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Mittwoch, 9. Januar 2013

Retrospect: Jahresrückblick 2012 - Statistiken

last.fm sei Dank gibt es auch in diesem Jahr wieder Statistiken.







Dienstag, 8. Januar 2013

Retrospect: Jahresrückblick 2012 - Live

Das Live-Jahr war für mich nicht so üppig wie das Jahr zuvor. Nur zwei Gigs habe ich gesehen, wie man ja auf diesen Seiten hier nachlesen kann. Das Anathema/Amplifier-Konzert hat mir besser gefallen, was Stimmung und Location betrifft, und auch meinen Geschmack hat das Konzert besser abgedeckt. 

Leider habe ich es ja, gerade im Herbst, nicht geschafft, einige in der Tat gute Konzerte zu besuchen. Da war zum Beispiel die Akustik-Tour von Opeth mit Anathema, das leider ausverkauft war. Oder das Phonopop Festival, wo ich die wahrscheinlich einmalige Gelegenheit verpasst habe, die großartigen Warpaint live zu erleben. Der Gig soll wirklich großartig gewesen sein. Aber schaut selbst.


Für das kommende Jahr hoffe ich, dass ich wieder mehr Shows schaffe. Einige sind ja schon in Aussicht; Riverside, Amplifier und Long Distance Calling zum Beispiel haben schon Termine angekündigt. Ich freue mich und bin gespannt!

Retrospect: Jahresrückblick 2012 - Erwähnenswertes

Alben, die besonders spät oder besonders früh im Jahr erscheinen, haben ja oft einen schweren Stand bei mir. Die frühen Werke laufen Gefahr, dass sie bis zum Jahresende schon in Vergessenheit geraten sind. Da kann man aber noch sagen, die waren nicht gut genug um im Kopf zu bleiben. Die Späten haben den Nachteil, dass man sich bis zum Jahresende und den obligatorischen Jahresrückblicken nicht lange genug mit ihnen beschäftigen kann, um festzustellen, ob sie wirklich gut sind. Hier aber ein paar Exemplare des vergangenen Jahres, die auf jeden Fall Potenzial haben.

'King Animal' heißt das lang erwartete neue Album von Soundgarden. Die Veröffentlichung wurde mehrfach verschoben, doch im Herbst kam es endlich auf den Markt. Es klingt unerwartet frisch, und knüpft trotzdem an die erfolgreichen Jahre der Band an, obwohl zwischen diesem und dem letzten Album mehr als zehn Jahre ins Land gegangen sind. Das Album ist vielseitig, der typische Sound der Gruppe ist unverkennbar, was nicht nur Chris Cornells Stimme geschuldet ist. Die Produktion ist zwar eine Spur zu glatt, aber was will man auch anderes erwarten von Musikern, die schon so lange im Geschäft sind... Das neue Werk reiht sich gut in die bisherigen Alben der Band ein; nicht ganz oben, aber auch nicht ganz unten. Solides Album.


Kong haben ein neues Album veröffentlicht, auch recht spät im Jahr. Die holländischen Quadrophonisten bleiben auf 'Merchants of Air' der Linie treu, der Sound schließt sich an das Vorgängerwerk an. Man kann ein paar mehr technische und elektronische Spielereien finden, aber alles in allem jede Menge guter, harter Riffs und Hooklines, die das Album zu einem kraftvollen, abwechslungsreichen Kunstwerk machen. Immer an der Grenze zur Dissonanz schafft die Band eine sehr gut hörbare Mischung. Weiter so!



...And You Will Know Us By The Trail Of Dead haben ihr aktuelles Album in Hannover aufgenommen. Auf der limited Edition, die zwei zusätzliche Songs enthält, wird sogar deutsch gesungen. Der Sound des Albums ist wieder eine Spur punkiger als die Vorgänger, dennoch ist die Platte gewohnt vielseitig, leicht progressiv, und mit viel Bombast. Kraftvolle Riffs, treibende Drums und vergleichsweise wenig Klavierpassagen machen 'Lost Songs' zu einer soliden rockigen Scheibe. Braucht vielleicht noch mehr Durchläufe, um richtig gut zu werden, bisher reiht es sich im Mittelfeld der Trail Of Dead Alben ein.

Donnerstag, 3. Januar 2013

Retrospect: Jahresrückblick 2012 - Platten des Jahres

Meine Top 5 Alben 2011

Der Jahreswechsel ist vollzogen, da werden die Leser, die schon länger dabei sind, sicher langsam unruhig: Es wird Zeit für Retrospect! Wie immer werde ich in Teil eins zunächst auf die besten Alben des Jahres eingehen. Wer nochmal nachlesen will, worauf es mir da besonders ankommt, der sollte die Einleitung des Retrospect von 2011 lesen.
Das Jahr 2012 war geprägt von einer meiner Ansicht nach unglaublich hohen Dichte an qualitativ sehr guten Alben. Da fünf besonders hervorzuheben fällt schwer. Dennoch habe ich mich festgelegt. Auf weitere Schmankerl werde ich aber noch eingehen.

5 Blindead -- Affliction XXIX II MXMVI
Die Polen haben mit ihrem Konzeptalbum ein großartiges Werk veröffentlicht. Homogenität und Vielfalt stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander. Mit interessantem Thema baut die Band hier eine fesselnde, interessante und einzigartige Stimmung auf, was des besonderen Reiz der Musik ausmacht. Eine Platte, die frischen Wind in die Landschaft progressiven Metals bringt.



4 The Pineapple Thief -- All The Wars
Die Band überzeugt auf ihrem aktuellen Album vor allem durch Authentizität. Weniger Technik, mehr handgemachte Musik, eine schöne Mischung aus wunderbaren Melodien, klasse Riffs und sonstiger Gitarren-Akrobatik. Das zusätzliche Akustik-Album in der limited edition ist genauso hochwertig wie das Original, damit hat man immer je nach Stimmung die Wahl zwischen leise und laut, gediegen und etwas peppiger. Insgesamt recht poppig und eingängig, aber dennoch nicht langweilig.


3 Anathema -- Weather Systems
Einfach nur schön, fast schon zu schön um wahr zu sein, ist das neue Anathema-Album. Mehr weibliche Stimme tut dem Sound der Band gut, macht ihn insgesamt etwas weicher noch als die Vorgänger-Platte. Dennoch findet man auf dieser abwechslungsreichen Scheibe auch coole Riffs und sogar Gitarrensoli, die es ja in der Vergangenheit von der Gruppe nicht gab. Fraglich bleibt, wo die Entwicklung der Band hingeht; weicher sollten sie nicht werden, und ob weiterhin Songs von so hoher Qualität die Federn verlassen, bleibt abzuwarten.


2 Pigeon Toe -- The First Perception
Das Debütalbum ist der Gruppe hervorragend gelungen. Es hat enormes Wachstumspotential. Zunächst mag es etwas seltsam klingen, doch hier wurde etwas geschaffen, was in Kreisen progressiver harter Rockmusik bisher so noch nie dagewesen ist. Eine gehörige Portion Metal-Einfluss mischt sich mit psychedelischer Rockmusik und gibt der Platte damit einen individuellen Charakter, intensiv, aufregend, abwechslungsreich. Ein frisches, großartiges Album von einer Band, von der man hoffentlich noch viel hören wird.

1 Motorpsycho & Stale Storlokken -- The Death Defying Unicorn
Diese Platte hat mich echt umgehauen. Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten, die der hohen Komplexität geschuldet waren, hat sich dieses Album zu einem Dauerläufer entwickelt. Die gekonnte Mischung aus psychedelischen Rock-Elementen ist unglaublich erfrischend und spannend und abwechslungsreich ... Der perfekte Soundtrack zu einem Film, der erst noch gedreht werden will. Ich werde es demnächst noch in Angriff nehmen, auf dieses Werk detaillierter einzugehen. Aber schonmal reinhören lohnt sich auf jeden Fall, für alle, die es noch nicht kennen.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Retrospect: Jahresrückblick 2011 - Statistiken

Internet macht's möglich: Da ich 99% meiner Musik über last.fm höre, habe ich die Möglichkeit, mein Hörverhalten statistisch auszuwerten. Hier sind einige Daten:






Damit beschließe ich das musikalische Jahr 2011 und widme mich im nächsten Beitrag dem kommenden Jahr mit einer kleinen Vorschau.

Dienstag, 27. Dezember 2011

Retrospect: Jahresrückblick 2011 - Altes neu entdeckt

Wie das so ist mit Musik, die einem durch die Lappen geht: Manchmal kommt man später noch drauf. Künstler, die zum Teil schon lange am Markt sind, die aber erst in diesem Jahr in meinen persönlichen Fokus gekommen sind, werde ich hier behandeln.

Den Anfang machen Alter Bridge. Das aktuelle Album 'AB III' kam ja schon 2010 raus. Anfang 2011 hatte ich es zum ersten Mal in den Händen und war spontan begeistert. Kraftvoll und intensiv ist das komplette Album, und bereits vom ersten Song an bekommt man einzigartige Riffs und facettenreichen Gesang um die Ohren. Dass die Gruppe im Prinzip Creed mit anderem Sänger ist, habe ich erst im Nachhinein festgestellt. Der Sound klingt auch nicht wirklich wie Creed, sondern Metal-lastiger mit etwas Südstaatenrock und Blues. Da mich das Album durchweg überzeugt hat, habe ich im Nachgang die beiden Vorgänger-Alben noch besorgt. Ich stelle allerdings fest, dass das aktuellste Werk auch das mit Abstand beste ist. Es ist vielseitiger, kraftvoller, besser abgemischt. Im Vergleich dazu haben die ersten beiden Platten zwar auch gerockt, aber immer mit einer Spur Vorhersehbarkeit. Ich hoffe, Alter Bridge setzen ihre Entwicklung in diesem Stil fort. Der Erfolg sollte sie ja ein wenig beflügeln.


Der Name Devin Townsend ist mir immer mal wieder in die Ohren gekommen. Als ich nun einige Artikel zu seinem aktuellen Album gelesen hatte, dachte ich, dass es vielleicht einmal an der Zeit wäre, den Typen genauer zu betrachten. Nachdem ich auf Youtube einige Songs gehört hatte, war es dann aber doch das Vorgänger-Album 'Addicted!', das ich mir gekauft habe, zumal es auch gerade günstig zu haben war. Dieses Album ist geprägt von dichten Metal-Gitarren-Wänden, die mit Hilfe elektronischer Spielereien und Synthies noch breiter arrangiert werden, was dem gesamten Album eine unglaublich hohe Lautheit verschafft. Der Sound wird ergänzt von der ebenfalls sehr vielschichtigen Stimme von Devin Townsend selbst, der von klarem, melodischen Gesang bis hin zu beißenden Screams alles zu bieten hat. Dabei hat er sich auf diesem Album Anneke van Giersbergen (ehem. The Gathering) als Gastsängerin engagiert. Die Songs auf dem Album sind fast alle sehr laut und füllen fast das komplette Klangspektrum aus, was es mitunter schwierig macht, wirklich alles gleichzeitig fassen zu können. Der eigentliche Auslöser für den Kauf, nämlich das aktuelle Album von diesem Jahr, habe ich bis jetzt noch nicht gehört. Aber ich denke, dass das Devin Townsend Project im Fokus bleiben wird.


Da Anneke van Giersbergen in diesem Jahr in diversen Nebenprojekten überaus präsent für mich war, dachte ich, dass es vielleicht mal an der Zeit wäre, sich mit The Gathering genauer auseinanderzusetzen. Auf Anraten eines Freundes habe ich mir die beiden Alben 'How To Measure A Planet' und 'If Then Else' geholt, die ja beide aus der Zeit stammen, da Giersbergen noch Sängerin der Band ist. Die teilweise fast schon überirdisch gute Stimme der Sängerin passt wunderbar zu dem atmosphärischen Sound der Gruppe. Während 'How To Measure A Planet' ein recht experimentelles Doppelalbum mit vielen progressiven Einflüssen ist, sind die Songs auf 'If Then Else' kürzer und kompakter und damit greifbarer. Dennoch gefällt mir die Stimmung auf dem erstgenannten deutlich besser, und auch wenn zum Beispiel der fast eine halbe Stunde lange Titelsong schon auch seine Längen hat, kann man das Album gut hören, wenn man in der entsprechenden Stimmung ist. Die Phase vor diesem Album war wohl etwas doomig, was ich so gelesen habe. Ob ich mir das gebe, weiß ich noch nicht. Aber die Folgealben stehen auf meiner Wunschliste.


Der Freund, der mir The Gathering empfiehl, war auch Gesprächspartner zum Thema Gazpacho. Das im  Jahr 2010 erschienene Konzeptalbum 'Missa Atropos' kam ja bei mir nicht so gut an. Im Gespräch wurde mir allerdings deutlich gemacht, dass das mit Abstand beste Album der Gruppe 'Tick Tock' ist. Bereits nach dem zweiten Durchleuf musste ich meinem Freund recht geben. Dieses Album ist geradezu grandios. Die melancholische Stimme des Sängers passt optimal zu dem progressiven, atmosphärischen ArtRock der Band. Vor allem der dreiteilige Titel-Epos ist ein Meisterwerk wie man es nur selten findet. Das ist ein Album, in dem man voll und ganz versinken kann, und das mich gleich dazu bewegt hat, auch die Vorgänger-Platte zu kaufen. Diese ist nicht ganz so gut wie 'Tick Tock', aber auch deutlich besser als das doch sehr unruhige, sperrige 'Missa Atropos' vom letzten Jahr. Ich hoffe, Gazpacho besinnen sich auf ihre Qualitäten; ein neues Album für kommendes Jahr ist ja schon angekündigt, und ich denke, dass auch ein Live-Konzert mit auf meine Todo-Liste kommt.

Freitag, 23. Dezember 2011

Retrospect: Jahresrückblick 2011 - Live-Musik

Das Konzertjahr 2011 war aus meiner Sicht ganz okay. Einige lieb gewonnene Gruppen kamen in mein Einzugsgebiet. Ein paar habe ich sehen können. Die eine oder andere ist mir durchgegangen oder war mir einfach zu weit weg bzw zu teuer. Dazu zählen unter anderem Opeth mit Pain Of Salvation, Karnivool oder auch Steven Wilson, wobei bei letzterem dazukam, dass ich mit dessen aktuellen Album nicht wirklich etwas anfangen kann. Mastodon habe ich verpasst, wobei ich mir da im Nachhinein von vertrauenswürdigen Quellen berichten ließ, dass es eher unterirdisch war. Aber kommen wir zu meinen Top-Konzerten des Jahres 2011.

Zunächst kann ich da Blackfield erwähnen. Der Auftritt in Frankfurt am 24.04. war natürlich, wie man das von Auftritten mit Steven-Wilson-Beteiligung gewohnt ist, klanglich perfekt und spielerisch nahezu fehlerfrei. Aber es zählt vor allem zu meinen Top-Konzerten, weil es mir das in diesem Jahr erschienene Album 'Welcome To My DNA', das bis dahin noch nicht so richtig angekommen war, von einem anderen Blickwinkel zeigte. Auch Stimmung und Ambiente waren super. Zu Blackfield würde ich jederzeit wieder gehen.

Das zweite Top-Konzert waren eigentlich zwei Konzerte, nämlich die von Subsignal und Riverside beim '5th Anniversary Of Progressive Promotion' Festival am 01.10. im Rind in Rüsselsheim. Die Location war klein, aber sympathisch, und es gab tatsächlich so etwas wie Festival-Stimmung. Subsignal, mir vorher gänzlich unbekannt, haben mit ihrer publikumsnahen Einstellung und viel Spielfreude nicht nur mich mitgerissen, sondern sind bei weiten Teilen des Publikums super angekommen, was sich natürlich auf die Gesamtstimmung im Saal niederschlug.
Riverside zogen zunächst wm Unmut der Zuschauer und des Veranstalters auf sich, als Sie direkt vor dem Auftritt noch einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit Soundcheck machen musste. Der Auftritt im Anschluss entschädigte dann aber für die Wartezeit; die Polen um Frontmann Mariusz Duda gaben alles und hatten die Zuschauer schnell überzeugt.


Das dritte richtig gute Konzert im vergangenen Jahr war das von Long Distance Calling am 02.11. im Wiesbadener Schlachhof. Zum einen zeigte es, dass man in der Räucherkammer des Schlachhofes auch Gigs mit gutem Sound erleben kann. Auch die Vorband Pigeon Toe war ganz brauchbar, zumal sich für mich im Nachhinein herausstellte, dass hier ehemalige Mitglieder von Fear My Thoughts am Werk waren. Wobei ich gestehen muss, dass der Sänger bei dieser Band eher unterfordert ist. Der wichtigste Aspekt - neben dem schon angesprochenen Sound - war die überaus gute Stimmung. Die doch recht kleine Location war gut gefüllt, und die Zuschauer gingen mit Leib und Seele in der Musik auf. Die Band spielte eine gute Mischung aus alten und neuen Songs, was beim Publikum sehr gut ankam. Das wohlige Glücksgefühl, mit dem ich den Ort des Geschehens verließ, hielt noch tagelang an. Auch hier bleibt mir nur zu sagen: Jederzeit wieder.


Und nächstes Jahr? Wird hoffentlich noch besser als dieses. Fest eingeplant sind in jedem Fall schon Amplifier und Anathema im Frühjahr. Außerdem wird auch Gazpacho auf ausgedehnter Tour erwartet. Und sonst ... lasse ich mich einfach überraschen.

Retrospect: Jahresrückblick 2011 - Durch die Lappen gegangen

Da nun die Neuerscheinungen des vergangenen Jahres, die mich beschäftigt haben, abschließend behandelt wurden, kommen wir nun zu denen, die mir in diesem Jahr durch die Lappen gegangen sind. Vermeiden lässt sich das nicht, bei der Fülle an Musik, die heutzutage vor allem in Zeiten des Internets an einen herangetragen wird. Zum einen kommt man zeitlich gar nicht dazu, sich mit allem auseinanderzusetzen, zum anderen ist es ja auch eine Frage des Geldes, wieviel Musik man sich leisten kann. Und außerdem kommen noch Sachen hinzu, die mich nach einigen Hörgängen nicht so überzeugt haben, schnell wieder aus der Rotation rausgeflogen sind, und dann einfach vergessen wurden.

Zu den letztgenannten zählen für mich in diesem Jahr vor allem zwei Bands. ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead haben mit 'Tao Of The Dead' eigentlich ein ganz annehmbares Album herausgebracht. Aber mit dieser Band habe ich so meine Schwierigkeiten. Irgendwie scheint es so zu sein, dass immer nur jedes zweite Album des Duos richtig bei mir zündet. Meinen Einstieg hatte ich mit 'Worlds Apart', eine richtig gute Scheibe, die ja leider nicht auf die erwartete Resonanz stieß. Das anschließende 'So Divided' fand ich bestenfalls durchschnittlich, aber das darauf folgende 'Century Of Self' kam wieder richtig gut bei mir an. In diesem Jahr war jetzt halt wieder das Tief. Ich habe das Album zwei oder drei Mal gehört, bin aber nicht wirklich warm damit geworden. Da ja dann auch Amplifier's 'The Octopus' stark im Fokus war, gingen die Trail Of Dead einfach unter.


Die zweite Band, mit der ich nicht so richtig warm werde, sind And So I Watch You From Afar. Schon das erste, selbstbetitelte Album von vor zwei Jahren kam trotz aller guten Kritiken nur mittelmäßig bei mir an. Genauso ist es auch bei der aktuellen Platte 'Gangs'. Es gibt ein zwei Songs, die ich immer gern mal höre, aber meistens, wenn ich beginne, das ganze Album mal komplett zu hören, vergeht mir zur Halbzeit die Lust, und ich lege lieber etwas anderes auf. Mag sein, dass die Musik der Gruppe gar nicht schlecht ist, das möchte ich nicht bestreiten. Aber offenbar schaffen sie es nicht, meinen Nerv damit zu treffen.


Pain of Salvation sind mit ihrer 'Road Salt Two' bis dato komplett an mir vorbeigelaufen. Das Album steht noch auf der Warteliste, wurde aber noch nicht beschafft, weil immer wieder andere Scheiben in meiner Prioritätenliste höher angesetzt waren. Aber ich denke, dass das Album Anfang nächsten Jahres doch noch gekauft wird. Was man so lesen kann, ist es ja nicht nur nominell, sondern auch vom Stil her eine Fortsetzung von 'Road Salt One', das mir ja recht gut gefallen hat, und das immer mal wieder auf meinen Player kommt. Bin gespannt, ob meine Erwartungen erfüllt werden.


Subsignal ist auch eine der Gruppen, die ich mir mangels Zeit und Geld noch gar nicht zu Gemüte geführt habe. Kennengelernt habe ich die Band ja beim '5th Anniversary of Progressive Promotion Festival', wo sie mein Interesse mit einem sehr guten Auftritt geweckt haben. Das in diesem Jahr erschienene Album 'Touchstones' steht aktuell auf meiner Warteliste auch ganz weit oben, wobei ja einige Leute mir sagten, dass das erste Album der Band besser gewesen sei als das neue. Aber ich denke, ich werde mir da selbst ein Bild davon machen. Live haben sowohl die neuen als auch die alten Songs gut bei mir eingeschlagen, so dass ich da recht offen auch an das aktuelle Album herangehen kann.


Damit habe ich auch gleich die Brücke geschlagen: Im nächsten Teil von Retrospect soll es um meine Live-Erlebnisse des Jahres 2011 gehen.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Retrospect: Jahresrückblick 2011 - Erwähnenswertes

Was gab es sonst noch in diesem Jahr, das eine Erwähnung wert wäre? Nun, vieles kann man den Revisions entnehmen, die ich in diesem Jahr geschrieben habe. Daher will ich an dieser Stelle auch nicht mehr näher eingehen auf Bands wie Tesseract, Mastodon oder Blackfield. Statt dessen möchte ich mich den Dingen widmen, die ich bis dato noch nicht erwähnt habe.

Da wäre das neue Album von Incubus. Ähnlich wie Dredg begaben sich die Herren um Frontmann Brandon Boyd auf neue, poppigere Pfade. Nach den wenigen Durchläufen kann ich feststellen, dass sie es besser angestellt haben als die Kollegen, deren Werk ja um einen Verriss nicht herumkam. (siehe link) Der Sound auf 'If Not Now, When?' ist harmonischer, die Songs auch vom Schreibstil her besser und passender arrangiert. Dennoch hängt über dem Album ein leichter Schleier von Belanglosigkeit, die Intensivität, die die Band einst auszeichnete und charakteristisch für sie war, wurde auf Kosten von Radiotauglichkeit glatt gebügelt. Dadurch haben sie zumindest mich als Zielgruppe verloren.
 

Die Beatsteaks haben ein neues Album veröffentlicht, das viel Beachtung fand und häufig hoch gelobt wurde. Auch diese Platte habe ich nicht oft genug gehört, um mir eine fundiertere Meinung darüber bilden zu können. Sicher ist aber, dass nach dem letzten, ein wenig verwirrenden Album hier wieder klare Strukturen in Vordergrund standen. 'Boombox' klingt aber auch nicht wie die alten Beatsteaks-Alben, sondern eine Weiterentwicklung zum Guten ist klar erkennbar.
 


Thees Uhlmanns Soloalbum ist ebenfalls eine Erwähnung wert. Der Tomte-Frontmann wirkte zuletzt ein wenig satt. Die letzten Tomte-Veröffentlichungen kamen nicht gut an, und Thees musste sich einige Häme gefallen lassen, da er in der Vergangenheit offenbar zu jedem Thema, das ein gewisser Musik-Fernsehsender meinte behandeln zu müssen, eine belanglose oder gar bierseelige Geschichte beisteuern musste. Jetzt trumpft er wieder musikalisch auf. Seine Texte voller Tiefgang, die Musik melancholisch, aber frisch und vom Tomte-Staub befreit, hat Thees Uhlmann mit seinem selbstbetitelten Soloalbum die beste Platte seit 'Hinter all diesen Fenstern' kreiert. Weiter so!
 


Steven Wilson hat mit seinem aktuellen Soloalbum eine Platte produziert, die es in sich hat. Auch hier kann ich nur einige wenige Worte dazu sagen; es ist mir trotz einiger Durchläufe noch nicht gelungen, Zugang zu 'Grace For Drowning' zu finden. Allgemein gehen die Meinungen auseinander. Die einen finden es großartig, die anderen können nichts damit anfangen. Momentan muss ich mich zu den letztgenannten zählen, auch wenn einige Songs sich mittlerweile recht wohl fühlen in meinen Ohren. Trotzdem muss ich in diesem Fall empfehlen, Sie am besten selbst ein Bild zu machen.
 


Soweit die Dinge, die meiner Meinung nach erwähnt werden sollte. Was jetzt hier nicht dabei ist, ist mir wahrscheinlich durch die Lappen gegangen. Aber dazu mehr im nächsten Teil des Jahresrückblicks.

Montag, 5. Dezember 2011

Retrospect: Jahresrückblick 2011 - Platten des Jahres

Meine Top 5 Alben 2011

Seit einiger Zeit mache ich mir schon diverse Gedanken, welche Alben denn in diesem Jahr am meisten gezündet haben. Dabei habe ich mir außerdem überlegt, was denn eigentlich meine Kriterien sind, die ein Werk zu einem guten Album machen? Musik ist ja eine sehr subjektive Angelegenheit; Geschmäcker unterscheiden sich, und jeder hat irgendwie einen anderen Fokus auf das, was er hört. Wenn ich nun meine Liste hier zusammenstelle, dann sind in erster Linie folgende Indikatoren bei meiner Auswahl maßgeblich:
Qualität: Natürlich ist die rein technische Qualität der Musik ein Faktor. Schlechte Abmischung, breiiger Sound, aber auch unglücklich gewählte Instrumentierung können das Hörvergnügen maßgeblich beeinflussen. Ein Song kann noch so gut sein; wenn einem die Stimme des Sängers nicht passt, spielt es auf verlorenem Posten.
Hörbarkeit: Es ist ja hinlänglich bekannt, dass ich ein Freund progressiver Musik bin. Aber das hat auch seine Grenzen. Wenn die Sachen zu sehr gefrickelt und zu schwer nachzuvollziehen sind, schmälert das das Hörerlebnis ungemein, denn zumindest nach einigen Hörgängen möchte ich einfach nicht mehr ganz so aufmerksam sein und trotzdem noch irgendwie mitkommen mit der Musik.
Gefühl: Die emotionale Ebene ist die alles entscheidende Komponente beim Musikhören. Die Songs können noch so gut sein; wenn sie nichts in mir auslösen, fliegen sie ganz schnell raus aus der Rotation. Musik muss mich in irgendeiner Weise bewegen, um bei mir im Fokus zu bleiben, und nur, wenn ein Album lange genug im Fokus ist, hat es die Chance, dass ich mich lange genug mit ihm beschäftige, um es richtig gut zu finden

Nach dieser kurzen Einführung kommen wir jetzt mal ans Eingemachte. Hier sind meine Top 5 Alben des Jahres 2011:

5. Leprous -- Bilateral
Aus dem progressiven Metal-Bereich kam Einiges in diesem Jahr, doch nachdem das Dream Theater Album eher schwachbrüstig daherkam, lag mein Augenmerk schnell auf Leprous. Die Norweger verbinden auf ihrer neuen Platte Progressive Metal mit Death und AvantGarde Elementen und hauen damit ordentlich auf die Pauke. Obwohl die Gruppe schon seit 10 Jahren besteht, kann man auf 'Bilateral' unheimlich viel Dynamik, Frische und Spielfreude finden. Hohe handwerkliche Qualität und auch die für Metal-Verhältnisse recht große Vielfalt machen das Album zu einem der interessantesten Platten des vergangenen Jahres.

4. Long Distance Calling -- dto.
Die Post-Rocker aus Münster haben es mit ihrem aktuellen, selbstbetitelten Album wieder einmal geschafft. Sie haben sich deutlich hörbar weiterentwickelt, es aber dabei dennoch geschafft, ihrer Linie treu zu bleiben. Die verhältnismäßig festen Strukturen des PostRock wurden ein wenig aufgebrochen, und die Fühler wurden ausgestreckt in Richtung anderer, Metal-lastigerer Stile. Insgesamt sehr homogen, ist dieses Album eine kraftvolle, rockige Einheit, die sich wunderbar immer wieder und wieder am Stück hören lässt.


3. Opeth -- Heritage
Bands, die sich neu erfinden, gab es in diesem Jahr zuhauf. Über Erfolg und Misserfolg lässt sich sicher in allen Fällen streiten. Opeth zum Beispiel haben den Metal-Bereich weitestgehend hinter sich gelassen und begeben sich auf die progressiven Pfade der 70er Jahre. Damit haben sie viele Fans der ersten Stunde vergrätzt. Ich als Freund solcher Musik habe versucht, möglichst unvorbelastet an 'Heritage' heranzugehen, und dadurch ist es mir relativ schnell gelungen, das Album für mich zu erschließen. In gewohnt hoher Dynamik, aber ohne die aus dem DethMetal bekannten Extreme überzeugt dieses Album durch unheimliche Themendichte. Vertrackte, progressive Passagen wechseln mit eingängigen, melodischen Stücken. Mit altgewohnter Intensität beschreiten die Herren um Mikael Akerfeldt neue Wege, und zumindest mich zu überzeugen ist ihnen gelungen.


2. Elbow -- Build A Rocket Boys
Auf dringende Empfehlung eines Arbeitskollegen schaffte ich mir dieses Album an. Auch die Fachpresse war voll des Lobes, und dem kann ich mich nur anschließen. 'Build A Rocket Boys' ist ein sehr gefühlvolles und intensives Album, was nicht zuletzt der eindrucksvollen Stimme des Frontmannes Guy Garvey zu verdanken ist. Spärliche Instrumentierung mischen sich mit bombastisch arrangierten Passagen und verbinden sich zu einem ArtRock-Meisterwerk mit britischem Flair. Traumhafte melancholische Melodien gehen ins Ohr und bleiben da. Interessante Instrumentierungen und gekonnte Arrangements machen dieses Album zum besten, das die Band je veröffentlicht hat, und der Erfolg sollte sie bestärken, diesen eingeschlagenen Weg fortzusetzen.


1. Amplifier -- The Octopus
Die Jungs von Amplifier haben in diesem Jahr den Vogel abgeschossen. Lange mussten wir nach dem eher nicht so überzeugenden Vorgänger 'Insider' auf ein neues Werk der Bombast-Post-Progger warten, und es waren nicht zuletzt die Herrschaften um Frontmann Sel Balamir selbst, die im Vorfeld hohe Erwartungen schürten. 'The Octopus' ist nun ein mächtiges, kraftvolles Doppel-Album, das eingängig ist und unheimlich viel Groove hat, vor allem im ersten Teil. Die zweite Hälfte besticht mehr durch psychedelisch angehauchte Longtimer, die aber trotzdem nichts von der von Amplifier gewohnten Power vermissen lassen. Der Einstieg fiel mir als bekennender und absoluter Fan des Debüt-Albums  ein wenig schwer, da 'The Octopus' deutlich mehr progressive Elemente beinhaltete, was zunächst nicht meiner Erwartungshaltung entsprach. Doch nach einigen Hörgängen kam ich immer besser mit den Songs zurecht und fand es auch sehr faszinierend, dass man immer wieder neue Aspekte der einzelnen Stücke offenlegen konnte. Trotz der Länge ist es immer wieder ein Genuss, dieses Album zu hören, den ich nicht mehr missen möchte.

Samstag, 1. Januar 2011

Retrospect: Jahresrückblick 2010 - Neu für mich

Im letzten Teil von Retrospect soll es um Sachen gehen, die schon älter sind, die aber bis zum vergangenen Jahr irgendwie an mir vorbeigelaufen sind. Gründe davon gibt es sicher viele, vor allem kann man bei der Fülle an guter Musik, die es zwischen all dem Schrott auch gibt, bei Weitem nicht alles hören, was sich lohnt gehört zu werden. Von daher bin ich auch immer offen für Anregungen und Tipps.

Neu für mich

Amplifier: Bisher verkannt
Diese Band gehört zu denen, denen ich bisher kaum Beachtung geschenkt habe, weil der erste Eindruck mich nicht gänzlich überzeugt hat. Der erste Eindruck, das war das Southside 2005, wo Amplifier eröffneten. Das Konzert war stimmungsmäßig gut, aber damals hat die Musik mich nicht so überzeugt, dass ich den Drang hatte, mich weiter damit zu beschäftigen. Dann bekam ich Ende 2009 die Feed to Feed - Live-DVD von Oceansize, wo Amplifier's Sel Balamir bei einem Song als Gast Gitarre spielte. Das ließ mich aufhorchen, und auf der Suche nach neuer Musik, die der von Oceansize ähnlich ist, begann ich, mich mit Amplifier auseinanderzusetzen. Ich begann mit dem aktuelleren Album Insider, das mir ziemlich gut gefallen hat. Dann holte ich mir auch das selbstbetitelte Debüt, und das hat mich vom Hocker gehauen. Die Stimmung auf diesem Album ist so genial, und die Sons als auch die Zusammenstellung haben dazu geführt, dass diese Platte die wahrscheinlich meistgehörte im vergangenen Jahr gewesen ist. In nicht allzu ferner Zukunft werde ich dieses Album hier auch noch im Detail vorstellen. Hier eine kleine Kostprobe:
Youtube: Amplifier -- Airborne

Rishloo & Abigail's Ghost: Mehr als nur Abklatsch?
'Klingt wie' ist für viele Bands eher ein Armutszeugnis. Man will doch mit seiner Kunst einzigartig sein, etwas Neues schaffen, von dem niemand behaupten kann: 'Gibt's ja schon'. Trotzdem bin ich ab und zu auch auf der Suche nach 'Klingt wie'-Musik zu Bands, die mir sehr gut gefallen. Und dank lastFM und ähnlichen 'Schubladen-Systemen' bin ich auch schnell fündig geworden. Zwei Bands habe ich im vergangenen Jahr kennengelernt, die auf den ersten Blick den Eindruck vermitteln, wenig eigene Kreativität zu haben, sondern sich stark am Stil großer Vorbilder zu orientieren. Da wären zum Einen Rishloo, deren Sound vor allem auf dem ersten Album Terras Frames sehr stark nach Tool klingen. Doch nach eingängiger Beschäftigung mit der Band konnte ich feststellen, dass sie seit ihrem Debüt eine enorme Entwicklung durchlebt haben. Das bis dato aktuelle Album Feathergun hat zwar immer noch Elemente, die stark an Tool erinnern, doch der Sound der Jungs aus Seattle, die aktuell nicht mal einen Plattenvertrag haben, ist deutlich melodischer geworden. Man könnte fast sagen, dass Rishloo und Tool bei dem selben Ausgangpunkt begonnen haben, sich dann aber in verschiedene Richtungen weiterbewegt haben, so dass man nun die gemeinsamen Wurzeln noch erkennen kann, aber die Unterschiede deutlich sind. Rishloo ist also in jedem Fall einen Versuch wert.
Youtube: Rishloo -- Turning Sheep Into Goats
Youtube: Abigail's Ghost -- Selling Insincerity 
Auch Abigail's Ghost hört man die Vorbilder an. Doch hier scheint man sich dem Blick zurück verschrieben zu haben. Die Songs, die sehr an Porcupine Tree erinnern, erreichen die Tiefe und Brillianz der Prog-Halbgötter nicht ganz. Und auch wenn man den Jungs aus Boston zugestehen sollte, dass sie wirklich anständig Musik machen können und ich die Platten auch gern mal höre, muss man auch sagen, dass sie es bisher nicht geschafft haben, sich von ihren 'Vätern' zu lösen und einen eigenen Weg einzuschlagen. Im Gegenteil, leider musste ich feststellen, dass die aktuellere der beiden Platten zwar technisch hochwertiger ist, dass aber die Frische des Debüt-Albums verlogen gegangen ist. Ich hoffe, dass die Band noch Besseres zu bieten hat als das, denn das Potenzial hat sie meiner Meinung nach.

Riverside: Psychedelic ProgRock vom Feinsten
Im Zuge der Veröffentlichung von Lunatic Soul II bin ich auf Riverside gestoßen, eine polnische ProgRock-Band, deren Bassist Mariusz Duda für Lunatic Soul verantwortlich ist. Der Sound von Riverside ist härter als das Solo-Projekt, mit mehr Metal-Elementen. Doch die weiche Stimme und die psychedelische Grundstimmung, die mich bei Lunatic Soul so begeistert hat, ist auch hier vorhanden. Mein Favorit ist das Album Rapid Eye Movement, der letzte Teil der 'Reality Dream'-Trilogie. Das ist für mich das bisher stärkste Album der Polen, und ich werde es demnächst im Detail vorstellen. Bis dahin eine kleine Kostprobe.
Youtube: Riverside -- Schizophrenic Prayer


Freitag, 31. Dezember 2010

Retrospect: Jahresrückblick 2010 - Erwähnenswertes

Im zweiten Teil von Retrospect möchte ich bunt gemischt verschiedene Dinge ansprechen, die in diesem Blog bisher keine Beachtung fanden. Das sind zum Teil Platten oder Künstler, deren Wert erst mit der Zeit erkennbar wurde, oder aber auch Musik, die im Nachhinein vielleicht doch nicht so gut war wie der erste Hörgang versprach. Auf jeden Fall aber Sachen, die hier bisher nicht besprochen wurden.

Erwähnenswertes

Serj Tankian: Garagen-Pop?
Im September 2010 veröffentlichte Serj Tankian, die eine Hälfte der Kreativ-Abteilung von System of a Down, sein zweites Soloalbum, das ich mit viel Vorfreude erwartet habe. Im Vorfeld hatte ich viel über diese Platte gelesen; über den Perfektionismus in der Produktion, die Experimentierfreude im Sound, und dass es so anders klingen würde. Der erste Hörgang bestätigte diese Meinung. Ich war eher skeptisch, was ich mit dieser Entwicklung anfangen sollte. Die harten, schnellen Gitarrensounds, die zusammen mit der schon ziemlich schrillen Stimme des Sängers den speziellen Stil von System of a Down geprägt hatten, waren auf diesem Album fast gänzlich verschwunden. Statt dessen fand man Orchester-Arrangements und Plastik-Drums aus der Dose. Erst nach mehrmaligem Hören wurde ich einigermaßen warm mit den neuen Stücken. Trotz allen Änderungen war die Handschrift von Serj Tankian noch immer klar zu erkennen, und sein Schreibstil mit den Melodien und Harmonien, denen man den Armenier anhört, hat mir schon immer gut gefallen. Das Experiment mit den orchestralen Klängen hätte auch besser ankommen können, wenn sich nicht so viele Synthesizer-Elemente eingeschlichen hätten. Auch die Drums aus der Dose vermitteln den Eindruck, dass man hier billig produzierte Popmusik um die Ohren bekommt, und nach allem, was ich über die Produktion des Albums lesen konnte, ist dies ganz und gar nicht der Fall. Tipp für's nächste Mal: Mehr Handgemachtes bitte! Und da man ja jetzt auch wieder mit System of a Down unterwegs ist, könnte man sich vielleicht auch wieder von härteren Klängen inspirieren lassen.
Youtube: Serj Tankian -- Disowned Inc.

Antimatter: Memoiren?
Mick Moss ist allein. Wenn man diesen Satz so liest, klingt er ganz schön traurig. Genau wie Moss es mag, und wie es zu Antimatter passt, die sich selbst ja gern als 'traurigste Band der Welt' bezeichnet. Seit dem Meisterstück Leaving Eden, das nach der Trennung von Duncan Patterson entstand, sind einige Jahre ins Land gegangen. Doch es gibt ein Lebenszeichen von Antimatter: Mit Alternative Matters kommt ein Best-Of der etwas anderen Art. Ähnlich wie Hindsight von Anathema wurden alte Songs in neuem Gewand auf 2 CDs (Limited Deluxe Edition: 3) gepackt. Dazu gehören seltene Live-Aufnahmen genauso wie Remixes und alternative Versionen ihrer besten Stücke. Für Fans ist das sowieso ein Muss, aber auch sonst kann man diese CD gut hören, wenn man auf ambiente, traurige Gitarrenmusik steht.Was bleibt, ist die Frage, wie es mit Antimatter weitergeht. Der Weggang von Patterson hat der Kreativität von Moss offensichtlich nicht geschadet, und für live-Auftritte werden regelmäßig verschiedene Musiker zusammengecastet. Doch warum jetzt dieses Album? Einfach nur, weil es so lange nichts gab? oder ist das der Abgesang einer Band, die am Ende ihres Schaffens angelangt ist? Offiziell war da noch nichts zu hören, was in diese Richtung deuten könnte. Warten wir ab ...

Filter - No more trouble?
Nachdem die einzhelnen Mitglieder von Filter, allen voran Frontmann Richard Patrick, mit diversen Nebenprojekten beschäftigt waren, war dieses Jahr mal wieder Zeit für ein neues Filter-Album. Die Besetzung der Band hat zum Teil gewechselt, der Sound ist besser geworden. Nachdem das Vorgänger-Album ja eher mittel bis schlecht war, kann man auf The Trouble With Angels wieder rocken. Eingängige, harte Songs mit markanten Riffs und Patricks unverwechselbarer Stimme geben dem Album wieder etwas Frisches. Vielleicht ist sein Zenit doch noch nicht überschritten. Jedenfalls wehrt Patrick sich nach Kräften. Und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen und hat nur knapp meine persönlichen Top 5 verpasst. Reinhören sollte man auf jeden Fall mal.
Youtube: Filter -- Absentee Father

Dienstag, 28. Dezember 2010

Retrospect: Jahresrückblick 2010 - Platten des Jahres

Die folgenden Einträge werden unter dem Label Retrospect stehen: Hier werde ich versuchen, das Jahr 2010 noch einmal aus meiner Sicht einigermaßen übersichtlich zusammenfassen. Ich hoffe, dass mir das gelingen wird, auch wenn ich noch nicht so genau weiß, was ich alles mit hineinnehmen soll. Ich grüble schon eine Weile über ein geeignetes Konzept nach, komme aber auf keinen grünen Zweig. Deshalb fange ich jetzt einfach mal an und hoffe, dass das Ergebnis brauchbar ist. Ich erhebe auch keinesfalls den Anspruch, alles einigermaßen Erwähnenswerte auch anzusprechen. Die hier dargelegten Platten zum Beispiel sind einfach die, die mich in dem Jahr am meisten beschäftigt haben, und die in meinem Fokus waren. Sicherlich gibt es viele gute Sachen, die sich außerhalb meines Blickfeldes befanden und es immer noch sind.


Meine Top 5 Alben 2010



5. Karnivool -- Sound Awake
Das Album der australischen Rockband mit progressivem Einfluss erschien in deren Heimat schon Mitte 2009. Nachdem es dort sehr erfolgreich war (Platz 2 in den australischen Album-Charts), wurde es Anfang diesen Jahres auch in den USA und in Europa veröffentlicht. Musikalisch unterscheidet es sich nur in Details vom Vorgänger-Album Themata. Die Tracks sind etwas länger und etwas atmosphärischer geworden, aber es sind immer noch interessante und dennoch eingängige Gitarrenriffs sowie die markante Stimme von Sänger Ian Kenny, die den sehr intensiven Sound von Karnivool ausmachen. Auch live konnten die Jungs auf diversen Konzerten in Deutschland ihre Qualitäten zeigen; ich konnte mir zwar leider selbst kein Bild machen, habe aber nur positive Meinungen zu den Auftritten gehört. Nach Abschluss der Tour will die Band beginnen, Material für ein drittes Album zu sammeln. Hoffentlich können sie die Frische und enorme Intensität in ihrem Sound bewahren, und ebenso hoffe ich, dass die große Qualität der Band auch hierzulande mehr Leute zu schätzen lernen.

 4. Anathema -- We're Here Because We're Here
Anathema sind mit dem aktuellen Album endgültig in der progressiven alternativen Rockmusik angekommen. Nachdem die Band ihr letztes reguläres Studioalbum A Natural Disaster im Jahr 2003 veröffentlicht hatten, folgte eine lange Durststrecke und eine schwierige Zeit für die Band. Mit Unterstützung von Steven Wilson konnten die Jungs um die Cavanagh-Brüder diese Phase überwinden, und nachdem 2008 die Accustic-Compilation Hindsight bei einer neuen Plattenfirma veröffentlicht wurde, folgte nun neues Material. Das Album ist insgesamt sehr harmonisch und homogen. Die Kombination aus harten Gitarrenklängen mit Klavier und einer eindringlichen, klaren Stimme lässt die einzelnen Stücke zu einer runden Gesamtheit verschmelzen, die dennoch nicht einseitig wirkt. Im Moment ist eine Tournee geplant mit Terminen in Großbritannien und Frankreich (22.02.2011 in Straßburg ist vielleicht für den Einen oder Anderen ein Thema). Ansonsten hoffe ich natürlich auf weitere Alben.

3. Demians -- Mute
Nachdem das Debüt-Album von Demians ein sehr rundes, harmonisches, in sich geschlossenes war, ist das aktuelle Werk des Multi-Instrumentalisten und Einzelgängers Nicholas Chapel deutlich rauher und unruhiger. Das tut der Qualität jedoch keinen Abbruch. Die Platte ist, was das songschreiberische Potenzial angeht, dem Vorgänger gleichwertig. Die Stimmung ist natürlich eine ganz andere, was mich zu Beginn auch etwas irritiert hat. Aber nach einigen Durchläufen schmiegt es sich ans Ohr wie der Maler an die Muse. Die fordernde Stimme, die ausgefeilten Arrangements und die Mischung aus härteren und ruhigeren Songs machen das Album zu einem Genuss, der viel zu schnell zu Ende ist. Live scheint Chapel und seine extra für Konzerte zusammengestellte Truppe nicht so richtig zu zünden, aber wenn der Frontmann weiterhin solch hohe Qualität auf CD abliefert, werde ich zumindest den Tonträgern treu bleiben.

2. Lunatic Soul -- Lunatic Soul II
Das zweite Werk des Riverside-Frontmannes Mariusz Duda ist nicht nur optisch eine Fortsetzung des Debüts. Nachdem das erste Album den Tod als Thema hatte, wird der Gedanke nun weitergeführt. Neun Songs lang beschäftigt sich Lunatic Soul II mit dem, was nach dem Tod kommen könnte. Die progressiven, atmosphärischen Klänge, die mit vielen orientalisch anmutenden Melodien gespickt ist, ergeben ein stimmiges, spirituell angehauchtes Werk mit deutlichen psychedelischen Tendenzen. Mariusz Duda sagte in einem Interview, das ich las, dass dieser Zyklus mit dem zweiten Album abgeschlossen ist, dass er aber weiter unter dem mittlerweile recht bekannt gewordenen Pseudonym Musik machen wird. In nächster Zeit wird er sich jedoch wahrscheinlich erstmal wieder seiner Band Riverside widmen, die ja im kommenden Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Bin mal gespannt, womit da zu rechnen ist. Eine Live-DVD erschien ja schon im letzten Jahr.

1. Oceansize -- Self Preserved While The Bodies Float Up
Dieses Album habe ich ja an dieser Stelle schon ausgiebig besprochen. Es ist sicher nicht so rund wie einige der Vorgänger-Werke der Band. Dass es trotzdem nicht nur in meiner Hitliste ganz oben steht, spricht für die außergewöhnliche Qualität, die die Jungs aus Manchester abliefern. Harte, laute Rocksongs und leise, verspielte Stücke verbinden sich zu einem Ohrenschmaus, den man immer und immer wieder genießen will. Die unglaubliche Klangdichte und Vielschichtigkeit lassen fast bei jedem Hörgang Neues entdecken. Auch wenn ein Großteil der alteingesessenen Fangemeinde das Album deutlich hinter die beiden Erstlingswerke der Band (Effloresce, Everyone Into Position) stellt, bleibt festzuhalten, dass diese Scheibe bei mir deutlich öfter in der Rotation läuft als die eben genannten. Ich denke, dass Oceansize sich in eine Richtung entwickeln, die mir in den kommenden Jahren sicher noch viel Freude bereiten wird.

Soweit also meine Top 5 Alben des Jahres 2010. In folgenden Blogs werde ich noch weitere Retrospektiven vornehmen. Schaut also ruhig immer mal wieder vorbei.