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Mittwoch, 28. Dezember 2011

Retrospect: Jahresrückblick 2011 - Statistiken

Internet macht's möglich: Da ich 99% meiner Musik über last.fm höre, habe ich die Möglichkeit, mein Hörverhalten statistisch auszuwerten. Hier sind einige Daten:






Damit beschließe ich das musikalische Jahr 2011 und widme mich im nächsten Beitrag dem kommenden Jahr mit einer kleinen Vorschau.

Dienstag, 27. Dezember 2011

Retrospect: Jahresrückblick 2011 - Altes neu entdeckt

Wie das so ist mit Musik, die einem durch die Lappen geht: Manchmal kommt man später noch drauf. Künstler, die zum Teil schon lange am Markt sind, die aber erst in diesem Jahr in meinen persönlichen Fokus gekommen sind, werde ich hier behandeln.

Den Anfang machen Alter Bridge. Das aktuelle Album 'AB III' kam ja schon 2010 raus. Anfang 2011 hatte ich es zum ersten Mal in den Händen und war spontan begeistert. Kraftvoll und intensiv ist das komplette Album, und bereits vom ersten Song an bekommt man einzigartige Riffs und facettenreichen Gesang um die Ohren. Dass die Gruppe im Prinzip Creed mit anderem Sänger ist, habe ich erst im Nachhinein festgestellt. Der Sound klingt auch nicht wirklich wie Creed, sondern Metal-lastiger mit etwas Südstaatenrock und Blues. Da mich das Album durchweg überzeugt hat, habe ich im Nachgang die beiden Vorgänger-Alben noch besorgt. Ich stelle allerdings fest, dass das aktuellste Werk auch das mit Abstand beste ist. Es ist vielseitiger, kraftvoller, besser abgemischt. Im Vergleich dazu haben die ersten beiden Platten zwar auch gerockt, aber immer mit einer Spur Vorhersehbarkeit. Ich hoffe, Alter Bridge setzen ihre Entwicklung in diesem Stil fort. Der Erfolg sollte sie ja ein wenig beflügeln.


Der Name Devin Townsend ist mir immer mal wieder in die Ohren gekommen. Als ich nun einige Artikel zu seinem aktuellen Album gelesen hatte, dachte ich, dass es vielleicht einmal an der Zeit wäre, den Typen genauer zu betrachten. Nachdem ich auf Youtube einige Songs gehört hatte, war es dann aber doch das Vorgänger-Album 'Addicted!', das ich mir gekauft habe, zumal es auch gerade günstig zu haben war. Dieses Album ist geprägt von dichten Metal-Gitarren-Wänden, die mit Hilfe elektronischer Spielereien und Synthies noch breiter arrangiert werden, was dem gesamten Album eine unglaublich hohe Lautheit verschafft. Der Sound wird ergänzt von der ebenfalls sehr vielschichtigen Stimme von Devin Townsend selbst, der von klarem, melodischen Gesang bis hin zu beißenden Screams alles zu bieten hat. Dabei hat er sich auf diesem Album Anneke van Giersbergen (ehem. The Gathering) als Gastsängerin engagiert. Die Songs auf dem Album sind fast alle sehr laut und füllen fast das komplette Klangspektrum aus, was es mitunter schwierig macht, wirklich alles gleichzeitig fassen zu können. Der eigentliche Auslöser für den Kauf, nämlich das aktuelle Album von diesem Jahr, habe ich bis jetzt noch nicht gehört. Aber ich denke, dass das Devin Townsend Project im Fokus bleiben wird.


Da Anneke van Giersbergen in diesem Jahr in diversen Nebenprojekten überaus präsent für mich war, dachte ich, dass es vielleicht mal an der Zeit wäre, sich mit The Gathering genauer auseinanderzusetzen. Auf Anraten eines Freundes habe ich mir die beiden Alben 'How To Measure A Planet' und 'If Then Else' geholt, die ja beide aus der Zeit stammen, da Giersbergen noch Sängerin der Band ist. Die teilweise fast schon überirdisch gute Stimme der Sängerin passt wunderbar zu dem atmosphärischen Sound der Gruppe. Während 'How To Measure A Planet' ein recht experimentelles Doppelalbum mit vielen progressiven Einflüssen ist, sind die Songs auf 'If Then Else' kürzer und kompakter und damit greifbarer. Dennoch gefällt mir die Stimmung auf dem erstgenannten deutlich besser, und auch wenn zum Beispiel der fast eine halbe Stunde lange Titelsong schon auch seine Längen hat, kann man das Album gut hören, wenn man in der entsprechenden Stimmung ist. Die Phase vor diesem Album war wohl etwas doomig, was ich so gelesen habe. Ob ich mir das gebe, weiß ich noch nicht. Aber die Folgealben stehen auf meiner Wunschliste.


Der Freund, der mir The Gathering empfiehl, war auch Gesprächspartner zum Thema Gazpacho. Das im  Jahr 2010 erschienene Konzeptalbum 'Missa Atropos' kam ja bei mir nicht so gut an. Im Gespräch wurde mir allerdings deutlich gemacht, dass das mit Abstand beste Album der Gruppe 'Tick Tock' ist. Bereits nach dem zweiten Durchleuf musste ich meinem Freund recht geben. Dieses Album ist geradezu grandios. Die melancholische Stimme des Sängers passt optimal zu dem progressiven, atmosphärischen ArtRock der Band. Vor allem der dreiteilige Titel-Epos ist ein Meisterwerk wie man es nur selten findet. Das ist ein Album, in dem man voll und ganz versinken kann, und das mich gleich dazu bewegt hat, auch die Vorgänger-Platte zu kaufen. Diese ist nicht ganz so gut wie 'Tick Tock', aber auch deutlich besser als das doch sehr unruhige, sperrige 'Missa Atropos' vom letzten Jahr. Ich hoffe, Gazpacho besinnen sich auf ihre Qualitäten; ein neues Album für kommendes Jahr ist ja schon angekündigt, und ich denke, dass auch ein Live-Konzert mit auf meine Todo-Liste kommt.

Freitag, 23. Dezember 2011

Retrospect: Jahresrückblick 2011 - Live-Musik

Das Konzertjahr 2011 war aus meiner Sicht ganz okay. Einige lieb gewonnene Gruppen kamen in mein Einzugsgebiet. Ein paar habe ich sehen können. Die eine oder andere ist mir durchgegangen oder war mir einfach zu weit weg bzw zu teuer. Dazu zählen unter anderem Opeth mit Pain Of Salvation, Karnivool oder auch Steven Wilson, wobei bei letzterem dazukam, dass ich mit dessen aktuellen Album nicht wirklich etwas anfangen kann. Mastodon habe ich verpasst, wobei ich mir da im Nachhinein von vertrauenswürdigen Quellen berichten ließ, dass es eher unterirdisch war. Aber kommen wir zu meinen Top-Konzerten des Jahres 2011.

Zunächst kann ich da Blackfield erwähnen. Der Auftritt in Frankfurt am 24.04. war natürlich, wie man das von Auftritten mit Steven-Wilson-Beteiligung gewohnt ist, klanglich perfekt und spielerisch nahezu fehlerfrei. Aber es zählt vor allem zu meinen Top-Konzerten, weil es mir das in diesem Jahr erschienene Album 'Welcome To My DNA', das bis dahin noch nicht so richtig angekommen war, von einem anderen Blickwinkel zeigte. Auch Stimmung und Ambiente waren super. Zu Blackfield würde ich jederzeit wieder gehen.

Das zweite Top-Konzert waren eigentlich zwei Konzerte, nämlich die von Subsignal und Riverside beim '5th Anniversary Of Progressive Promotion' Festival am 01.10. im Rind in Rüsselsheim. Die Location war klein, aber sympathisch, und es gab tatsächlich so etwas wie Festival-Stimmung. Subsignal, mir vorher gänzlich unbekannt, haben mit ihrer publikumsnahen Einstellung und viel Spielfreude nicht nur mich mitgerissen, sondern sind bei weiten Teilen des Publikums super angekommen, was sich natürlich auf die Gesamtstimmung im Saal niederschlug.
Riverside zogen zunächst wm Unmut der Zuschauer und des Veranstalters auf sich, als Sie direkt vor dem Auftritt noch einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit Soundcheck machen musste. Der Auftritt im Anschluss entschädigte dann aber für die Wartezeit; die Polen um Frontmann Mariusz Duda gaben alles und hatten die Zuschauer schnell überzeugt.


Das dritte richtig gute Konzert im vergangenen Jahr war das von Long Distance Calling am 02.11. im Wiesbadener Schlachhof. Zum einen zeigte es, dass man in der Räucherkammer des Schlachhofes auch Gigs mit gutem Sound erleben kann. Auch die Vorband Pigeon Toe war ganz brauchbar, zumal sich für mich im Nachhinein herausstellte, dass hier ehemalige Mitglieder von Fear My Thoughts am Werk waren. Wobei ich gestehen muss, dass der Sänger bei dieser Band eher unterfordert ist. Der wichtigste Aspekt - neben dem schon angesprochenen Sound - war die überaus gute Stimmung. Die doch recht kleine Location war gut gefüllt, und die Zuschauer gingen mit Leib und Seele in der Musik auf. Die Band spielte eine gute Mischung aus alten und neuen Songs, was beim Publikum sehr gut ankam. Das wohlige Glücksgefühl, mit dem ich den Ort des Geschehens verließ, hielt noch tagelang an. Auch hier bleibt mir nur zu sagen: Jederzeit wieder.


Und nächstes Jahr? Wird hoffentlich noch besser als dieses. Fest eingeplant sind in jedem Fall schon Amplifier und Anathema im Frühjahr. Außerdem wird auch Gazpacho auf ausgedehnter Tour erwartet. Und sonst ... lasse ich mich einfach überraschen.

Retrospect: Jahresrückblick 2011 - Durch die Lappen gegangen

Da nun die Neuerscheinungen des vergangenen Jahres, die mich beschäftigt haben, abschließend behandelt wurden, kommen wir nun zu denen, die mir in diesem Jahr durch die Lappen gegangen sind. Vermeiden lässt sich das nicht, bei der Fülle an Musik, die heutzutage vor allem in Zeiten des Internets an einen herangetragen wird. Zum einen kommt man zeitlich gar nicht dazu, sich mit allem auseinanderzusetzen, zum anderen ist es ja auch eine Frage des Geldes, wieviel Musik man sich leisten kann. Und außerdem kommen noch Sachen hinzu, die mich nach einigen Hörgängen nicht so überzeugt haben, schnell wieder aus der Rotation rausgeflogen sind, und dann einfach vergessen wurden.

Zu den letztgenannten zählen für mich in diesem Jahr vor allem zwei Bands. ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead haben mit 'Tao Of The Dead' eigentlich ein ganz annehmbares Album herausgebracht. Aber mit dieser Band habe ich so meine Schwierigkeiten. Irgendwie scheint es so zu sein, dass immer nur jedes zweite Album des Duos richtig bei mir zündet. Meinen Einstieg hatte ich mit 'Worlds Apart', eine richtig gute Scheibe, die ja leider nicht auf die erwartete Resonanz stieß. Das anschließende 'So Divided' fand ich bestenfalls durchschnittlich, aber das darauf folgende 'Century Of Self' kam wieder richtig gut bei mir an. In diesem Jahr war jetzt halt wieder das Tief. Ich habe das Album zwei oder drei Mal gehört, bin aber nicht wirklich warm damit geworden. Da ja dann auch Amplifier's 'The Octopus' stark im Fokus war, gingen die Trail Of Dead einfach unter.


Die zweite Band, mit der ich nicht so richtig warm werde, sind And So I Watch You From Afar. Schon das erste, selbstbetitelte Album von vor zwei Jahren kam trotz aller guten Kritiken nur mittelmäßig bei mir an. Genauso ist es auch bei der aktuellen Platte 'Gangs'. Es gibt ein zwei Songs, die ich immer gern mal höre, aber meistens, wenn ich beginne, das ganze Album mal komplett zu hören, vergeht mir zur Halbzeit die Lust, und ich lege lieber etwas anderes auf. Mag sein, dass die Musik der Gruppe gar nicht schlecht ist, das möchte ich nicht bestreiten. Aber offenbar schaffen sie es nicht, meinen Nerv damit zu treffen.


Pain of Salvation sind mit ihrer 'Road Salt Two' bis dato komplett an mir vorbeigelaufen. Das Album steht noch auf der Warteliste, wurde aber noch nicht beschafft, weil immer wieder andere Scheiben in meiner Prioritätenliste höher angesetzt waren. Aber ich denke, dass das Album Anfang nächsten Jahres doch noch gekauft wird. Was man so lesen kann, ist es ja nicht nur nominell, sondern auch vom Stil her eine Fortsetzung von 'Road Salt One', das mir ja recht gut gefallen hat, und das immer mal wieder auf meinen Player kommt. Bin gespannt, ob meine Erwartungen erfüllt werden.


Subsignal ist auch eine der Gruppen, die ich mir mangels Zeit und Geld noch gar nicht zu Gemüte geführt habe. Kennengelernt habe ich die Band ja beim '5th Anniversary of Progressive Promotion Festival', wo sie mein Interesse mit einem sehr guten Auftritt geweckt haben. Das in diesem Jahr erschienene Album 'Touchstones' steht aktuell auf meiner Warteliste auch ganz weit oben, wobei ja einige Leute mir sagten, dass das erste Album der Band besser gewesen sei als das neue. Aber ich denke, ich werde mir da selbst ein Bild davon machen. Live haben sowohl die neuen als auch die alten Songs gut bei mir eingeschlagen, so dass ich da recht offen auch an das aktuelle Album herangehen kann.


Damit habe ich auch gleich die Brücke geschlagen: Im nächsten Teil von Retrospect soll es um meine Live-Erlebnisse des Jahres 2011 gehen.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Retrospect: Jahresrückblick 2011 - Erwähnenswertes

Was gab es sonst noch in diesem Jahr, das eine Erwähnung wert wäre? Nun, vieles kann man den Revisions entnehmen, die ich in diesem Jahr geschrieben habe. Daher will ich an dieser Stelle auch nicht mehr näher eingehen auf Bands wie Tesseract, Mastodon oder Blackfield. Statt dessen möchte ich mich den Dingen widmen, die ich bis dato noch nicht erwähnt habe.

Da wäre das neue Album von Incubus. Ähnlich wie Dredg begaben sich die Herren um Frontmann Brandon Boyd auf neue, poppigere Pfade. Nach den wenigen Durchläufen kann ich feststellen, dass sie es besser angestellt haben als die Kollegen, deren Werk ja um einen Verriss nicht herumkam. (siehe link) Der Sound auf 'If Not Now, When?' ist harmonischer, die Songs auch vom Schreibstil her besser und passender arrangiert. Dennoch hängt über dem Album ein leichter Schleier von Belanglosigkeit, die Intensivität, die die Band einst auszeichnete und charakteristisch für sie war, wurde auf Kosten von Radiotauglichkeit glatt gebügelt. Dadurch haben sie zumindest mich als Zielgruppe verloren.
 

Die Beatsteaks haben ein neues Album veröffentlicht, das viel Beachtung fand und häufig hoch gelobt wurde. Auch diese Platte habe ich nicht oft genug gehört, um mir eine fundiertere Meinung darüber bilden zu können. Sicher ist aber, dass nach dem letzten, ein wenig verwirrenden Album hier wieder klare Strukturen in Vordergrund standen. 'Boombox' klingt aber auch nicht wie die alten Beatsteaks-Alben, sondern eine Weiterentwicklung zum Guten ist klar erkennbar.
 


Thees Uhlmanns Soloalbum ist ebenfalls eine Erwähnung wert. Der Tomte-Frontmann wirkte zuletzt ein wenig satt. Die letzten Tomte-Veröffentlichungen kamen nicht gut an, und Thees musste sich einige Häme gefallen lassen, da er in der Vergangenheit offenbar zu jedem Thema, das ein gewisser Musik-Fernsehsender meinte behandeln zu müssen, eine belanglose oder gar bierseelige Geschichte beisteuern musste. Jetzt trumpft er wieder musikalisch auf. Seine Texte voller Tiefgang, die Musik melancholisch, aber frisch und vom Tomte-Staub befreit, hat Thees Uhlmann mit seinem selbstbetitelten Soloalbum die beste Platte seit 'Hinter all diesen Fenstern' kreiert. Weiter so!
 


Steven Wilson hat mit seinem aktuellen Soloalbum eine Platte produziert, die es in sich hat. Auch hier kann ich nur einige wenige Worte dazu sagen; es ist mir trotz einiger Durchläufe noch nicht gelungen, Zugang zu 'Grace For Drowning' zu finden. Allgemein gehen die Meinungen auseinander. Die einen finden es großartig, die anderen können nichts damit anfangen. Momentan muss ich mich zu den letztgenannten zählen, auch wenn einige Songs sich mittlerweile recht wohl fühlen in meinen Ohren. Trotzdem muss ich in diesem Fall empfehlen, Sie am besten selbst ein Bild zu machen.
 


Soweit die Dinge, die meiner Meinung nach erwähnt werden sollte. Was jetzt hier nicht dabei ist, ist mir wahrscheinlich durch die Lappen gegangen. Aber dazu mehr im nächsten Teil des Jahresrückblicks.

Montag, 5. Dezember 2011

Retrospect: Jahresrückblick 2011 - Platten des Jahres

Meine Top 5 Alben 2011

Seit einiger Zeit mache ich mir schon diverse Gedanken, welche Alben denn in diesem Jahr am meisten gezündet haben. Dabei habe ich mir außerdem überlegt, was denn eigentlich meine Kriterien sind, die ein Werk zu einem guten Album machen? Musik ist ja eine sehr subjektive Angelegenheit; Geschmäcker unterscheiden sich, und jeder hat irgendwie einen anderen Fokus auf das, was er hört. Wenn ich nun meine Liste hier zusammenstelle, dann sind in erster Linie folgende Indikatoren bei meiner Auswahl maßgeblich:
Qualität: Natürlich ist die rein technische Qualität der Musik ein Faktor. Schlechte Abmischung, breiiger Sound, aber auch unglücklich gewählte Instrumentierung können das Hörvergnügen maßgeblich beeinflussen. Ein Song kann noch so gut sein; wenn einem die Stimme des Sängers nicht passt, spielt es auf verlorenem Posten.
Hörbarkeit: Es ist ja hinlänglich bekannt, dass ich ein Freund progressiver Musik bin. Aber das hat auch seine Grenzen. Wenn die Sachen zu sehr gefrickelt und zu schwer nachzuvollziehen sind, schmälert das das Hörerlebnis ungemein, denn zumindest nach einigen Hörgängen möchte ich einfach nicht mehr ganz so aufmerksam sein und trotzdem noch irgendwie mitkommen mit der Musik.
Gefühl: Die emotionale Ebene ist die alles entscheidende Komponente beim Musikhören. Die Songs können noch so gut sein; wenn sie nichts in mir auslösen, fliegen sie ganz schnell raus aus der Rotation. Musik muss mich in irgendeiner Weise bewegen, um bei mir im Fokus zu bleiben, und nur, wenn ein Album lange genug im Fokus ist, hat es die Chance, dass ich mich lange genug mit ihm beschäftige, um es richtig gut zu finden

Nach dieser kurzen Einführung kommen wir jetzt mal ans Eingemachte. Hier sind meine Top 5 Alben des Jahres 2011:

5. Leprous -- Bilateral
Aus dem progressiven Metal-Bereich kam Einiges in diesem Jahr, doch nachdem das Dream Theater Album eher schwachbrüstig daherkam, lag mein Augenmerk schnell auf Leprous. Die Norweger verbinden auf ihrer neuen Platte Progressive Metal mit Death und AvantGarde Elementen und hauen damit ordentlich auf die Pauke. Obwohl die Gruppe schon seit 10 Jahren besteht, kann man auf 'Bilateral' unheimlich viel Dynamik, Frische und Spielfreude finden. Hohe handwerkliche Qualität und auch die für Metal-Verhältnisse recht große Vielfalt machen das Album zu einem der interessantesten Platten des vergangenen Jahres.

4. Long Distance Calling -- dto.
Die Post-Rocker aus Münster haben es mit ihrem aktuellen, selbstbetitelten Album wieder einmal geschafft. Sie haben sich deutlich hörbar weiterentwickelt, es aber dabei dennoch geschafft, ihrer Linie treu zu bleiben. Die verhältnismäßig festen Strukturen des PostRock wurden ein wenig aufgebrochen, und die Fühler wurden ausgestreckt in Richtung anderer, Metal-lastigerer Stile. Insgesamt sehr homogen, ist dieses Album eine kraftvolle, rockige Einheit, die sich wunderbar immer wieder und wieder am Stück hören lässt.


3. Opeth -- Heritage
Bands, die sich neu erfinden, gab es in diesem Jahr zuhauf. Über Erfolg und Misserfolg lässt sich sicher in allen Fällen streiten. Opeth zum Beispiel haben den Metal-Bereich weitestgehend hinter sich gelassen und begeben sich auf die progressiven Pfade der 70er Jahre. Damit haben sie viele Fans der ersten Stunde vergrätzt. Ich als Freund solcher Musik habe versucht, möglichst unvorbelastet an 'Heritage' heranzugehen, und dadurch ist es mir relativ schnell gelungen, das Album für mich zu erschließen. In gewohnt hoher Dynamik, aber ohne die aus dem DethMetal bekannten Extreme überzeugt dieses Album durch unheimliche Themendichte. Vertrackte, progressive Passagen wechseln mit eingängigen, melodischen Stücken. Mit altgewohnter Intensität beschreiten die Herren um Mikael Akerfeldt neue Wege, und zumindest mich zu überzeugen ist ihnen gelungen.


2. Elbow -- Build A Rocket Boys
Auf dringende Empfehlung eines Arbeitskollegen schaffte ich mir dieses Album an. Auch die Fachpresse war voll des Lobes, und dem kann ich mich nur anschließen. 'Build A Rocket Boys' ist ein sehr gefühlvolles und intensives Album, was nicht zuletzt der eindrucksvollen Stimme des Frontmannes Guy Garvey zu verdanken ist. Spärliche Instrumentierung mischen sich mit bombastisch arrangierten Passagen und verbinden sich zu einem ArtRock-Meisterwerk mit britischem Flair. Traumhafte melancholische Melodien gehen ins Ohr und bleiben da. Interessante Instrumentierungen und gekonnte Arrangements machen dieses Album zum besten, das die Band je veröffentlicht hat, und der Erfolg sollte sie bestärken, diesen eingeschlagenen Weg fortzusetzen.


1. Amplifier -- The Octopus
Die Jungs von Amplifier haben in diesem Jahr den Vogel abgeschossen. Lange mussten wir nach dem eher nicht so überzeugenden Vorgänger 'Insider' auf ein neues Werk der Bombast-Post-Progger warten, und es waren nicht zuletzt die Herrschaften um Frontmann Sel Balamir selbst, die im Vorfeld hohe Erwartungen schürten. 'The Octopus' ist nun ein mächtiges, kraftvolles Doppel-Album, das eingängig ist und unheimlich viel Groove hat, vor allem im ersten Teil. Die zweite Hälfte besticht mehr durch psychedelisch angehauchte Longtimer, die aber trotzdem nichts von der von Amplifier gewohnten Power vermissen lassen. Der Einstieg fiel mir als bekennender und absoluter Fan des Debüt-Albums  ein wenig schwer, da 'The Octopus' deutlich mehr progressive Elemente beinhaltete, was zunächst nicht meiner Erwartungshaltung entsprach. Doch nach einigen Hörgängen kam ich immer besser mit den Songs zurecht und fand es auch sehr faszinierend, dass man immer wieder neue Aspekte der einzelnen Stücke offenlegen konnte. Trotz der Länge ist es immer wieder ein Genuss, dieses Album zu hören, den ich nicht mehr missen möchte.