen, und auch die anderen Musiker zeigten deutlich mehr Aktion auf der Bühne, was den Auftritt sehr authentisch machte. Der harte, von Progmetal beeinflusste Sound sowie der Sänger, der das Publikum immer wieder antrieb, kamen sehr gut an und die Stimmung war gigantisch. Die Bnd schaffte es optimal, ihren Sound ins Auditorium zu transportieren und alle anzustecken. Für mich persönlich war das die Top-Entdeckung des Abends, denn abgesehen vom Headliner, der nun folgen sollte, waren mir alle anderen Gruppen bisher unbekannt gewesen.


Vor dem Auftritt von Riverside kam ein wenig Ungemach auf. Viele Zuschauer waren schon wieder im Saal, der Umbau quasi abgeschlossen, als eine Durchsage das Publikum aufforderte, den Saal wieder zu verlassen, da die Band sich noch einmal "mit technischen Schwierigkeiten" auseinandersetzen und dabei "ungestört arbeiten" wollte. Das stieß bei vielen Zuschauern auf Unverständnis, zumal z.B. einige Monate zuvor bei der Night of the Prog auf der Loreley der Soundcheck auch vor dem Auditorium durchgeführt wurde. Aus Kreisen des Veranstalters konnte man vernehmen, dass die Band am Mittag wohl schon kurz davor gewesen sei, das Konzert abzusagen. Im Publikum hörte man dann Worte wie "Starallüren", es wurde gemutmaßt, dass die Band mit der Größe der Location nicht einverstanden war. Die Zuschauer standen nun also in der oben schon beschriebenen engen Gasse vor dem Eingang, und die Gruppe ließ sich nun fast eine Dreiviertelstunde Zeit für ihren Soundcheck, was die Stimmung nicht unbedingt besserte. Als die Tür wieder öffnete, befürchtete man schon einen nur einstündigen, lustlos vorgetragenen Auftritt. Doch weit gefehlt: Kaum auf der Bühne, gaben die Jungs um Frontmann Mariusz Duda alles, um das verstimmte Publikum wieder auf ihre Seite zu bringen. Der Sound war gut, Mariusz interagierte von Anfang an mit dem Publikum, und auch die anderen Musiker legten eine Spielfreude an den Tag, die die lange Wartezeit schnell vergessen ließ. In einem mit Zugabe fast zweistündigen Set spielte die Band viele neue Songs von der aktuellen EP oder dem letzten Album. Wer auf ältere Stücke von den ersten Alben gehofft hatte, wurde enttäuscht, aber wirklich enttäuscht war im Saal wohl niemand, und als kurz vor 1 Uhr der Vorhang fiel, waren alle froh über den doch noch guten Ausgang eines teilweise skurrilen Abends.



Band-Hompages:
Retrospective
M!ndgames
Subsignal
Riverside

Montag, 6. Juni 2011

Live: Amplifier 02.06.2011 Schlachthof Wiesbaden

Herrliches Wetter bestimmte den Tag und den frühen Abend. Das weitläufige Gelände zwischen Hauptbahnhof und Schlachthof in Wiesbaden war gefüllt mit Menschen, die in kleinen Gruppen die Grünflächen und Bänke in beschlag nahmen und die Sonne genossen. Der Platz direkt neben dem Schlachthof-Gebäude war mit recht voll besetzten Tischen bestückt, die zum im Gebäude ansässigen Bistro gehörten. In angenehmer Biergarten-Atmosphäre konnte man nur zum Teil anhand der zur Schau getragenen Band-Shirts erkennen, wer möglicherweise zum angekündigten Amplifier-Konzert wollte. Auch als die Türen mit deutlicher Verspätung öffneten, gab es keine Schlangen, der Raum füllte sich nur langsam. Die sogenannte Räucherkammer befindet sich in einem Seitenteil des Schlachthofes und war, da die große Halle wegen Baufälligkeit zur Zeit geschlossen ist, der Veranstaltungsort. Der Raum fasst etwa 100 Zuschauer. Gewölbte Ziegeldecken wurden vonmehreren Strahlern angeleuchtet und gaben dem Raum ein warmes, diffuses Licht.Trotz der geringen Ausmaße fand neben der Bar und der kleinen Bühne auch der Merch-Stand noch einen Platz im Innern. Während ein kleines Grüppchen sich zielstrebig direkt vor der etwa um einen Meter erhöhten Bühne platzierten, blieb der restliche Raum recht lange nur spärlich gefüllt, das sollte sich auch erst während des Vorprogramms ändern.

Als Support war Charlie Barnes angekündigt. Der One-Man-Show reichten als Equipment ein Keyboard, eine Gitarre, ein Computer und eine Loop-Maschine, sein wichtigstes Instrument war seine Stimme. Mit seinem schüchternen Charme und seiner Musik, die die Vertracktheit von Oceansize und die elektronischen Spielereien von Surfjan Stevens in sich vereint, konnte er schnell das zunächst skeptische Publikum auf seine Seite bringen. Die Zuschauer ließen sich schnell anstecken von der Leidenschaft und Intensivität, die der Künstler in seine Songs und seine Stimme legte. Bei einem Song bekam er Unterstützung von Amplifier's Neil Mahony, ansonsten schaffte er es mit den oben genannten Mitteln, ein sehr gutes und mitreißendes halbstündiges Set abzuliefern, das Spaß und Lust auf mehr machte.
Charlie Barnes:


Nebel waberte über die in diffuses blaues Licht gehüllte Bühne, als sich die Hauptband endlich ankündigte. Dröhnende U-Boot-Geräusche kamen aus den Boxen, während im Hintergrund 'Octopussys Garden' von den Beatles lief. Dann kam schließlich die Band und eröffnete mit 'The Wave' vom aktuellen Album 'The Octopus'. In der nächsten Stunde folgten ausschließlich neue Stücke. Der Beginn des Konzerts wirkte sehr zerfahren, da es offenbar Probleme mit der Akkustik gab. Die oberen Boxen auf der rechten Seite fielen immer wieder aus, und es dauerte etwa eine Viertelstunde, bis dieses Problem unter Kontrolle war. Doch auch dann war der Sound ein wenig zu dumpf, und die Stimme des Sängers wie auch das Schlagzeug ein wenig zu weit hinter den ohne Zweifel beeindruckenden Gitarrenwänden. Auch die Band selbst schien mit dem Sound unzufrieden, ein ums andere Mal forderten vor allem Sel und Neil Änderungen an den Monitor-Einstellungen. Neil nahm's gelassen und machte seine Scherze mit der Situation, Sel hingegen wirkte verschlossen und konzentriert. Neuzugang Steve Durose (Ex-Oceansize) fügte sich gut ein, die zweite Gitarre bereicherte die Stücke, ohne sie zu sehr vom Original zu entfernen. Dennoch dauerte es eine Weile, bis die Stimmung in großen Teilen des Publikums aufkam. Zusätzlich zu den Soundproblemen waren zu Beginn des Konzertes zwei weitere störende Elemente vorhanden: Ein Kameramann, der zwar versuchte, sich mit seinem großen und unhandlichen Arbeitsgerät zwar versuchte kleinzumachen, aber doch störend im Weg saß, und ein Fotograf, der sich mit einer Penetranz durch die ersten Reihen hin und her drängelte, die die langsam aufkommende Stimmung direkt wieder unterdrückte. Nichts gegen Leute, die ihren Job machen wollen oder müssen, aber in diesem Fall mangelte es eindeutig an Feingefühl und Anstand.

Nachdem nun alle störenden Elemente mehr oder weniger entfernt und die Bewegungsfreiheit wieder hergestellt war, wurde es dann doch stimmungsvoller. Band und Publikum hatten sich mit den Soundproblemen arrangiert, und man konnte engagierte Musiker sehen, die ihr Handwerk verstanden und die Songs und die Stimmung darin gut ins Publikum transportieren konnten. Nachdem im Hauptteil des Konzertes ausschließlich neue Songs präsentiert wurden, folgten in der Zugabe noch einige alte Stücke. Die Stimmung war mittlerweile richtig gut, und als die letzten Töne von 'Airborne' verklungen waren, wurde die Band mit begeistertem Applaus verabschiedet.

Die Eindrücke, die nach dem Event blieben, waren überwiegend positiv. Der Sound und die damit verbundenen Probleme deckte sich mit meinen Erwartungen. Die Stimmung war zumindest in der zweiten Konzerthälfte fast sogar besser, als ich es angesichts der Größe und der Zuschauerzahl gedacht hätte. Die Erweiterung um einen zusätzlichen Gitarristen tut der Band und den Songs gut. Der Support Act war eine sehr gute Wahl und bedarf auf jeden Fall weiterer Beobachtung. Alles in allem kein überdurchschnittliches, aber doch ein gutes Konzert, das ich mit einem zufriedenen Gefühl verlassen habe.

Dienstag, 26. April 2011

Live: Blackfield 24.04.2011 Batschkapp Frankfurt

Ostersonntag, 24.04.2011, 18:40 Uhr. Strahlender Sonnenschein und ein leichter milder Wind verleihen dem Platz vor der Batschkapp in Frankfurt einen Hauch von Sommer. Einige Dutzend Menschen tummeln sich bereits in Grüppchen vor dem Haus, und unter den wachsamen Augen von Steven Wilson, der oben an einem Fenster steht, werden Getränke- und Merchandisestand geplündert. Die Stimmung ist locker, entspannt, freundlich, und als gegen 19:00 Uhr die Türen öffnen, begibt sich die mittlerweile angewachsene Menge geordnet und ohne Hektik nach drinnen. Dort ist es dunkel, im Vergleich zu draußen fast schon schwülwarm, so dass der erste Weg vieler Gäste zur Theke führt. Die Preise sind happig, doch das tut dem Absatz keinen Abbruch. Nach und nach füllt sich der Saal, Gespräche vereinen sich zu einem immer mehr anschwellenden Rauschen, das zusammen mit der Musik, die aus den Boxen kommt, eine perfekte Clubatmosphäre schafft. Das Publikum ist bunt gemischt. Da steht ein Porcupine Tree Fan in der ersten Reihe und fragt sich, auf welcher Seite der Bühne wohl Steven Wilson stehen wird. An der Bar unterhält sich ein Altrocker im Iron-Maiden-Hemd mit einigen langhaarigen Jugendlichen. Auf der Seite versucht ein Elternpaar einen Platz mit guter Sicht für ihren Sohn zu ergattern, und weiter vorne spielen zwei Teeniemädchen mit ihrer Kamera herum.
Pünktlich um 8 kommt die Vorband auf die Bühne. North Atlantic Oscillation halten sich nicht mit langen Reden auf. Die Songs ihres Sets gehen fast fließend ineinander über, für Applaus bleibt kaum Zeit. Die drei Musiker sind konzentriert in ihre Musik vertieft, die die Vertracktheit von Oceansize, die schönen melancholischen Melodien von Pineapple Thief und die elektronische Experimentierfreudigkeit von Radiohead miteinander vereint. Die sehr abwechslungsreiche Musik kommt beim Publikum ganz gut an, auch wenn die Abmischung das eine oder andere Mal für ein wenig breiigen Klang sorgt, und die Herren auf der Bühne offensichtlich ein wenig Schwierigkeiten mit dem Monitoring haben. Aber ich ziehe den Hut vor allem vor der Leistung von Gitarrist und Bassist, die nicht nur an ihren Instrumenten und mit ihren Stimmen überzeugen, sondern gleichzeitig auch diverse Effektgeräte und Keyboards bedienen und diesen Spagat mit Bravour meistern. Nach dem 45-minütigen Set und einer höflichen Verabschiedung hilft die Band tatkräftig beim Abbau ihres Equipments, und nach einer weiteren halben Stunde ist die Bühne frei für den hauptact des Abends.
Unter frenetischem Jubel kommen die Akteure auf die Bühne. Steven Wilson gewohnt lässig, barfuß, in bequemer Hose und einem T-Shirt mit einer Fliege auf der Brust. Aviv Geffen gewohnt extravagant, mit einem schwarzen Mantel mit viel Tüll und Rüschen und mit einem roten Lichtschlauch garniert, mit schwarz gefärbten Lidern und Glitzer unter den Augen. Die Band eröffnet mit 'Blood', dem härtesten Song vom neuen Album, gefolgt von 'Blackfield', einem alten Stück vom ersten Album. Die Stimmung im Saal ist großartig, das Publikum feiert die Band, singt lautstark mit, und den Akteuren auf der Bühne ist die Spielfreude deutlich anzusehen. Geffen, der sich mittlerweile seines Mantels entledigt hat, lässt mit seiner Stimme Schauer über die Rücken der Anwesenden rollen, und Wilson verleiht mit seiner Gitarre auch den neuen Songs die Härte, die auf dem Album meiner Ansicht nach ein bisschen zu weich gemischt wurden. Die Musik gewinnt dadurch deutlich an Intensität und Kraft, während sie mir auf dem Album eher ein wenig plätschernd vorkamen. Das Set setzt sich fort mit einer abwechslungsreichen Mischung aus alten und neuen Songs. Die Stücke an sich wie auch die überaus gute Auswahl und Zusammenstellung schaffen eine ungemein warme und freundliche Atmosphäre, und Wilson hat mit seinem Charme und Witz das Publikum auf seiner Seite. Warm ist auch das Klima im Saal, fast schon unangenehm, was auch der Band auffällt, die sich allerdings bald mit einer Windmaschine Abhilfe schaffen, welche Wilson gleich nutzt, um sich mit wehendem Haar in Pose zu werfen. Die 'Arriving Somewhere' Rufe aus dem Publikum kommentiert er mit 'Wrong concert', und als sein Blick auf die Teeniemädchen fällt, die ihm ihre zu Herzen geformten Hände entgegenrecken, huscht ein verschmitztes Lächeln über sein Gesicht. Zum Ende des Hauptteils werden auch die anderen Bandmitglieder vorgestellt und begeistert gefeiert, und mit der Zugabe, bestehend aus 'Hello', 'End of the World' und 'Cloudy Now' steigert sich die gute und ausgelassene Stimmung fast ins Unermessliche. Vor allem Aviv Geffen, der sich mittlerweile auch seines Unterhemdes entledigt hat, legt so viel Intensität in seinen Gesang, dass man fast fürchtet, dass ihm der Kopf platzt, und als gegen 23:00 Uhr die letzten Töne verklungen sind, bleibt nur noch tosender Beifall.
Trotz der verhältnismäßigen Kürze des Sets ist das Publikum voll auf seine Kosten gekommen. Die sehr gut ausgewählte Zusammenstellung aus Altbekanntem und Songs vom neuen Album haben sich zu einer perfekten Mischung verbunden, und die Qualität der Musiker und deren enorme Freude am Spielen haben den Abend zu einem Unvergesslichen werden lassen.

Einen Kritikpunkt habe ich noch anzumerken, allerdings nicht an der Band, sondern am Publikum. Anders als bei den Konzerten von Porcupine Tree war das Filmen und Fotografieren hier nicht untersagt worden. Das führte allerdings dazu, dass einige Zuschauer, vor allem in den ersten Reihen, mehr Zeit mit ihrem Handy als mit der Band verbrachten. Es nervt tierisch, wenn in einer euphorisierten Zuschauermenge vereinzelte Personen stehen wie ein Fels in der Brandung, weil sie unbedingt 'Hello' in voller Länge und möglichst ohne Verwacklungen auf Video festhalten müssen. Wozu, frage ich mich? Damit man dann ein drittklassiges Video mit verpixeltem Bild und mieser Tonqualität hat, das sich einzig und allein dadurch auszeichnet, dass man es selbst gemacht hat? Damit man bei Youtube, Facebook oder wo auch immer prahlen kann, und allen zeigt, dass man dabei war? Warum kann man nicht einfach ein Konzert besuchen und es genießen, die Stimmung in sich aufsaugen, mit allen Sinnen fühlen, hören und sehen, warum bringt man statt dessen sich selbst und auch Andere um den Genuss, weil man sich auf sein mobiles Aufnahmegerät konzentrieren muss? Ich bin eindeutig für Filmverbote auf Konzerten! Kauft lieber die DVD!





Setlist Blackfield

Sonntag, 10. Oktober 2010

Live: Oceansize & Porcupine Tree

am 08.10.2010 in Karlsruhe

Bereits Monate vorher wusste ich, dass Porcupine Tree nach Karlsruhe kommen würden. Zunächst habe ich mich geärgert darüber, dass sie keines ihrer Konzerte im Rhein-Main-Gebiet angesetzt hatten. Ich habe lange überlegt, ob sich die weite Anfahrt  lohnt, zumal abzusehen war, dass ich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sein würde. Doch als mich dann die Nachricht erreichte, dass Oceansize als Support spielen würden, gab es für mich kein Halten mehr. Ungeachtet der Tatsache, dass ich diese Reise allein würde antreten müssen, kaufte ich mir ein Ticket. Gerade noch rechtzeitig, denn wie sich herausstellte, war der Brahmssaal des Karlsruher Kongresszentrums fast ausverkauft. So konnte ich für das ausschließlich mit Sitzplätzen ausgestattete Event noch einen Platz in einer der hinteren Reihen des Mittelrangs ergattern.

Der Platz vor dem Eingang zum Konzertsaal war nur spärlich gefüllt, als ich dort eintraf. Aber zum Beginn des Konzertes waren in dem offiziell ausverkauften Saal nur noch wenige Plätze frei. Ich schreibe übrigens bewusst Konzertsaal und nicht Halle, denn der Begriff würde nicht passen, wie man hier sehen kann...

Fast schon überpünktlich begann der Auftritt von Oceansize, die, wenn ich es richtig gesehen habe, ihren finalen Soundcheck kurz zuvor selbst vorgenommen hatten. Die Band trat mit viel Engagement und Spielfreude auf. Sie gaben eine gesunde Mischung  aus alten Stücken und Songs vom in der Fangemeinde kontrovers diskutierten neuen Album zum Besten. Allerdings habe ich ein paar Kritikpunkte anzumerken, die den Genuss zum Teil erheblich schmälerten. Zum Ersten war das Konzert viel zu laut. Es war deutlich lauter als  später der Auftritt der Hauptband. Die verzerrten Gitarren waren zum Teil richtig beißend, so dass es manchmal sehr schwierig war, der ohnehin nicht als leichte Kost bekannten Musik folgen zu können. Das ist meine Hauptkritik am Auftritt der Vorband, und wenn ich nur für diesen Auftritt die lange Fahrt auf mich genommen hätte, wäre ich schon eher enttäuscht gewesen. Was mich persönlich nicht gestört hat, aber der Band vielleicht mehr als nur höflich verhaltenen Applaus einbringen hätte können, war die Auswahl der Songs. Ich konnte in dem Bereich, in dem ich saß, ausmachen, dass viele der Anwesenden die Band gar nicht kannten. Wenn das Set mehr Songs enthalten hätte, zu denen der gemeine Porcupine Tree Fan besseren Zugang finden kann, hätten sie vielleicht den einen oder anderen neuen Fan für sich gewinnen können. Auch die Lautstärke der vielen harten Songs, die durch eben diese Härte noch extremer wirkte, tat ihr Übriges. Aber um das Konzert nicht kaputtzureden, muss ich noch einmal betonen, dass es für mich als bekennender Oceansize Fan ein klasse Auftritt der Band war. Und inwieweit sie für die Lautstärke selbst verantwortlich waren, werden wir wohl nie erfahren.

Youtube: Oceansize -- Unfamiliar (live in Manchester)

Nach kurzem Umbau und dem obligatorischen Staubsaugen (Steven Wilson spielt gern barfuß) war es endlich soweit: Porcupine Tree eröffneten den Reigen mit Even Less in der Extended Version. Es war einfach herrlich, die Stimmung war von Anfang bis Ende sehr gut. Steven Wilson war bester Laune, agierte gut mit dem Publikum, und auch den anderen Bandmitgliedern war die Spielfreude deutlich anzumerken. Der Sound war spitze, da kann ich keinerlei Kritik anbringen. Es war gut gemischt, und die Lautstärke war, im Gegensatz zum Oceansize-Auftritt, in deutlich erträglicherem Rahmen. Die Band spielte im ersten Teil einige ältere Stücke, zum Beispiel The Sky Moves Sideways oder Dislocated Day. Nach der Pause wurde zunächst das aktuelle Album behandelt, wobei Steven Wilson meinte, dass sie nach dieser Tour die Incident-Songs erstmal seltener gespielt werden würden. Alles in Allem war es eine sehr gute Mischung aus atmosphärischen, psychedelischen Stücken und harten Rocksongs, bei denen das Publikum voll mitging. Vor allem die intensiven "Longtimer" Anesthesize, das anfangs schon erwähnte Even Less und das als Zugabe gespielte grandiose Arriving Somewhere wurden vom den Zuschauern beinahe euphorisch gefeiert.

Youtube: Porcupine Tree -- Don't Hate Me (live in Chicago)

Müde, aber voller Glücksgefühle verließ ich gegen 23:30 den Ort des Geschehens. Der Abend, die lange Fahrt und die damit zsammenhängenden Unannehmlichkeiten, für all das wurde ich aufs Vollste entschädigt. Ich hoffe, dass ich bald wieder in den Genuss kommen werde, zwei so exzellente Band sehen zu dürfen.

Setlisten:
Oceansize 
Porcupine Tree 

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