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Donnerstag, 3. Januar 2013

Retrospect: Jahresrückblick 2012 - Platten des Jahres

Meine Top 5 Alben 2011

Der Jahreswechsel ist vollzogen, da werden die Leser, die schon länger dabei sind, sicher langsam unruhig: Es wird Zeit für Retrospect! Wie immer werde ich in Teil eins zunächst auf die besten Alben des Jahres eingehen. Wer nochmal nachlesen will, worauf es mir da besonders ankommt, der sollte die Einleitung des Retrospect von 2011 lesen.
Das Jahr 2012 war geprägt von einer meiner Ansicht nach unglaublich hohen Dichte an qualitativ sehr guten Alben. Da fünf besonders hervorzuheben fällt schwer. Dennoch habe ich mich festgelegt. Auf weitere Schmankerl werde ich aber noch eingehen.

5 Blindead -- Affliction XXIX II MXMVI
Die Polen haben mit ihrem Konzeptalbum ein großartiges Werk veröffentlicht. Homogenität und Vielfalt stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander. Mit interessantem Thema baut die Band hier eine fesselnde, interessante und einzigartige Stimmung auf, was des besonderen Reiz der Musik ausmacht. Eine Platte, die frischen Wind in die Landschaft progressiven Metals bringt.



4 The Pineapple Thief -- All The Wars
Die Band überzeugt auf ihrem aktuellen Album vor allem durch Authentizität. Weniger Technik, mehr handgemachte Musik, eine schöne Mischung aus wunderbaren Melodien, klasse Riffs und sonstiger Gitarren-Akrobatik. Das zusätzliche Akustik-Album in der limited edition ist genauso hochwertig wie das Original, damit hat man immer je nach Stimmung die Wahl zwischen leise und laut, gediegen und etwas peppiger. Insgesamt recht poppig und eingängig, aber dennoch nicht langweilig.


3 Anathema -- Weather Systems
Einfach nur schön, fast schon zu schön um wahr zu sein, ist das neue Anathema-Album. Mehr weibliche Stimme tut dem Sound der Band gut, macht ihn insgesamt etwas weicher noch als die Vorgänger-Platte. Dennoch findet man auf dieser abwechslungsreichen Scheibe auch coole Riffs und sogar Gitarrensoli, die es ja in der Vergangenheit von der Gruppe nicht gab. Fraglich bleibt, wo die Entwicklung der Band hingeht; weicher sollten sie nicht werden, und ob weiterhin Songs von so hoher Qualität die Federn verlassen, bleibt abzuwarten.


2 Pigeon Toe -- The First Perception
Das Debütalbum ist der Gruppe hervorragend gelungen. Es hat enormes Wachstumspotential. Zunächst mag es etwas seltsam klingen, doch hier wurde etwas geschaffen, was in Kreisen progressiver harter Rockmusik bisher so noch nie dagewesen ist. Eine gehörige Portion Metal-Einfluss mischt sich mit psychedelischer Rockmusik und gibt der Platte damit einen individuellen Charakter, intensiv, aufregend, abwechslungsreich. Ein frisches, großartiges Album von einer Band, von der man hoffentlich noch viel hören wird.

1 Motorpsycho & Stale Storlokken -- The Death Defying Unicorn
Diese Platte hat mich echt umgehauen. Nach anfänglichen Anlaufschwierigkeiten, die der hohen Komplexität geschuldet waren, hat sich dieses Album zu einem Dauerläufer entwickelt. Die gekonnte Mischung aus psychedelischen Rock-Elementen ist unglaublich erfrischend und spannend und abwechslungsreich ... Der perfekte Soundtrack zu einem Film, der erst noch gedreht werden will. Ich werde es demnächst noch in Angriff nehmen, auf dieses Werk detaillierter einzugehen. Aber schonmal reinhören lohnt sich auf jeden Fall, für alle, die es noch nicht kennen.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Revision: Blindead -- Affliction XXIX II MXMVI

Knarzend öffnet sich die modrige Holztür. Es ist dunkel und feucht in der Höhle, modriger Geruch dringt aus seinen Tiefen. Düstere Streicher kriechen dem Besucher den Rücken hinauf. Wehklagen ist zu hören, Schreie, die näher kommen. Dann stürzt alles in sich zusammen.

So klingt er, der Opener von Blindeads 'Affliction XXIX II MXMVI'. Schwer und düster, hart und laut.  Gutturaler Gesang und breit aufgestellte Gitarrenwände mit tiefen Bässen vermischen sich mit sphärischen Klängen zu einer interessanten dunklen Klangwelt. Die nahezu unbekannte Gruppe aus Polen ist ganz klar dem Metal zuzuordnen, doch der progressive Einschlag ist nicht zu überhören. In diesem Konzeptalbum geht es um die Gefühle und Empfindungen eines autistischen Mädchens, das mit sich und seinem Umfeld fremd ist und sich in seine eigene Welt zurückzieht. Passend dazu ist die dunkle Stimmung des Albums, auch wenn immer mal wieder feine Lichtstrahlen aufblitzen und wieder verschwinden. Düsteres, doomiges Dröhnen steht zum Beispiel in '' in hartem Kontrast zur melancholischen Melodie einer Trompete, während Sänger Patryck Zwoliński alias Nick über das Unverständnis der Welt philosophiert. Die Titel der Songs lesen sich übrigens wie eine thematische Zusammenfassung des Albums zwei knappen Sätzen. Auch musikthematisch greifen die ersten Songs perfekt ineinander, die Übergänge sind fließend. 'My New Playground' greift die Härte des ersten Stückes wieder auf und setzt mit treibenden Schlagzeug und lauten Isis-Shouts noch einen drauf. Anschließend bringt 'Dark And Gray' mit hallenden Klavierklängen wieder ein wenig Licht ins Dunkel. Aber nur ein wenig.

'So It Feels Like Misunderstanding When' setzt sich ein wenig ab von den verhergehenden Stücken, die man gut als zusammenhängende Einheit betrachten kann. Es wird aber nicht minder leise, sondern beginnt gleich mit einem schweren Metal-Riff. Die Band kann die Spannung, die Stimmung und vor allem die unheimliche Kraft, die gleich zu Beginn aufgebaut wurden, halten und ausbauen, wie ein Gewittersturm, der sich entlädt, dabei aber kaum an Energie verliert und nur deshalb schwächer wird, weil er weiterzieht. Es folgt die Ruhe nach dem Sturm, oder vielleicht ist es auch nur das Auge. Kinder lachen und rufen, der Sound ist insgesamt etwas ruhiger, postrockiger. Doch schnell nimmt der Song wieder Fahrt auf. Isis würden es nicht besser hinbekommen, und vor allem im letzten Stück kann man Parallelen zu der PostMetal-Band aus Amerika erkennen.

Wer harte, düstere Musik mag, der wird dieses Album lieben. Blindead entfesseln Urgewalten, aber nicht in wüstem, ungestümem Geknüppel, sondern gelenkt, mit viel Gefühl für Details und Tiefe. Intelligenz und Kraft sind hier vereint in einem nahezu perfekten Album.

Anspieltipp:  So It Feels Like Misunderstanding When