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Freitag, 19. Januar 2018

Revision: The Cranberries -- Everybody Is Doing It, So Why Can't We?

Es ist sicherlich überraschend, dass ich mich an dieser Stelle mit den Cranberries beschäftige, die so gar nicht zu dem hier normalerweise behandelten Genre-Spektrum passen wollen. Das bedauerliche Ableben der Sängerin der Band Dolores O'Riordan hat mich daran erinnert, wie wichtig diese Band für mich in meiner Jugend war, und wieviel sie zu meiner musikalischen Entwicklung beigetragen hat. Und nicht zuletzt um zu zeigen, dass die Band mehr ist als 'Zombie', führe ich hier das Debüt-Album der Gruppe ins Feld.

Die Wucht der unverkennbaren Stimme von O'Riordan, die man von dem schon erwähnten Hit 'Zombie' kennt, kommt auf diesem Album noch eher selten zur Geltung. Hier werden leisere, sanftere Töne angeschlagen. Traurig melancholische Balladen, die mitunter an die Smiths erinnern, dominieren das Album, das im Original mit 12 Songs kam, mittlerweile unter dem Subtitel 'The Complete Sessions' auf 18 Stücke erweitert wurde. Dabei findet man neben zwei Remixen auch erfrischenden Gitarrenpop. Aber auch das Album als solches ist keineswegs düster, sondern wird immer wieder aufgelockert von leichten, poppigen Stücken wie 'Dreams', 'Linger' oder 'Wanted', die zwar immernoch verträumt klingen, aber mit mehr positiver Verspieltheit. Klanglich wird das Album neben der Gesangsstimme vor allem vom markanten Bass von Mike Hogan dominiert, sein Bruder Noel hält sich an der Gitarre oft dezent zurück, oder spielt sich zumindest nicht in den Vordergrund. Einziger Schwachpunkt sind die gelegentlich eingesetzten Streicher, die mitunter sehr kitschig wirken, und, da sie vom Keyboard gespielt sind, auch ein wenig nach Plastik klingen. Aber so ist das wohl bei einem Debüt-Album, da fehlen vermutlich die Mittel. Einzelne Songs hervorzuheben fällt schwer, das Album ist eine schöne runde Sache, die sich auch nach fast 25 Jahren wenig abgenutzt hat. Selbst der aus den 80ern entliehene Hall auf den Drums, der zugegebenermaßen nicht so vordergründig ist, hat seinen Charme. Alles in allem ist dieses Album eine angenehm chillige Scheibe, die die gut sortierte Musiksammlung um ein Schätzchen bereichert.

Anspieltipp:

Montag, 15. Dezember 2014

Revision: Rishloo -- Living As Ghosts With Buildings As Teeth

Nach Auflösungsgerüchten und vielleicht auch ein wenig auf Druck der kleinen aber treuen Fangemeinde haben Rishloo via Crowdfunding ihr viertes Studioalbum produziert. Und das hat einiges zu bieten. Die Band klingt dynamischer, abwechslungsreicher und vielseitiger als je zuvor. So findet man beispielsweise im Opener ‚Great Rain Battle‘ bluesige Gitarrensoli auf groovigem sechs-Achtel-Takt, im anschließenden ‚Landmines‘ schwere Metal-Riffs und Polyrhythmik, und atmosphärische Postrock-Anleihen in ‚Dead Rope Machine‘. Über allem liegt der eindringliche Gesang von Andrew Mailloux, der sich in ‚Winslow‘ zwischenzeitlich schon mal als Hardcore-Shouter versucht, ohne dass der Song wirklich Hardcore wird. Dennoch ist dieser Song der härteste des Albums, zumindest in Passagen. Herzstück des Albums bilden das zehnminütige ‚Dark Charade‘ mit episch proggigem Einschlag, und das anschließende ‚Salutations‘, das mit trippigen Drums, seidenweichen Gitarren und intensiv brummendem Bass an den intensiven Sound von Archive erinnert.

Das Album ist nicht so homogen wie die Vorgänger. Doch das tut dem Sound gut. Einflüsse aus bislang bandfremden Gefilden machen das Werk interessant und spannend. Das Wechselspiel zwischen melancholisch schönen Harmonien mit filigraner Melodie und brüllenden Gitarren konnte die Band schon immer gut. Auf dieser Basis aufbauend hat sich die Gruppe positiv weiterentwickelt. Bleibt zu hoffen, dass das nicht ihr letztes Album war.

Anspieltipp:

Donnerstag, 24. Juli 2014

Revision: Tool -- 10.000 Days




Kürzlich war in der Musikpresse ein Interview zu lesen, in dem deutlich wurde, dass die Verzögerungen bei der Arbeit am neuen Tool-Album auf einen komplizierten Rechtsstreit der Band um Artwork zurückzuführen ist. Schade, dass es solche das Geld betreffenden Dinge sind, die einen Künstler immer wieder ausbremsen. Doch scheinbar geht die Arbeit an neuen Stücken mittlerweile gut voran. Bis es soweit ist, bleibt noch Zeit, sich mit den schon erschienenen Werken von Tool zu beschäftigen, zum Beispiel dem bis dato aktuellen Album '10000 Days'.

Das Cover einer CD als das Beeindruckendste an einem Album zu bezeichnen, stellt ja eigentlich die Musik ein wenig in den Schatten, denn es ist ja nicht unbedingt das Cover, nach der man sich ein Album aussucht. Aber auf jeden Fall ist es beeindruckend genug, in einer Rezension berücksichtigt zu werden. Die CD-Hülle an sich ist eine Papp-Hülle. Darin ist eine ausklappbare Brille eingearbeitet. Mit dieser Brille kann man nun das Booklet betrachten, dass an der Innenseite der Hülle befestigt ist. Das Booklet zeigt jede Menge psychedelischer Bilder und Muster, die mit Hilfe der Brille dreidimensional werden. Diese schaut man am besten während man die Musik hört. So bekommt man ein multimediales Gesamterlebnis, denn wie in der Musik, so kann man auch in den Bildern ständig etwas Neues entdecken, auch wenn man sie schon seit 10000 Tagen pausenlos betrachtet ...

Das Album ist etwas ruhiger und ausgeglichener als seine Vorgänger. Sehr viel Schwebendes, Atmosphärisches liegt in der Musik. Trotzdem ist und bleibt Tool eine Metal-Band und spielt klare, harte Hooks, wie im fulminanten Opener 'Vicarious' oder dem anschließenden 'Jambi'. Der Zweiteiler 'Wings for Marie (Pt 1)' und '10000 Days (Wings Pt 2)' bildet das transzendente Zentrum des Albums, mit düsteren, psychedelisch schwurbelnden Gitarren und tiefem, fast schon kehligem Gesang. Danach wird es mit 'The Pot' wieder metallischer, der klare und eingängige Gesang und der harte Rhythmus sind unverkennbar für die Band, und auch unkopierbar und unübertreffbar gut. Ein weiterer Höhepunkt des Albums ist 'Rosetta Stoned', ein Zehnminüter, in dem sich starke, forcierende und harte Gitarrenriffs mit leiseren, atmosphärischen Passagen abwechseln, mal treibend, mal bremsend, wodurch der Song eine unglaublich große Dynamik erhält, die sich in einem fulminanten Finale austobt. Danach wird es mit 'Intension' und 'Right In Two' wieder ruhiger, bevor das Album mit der beinahe schon obligatorischen Geräuschorgie 'Viginti Tres' abschließt.

Harte, drängende Songs mit fulminantem Finale wechseln sich mit sphärischen, trance-artigen leisen Klängen. Wieder einmal zeigt sich die ganze Palette der Ideenvielfalt der Band. Der gewaltige Stimmumfang von Maynard wird voll ausgereizt; von sanft, leise über melodisch oder auch gepresst, fast zischend, bis hin zu geschrienen Passagen ist alles dabei. Ebenso verhält es sich mit den Gitarrenklängen. Die rhythmische Begleitung beinhaltet sowohl harte, stampfende Drums als auch Tom-lastige Passagen sowie verschiedenste Percussions. '10000 Days' ist ein stringentes Werk; die Stimmung, die bereits am Anfang erzeugt wird, zieht sich durch das gesamte Album wie ein roter Faden und nimmt den Hörer mit auf eine Klangreise der Superlative! Das Album ist das bislang homogenste der Band, und gleichzeitig auch das Abwechslungsreichste, und genau das macht die große Qualität der Platte aus. Alles in allem sehr gelungen und auf jeden Fall eines der besten Alben der Band und auch des Genres.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Revision: The National Orchestra Of The United Kingdom Of Goats -- Vaaya And The Sea

'Vaaya And The Sea' ist das erste echte Album der Südtiroler Metalprogger mit dem Namen, bei dem die Gefahr, dass es ihn noch einmal gibt, praktisch ausgeschlossen ist. 

Das Konzeptalbum beginnt mit viel Bombast, breiten Klangwänden aus Gitarren und Streichern und schwelgendem Gesang. Es ist in einer beinahe pathetischen Stimmung gehalten, viele Passagen sind hymnenhaft, wie aus einem Heldenepos. Interessante Rhythmuswechsel und immer wieder eingeflochtete PostRock-Anleihen oder harte Metal-Riffs halten sie Spannung aufrecht. Doch man muss Abstriche machen. Bereits nach dem ersten Drittel des Albums bekommt man das Gefühl, sich in einer Dauerschleife zu befinden. Zu viele Akkordfolgen, Melodie- und Spannungsbögen wiederholen sich zu oft. Es gibt zwar immer wieder gute Ideen, die einen aufhorchen lassen, wie die leicht orientalisch angehauchten Passagen in den beiden 'Black Citadel'-Teilen, oder der düstere, monotone Sprechgesang in 'Black Citadel: Empire', doch es setzen sich immer wieder gleiche Themen durch, die sich wenig voneinander abgrenzen.

Handwerklich ist die Musik von guter Qualität. Die Rhythmik ist abwechslungsreich, der oft mehrstimmige Gesang klar, die Harmonik leicht vertrackt, aber meistens trotzdem eingängig. In der Umsetzung der elektronischen Zutaten hat die Gruppe allerdings nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen. Hier ein zu aufdringliches Echo, da ein Satz zu schriller Streicher, das führt dazu, dass das Album ein wenig unrund wirkt. Die Streicher als solche wie auch die Klavierpassagen, beides deutlich hörbar synthetisch erzeugt, haben zu wenig Tiefe und klingen phasenweise zu plastisch. Das mag möglicherweise an der Eingeschränktheit der vorhandenen Mittel und Möglichkeiten liegen, hilft aber leider nichts.

Fazit: Die Band zeigt sehr gute Ansätze, das Album ist aber auf die Länge wenig abwechslungsreich, mit kaum klar hervorstechenden Spitzen. Für Hörer, die bombastischen und epischen Prog mögen, ist das Album auf jeden Fall was, alle sonstig Interessierten können mal reinhören, zumal es die Platte ja als Gratis-Download gibt. Aber es wird nur wenig mehr hergeben als eine angenehme Hintergrundbeschallung.

Dienstag, 22. Juli 2014

Revision: British Theatre -- Dyed In The Wool Ghost

British Theatre ist ein Elektronik-Projekt der ehemaligen Oceansize-Mitglieder Mike Vennart und Richard Ingram. Im August 2012 erschien eine 12'' mit dem Titel 'Dyed In The Wool Ghost', zunächst nur als Download, dann als 12'' Vinyl, die mittlerweile aber auch wieder ausverkauft ist. Welchen Sound kann man von den ehemals doch recht rockig veranlagten Musikern aus Manchester erwarten, die das Projekt schon früh mit 'experimental electronica' ankündigten? Und ist das was für den gemeinen Oceansize-Fan?

Die Platte beinhaltet fünf Songs von insgesamt nicht einmal einer halben Stunde Spieldauer, bietet also einen verhältnismäßig kleinen Einblick in die Arbeit von Vennart und Ingram. Und selbstverständlich steckt eine Menge Oceansize in diesem Projekt, nicht zuletzt Mike Vennarts Stimme. Auch die Melodieführung und die vertrackte Harmonik erinnern an die ruhigeren Stücke der Vorgängerband der beiden Protagonisten. Vor allem die Songs, in denen Voodoo Six Drummer und erklärter Oceansize-Fan Joe Lazarus echtes Schlagzeug beigesteuert hat, kommen dem geneigten Hörer klanglich doch recht bekannt vor. Weiche, ambiente Klangsphären und verspielt wirkender Gesang sind gespickt mit elektronischen Spielereien. Die Stücke mit Computerdrums wirken ein wenig unruhig und rastlos, was auch durch die offene und wenig geradlinige Rhythmik noch verstärkt wird. Aber wenn man sich ein wenig in die Songs reingehört hat, findet man doch schnell Gefallen daran.

Vergleichbar mit dem Nine Inch Nails-Nebenprojekt How To Destroy Angels, oder den experimentellen Ausflügen der späten Radiohead-Alben, ist diese Platte ambitioniert und lässt immer wieder geniale Ideen durchblitzen. Es bleibt leider ein wenig Stückwerk, wirkt unvollendet, eben wie ein Experiment. Doch das Projekt ist auf jeden Fall eines, das man im Auge behalten sollte. Wenn da noch mehr kommt, und wenn die Macher den Spagat zwischen Oceansize-Kopie und etwas wirklich Neuem hinbekommen, könnte es ziemlich gut werden.

Anspieltipp: 'Give A Man Enough Rope And He Will Hang Us All'

Montag, 21. Juli 2014

Revision: Anathema -- Distant Satellites

Ein neuesWerk von Anathema ist erschienen! Nachdem die Live-DVD 'Universal' lange meine Playlist dominierte (Rezi folgt), kommt ein wenig Abwechslung gerade recht, und es lassen sich wunderbar Vergleiche ziehen.

'Distant Satellites' knüpft zunächst nahtlos an den Vorgänger 'Weather Systems' an, mit ähnlichen Harmonien, ähnlicher Stimmung, und einem Mehrteiler, der diesmal dreigeteilt ist. Auffallend ist jedoch schon im eröffnenden 'The Lost Song - Part 1', dass die Drums einen wichtigeren, treibenden Anteil an der Musik haben. Es gibt immer wieder viele ruhige Passagen, mit Streicherteppichen hinter verspielt-träumerischen Klaviermelodien, die sich um die weiche Stimme von Sängerin Lee Douglas schmeicheln, wie im zweiten Teil der 'Lost Song'-Trilogie, oder dem verzaubernden 'Ariel'. Der erste Teil des Albums hat wenig Überraschendes zu bieten,  der Weg, den die Band mit den vorangegangenen Alben eingeschlagen hat, wird weiterverfolgt. Melancholische Melodien und drängende Gitarren vermischen sich zu eingängigen und energiegeladenen Songs voller Schmerz und Sehnsucht, aber auch Zuversicht. Immer mehr Dur-Akkorde streuen sich in die fast schon poppigen Balladen ein, und das Arragement aus Streichern, Klavier, Gitarren und den drei sich perfekt in dieses Klangbett einfügenden Gesangsstimmen bringen Anathema auf diesem Album nahezu zur Perfektion.

Man findet also viel Altbekanntes auf diesem Album, was aber auf einem solchen Qualitätslevel nicht als Negativ empfunden wird. Es gibt aber auch einiges Neues. Computergestützte Drums kannte man bisher nicht von Anathema, zusammen mit der treibenden Gitarre gibt es aber eine spannende Mischung in 'You Are Not Alone', dem kürzesten Song des Albums. Die elektronischen Spielereien setzen sich fort. 'Firelight' gibt mit atmosphärischen Orgelklängen den Opener für den Titelsong des Albums. Hier findet man groovige Computerdrums, Synthie-Klangwellen sowie Gesang und Piano mit sehr viel Hall, passend zum Titel des Songs. Und mit dem abschließenden 'Take Shelter' ist das Album, und mit ihm der Hörer, entgültig in der Schwerelosigkeit angekommen.

Um beim Fazit im Bild zu bleiben: Anathema haben sich in den letzten Jahren aus den Tiefen düsterer Doom-Täler nicht nur an die Oberfläche melancholischen proglastigen Rocks gespielt, sondern sind bereits mit dem Vorgänger-Album 'Weather Systems' durch alle Schichten der Stratosphäre geschwebt, und haben nun mit dem Meisterwerk 'Distant Satellites' jegliche Umlaufbahn verlassen und gleiten nun neuen Klangwelten entgegen. Sie überschreiten Genre-Grenzen, entdecken neue Wege und bleiben sich dennoch treu und schaffen so ihren eigenen unvergleichlichen Sound. Ein großartiges Album von einer großartigen Band, die ich mich jetzt schon freue live sehen zu dürfen.

Anspieltipps: 'Anathema', 'Take Shelter'

Montag, 2. Dezember 2013

Revision: Jolly -- The Audio Guide To Happiness (Part 2)


Der durchaus gelungene Auftritt der Paradiesvögel von Jolly weckte das Interesse für die Band. 'The Audio Guide To Happiness (Part 2)' ist das bis dato aktuellste Werk der Gruppe von der amerikanischen Ostküste.

Nach der kurzen Intro bricht im wahrsten Sinne des Wortes ein Feuersturm los. Schwere Gitarren brüllen, Becken scheppern, Bässe brummen, und zwischen all dem singt und schreit Anadale mit kratziger, aber dennoch melodischer Stimme. 'Firewell' ist überraschend hart und extrem gemischt. Man hat den Eindruck, als würde es dem Sound etwas an Mitten fehlen, doch genau das verleiht dem Song noch mehr Wucht. Nach dem sehr Metal-lastigen Stück schließt sich mit 'You Against The World' ein fast schon mainstreamiger Rocksong mit eingängiger Melodie und platzierter Riff-Führung an. Sänger Andale lässt seiner über mehrere Oktaven hin und her springenden, schwer beeindruckenden Stimme freien Lauf, der Song und das ganze Album lebt ungemein von dieser Vokalakrobatik. Aber auch sonst ist das Album sehr vielseitig. Ob kraftvoll rockig wie in 'Firewell' oder 'Dust Nation Bleak' oder proggig und verspielt, für Abwechslung ist immer gesorgt. In 'Aqualand And The 7 Suns' zum Beispiel verschmelzen ein melodischer, bundloser Bass mit pumpenden Synthies zu harmonischen, aber mit sehr interessanten Melodiesprüngen ausgestatteten vier Minuten. 'Golden Divide' wechselt zwischen Bombast und poppigen Piano-Klängen, und in 'Lucky' kombiniert die Band eine verspielte Synthie-Melodie mit stampfenden Stromgitarren. In der zweiten Hälfte des Albums wird die Härte etwas herausgenommen, es gibt mehr Klavier, mehr Synthies, weniger geschrei und mehr Gesang. Mit 'As Heard On Tape' findet man sogar eine Ballade, mit bluesigem Rhythmus, viel Hall und wie immer überzeugendem melodischen Gesang. Mit Akzenten an genau den richtigen Stellen und gekonnt platzierter Vielstimmigkeit und einem Sackpfeifen-Solo im zweiten Teil ist das sogar eins der besonders guten Stücke des Albums, bei dem es gar nicht leicht ist, Highlights hervorzuheben.

Mit diesem Album zeigt die Band, was sie kann, vielleicht nicht ganz in Vollendung, aber das macht es umso sympatischer. Abstriche kann man machen, weil die Mischung des Sounds ein wenig gewöhnungsbedürftig ist. Auch Anadales Stimme ist eine von denen, die man entweder liebt oder hasst. Pluspunkte sind aber definitiv die Vielseitigkeit und die Eingängigkeit der Musik. Es ist noch Luft nach oben, aber trotzdem empfehlenswert.

Dienstag, 26. November 2013

Revision: Cog -- The New Normal

Was alles so an einem vorbeigeht, wenn man nicht ständig mit dem Kopf im Informationskarussell Internet steckt... So muss jemand, der sich die Frage stellt, was Cog eigentlich so machen, feststellen, dass die Gruppe schon seit drei Jahren nicht mehr existent ist. Das letzte Album der Australier war ja leider nicht annähernd so erfolgreich wie es gut war. Live-Auftritte der Band wird es nicht mehr geben; ein Grund mehr, sich mit dem auf Datenträger gepressten Werk näher zu beschäftigen.

'The New Normal' ist das Debüt-Album des Trios aus Sydney. Es wurde in Kalifornien aufgenommen, und mit Produzentin Sylvia Massy, die schon Tool und System of a Down produzierte, haben die Jungs eine gute Wahl getroffen. Das Album ist laut und intensiv, etwas kratzig, aber dennoch hochwertig produziert. Das Wechselspiel zwischen schweren, aber eingängigen Riffs und atmosphärischen Passagen zieht sich durch alle elf Songs des Albums. Und immer über allem schwebt die charakteristische eindringliche Stimme von Flynn Gower. Der Sound ist homogen, aber dennoch abwechslungsreich. Vom kurzen knackigen 'My Enemy', das mit einfachen Strukturen und angezogenem Tempo der kürzeste Song des Albums ist, bis hin zu zehnminütigen Longtimern mit längeren, fast schon psychedelischen Ausschweifungen ist alles dabei. Es gibt einige Ecken und Kanten vor allem in den Strukturen der Songs, mit Tempo- und Rhythmuswechseln, aber Eingängigkeit steht immer im Fokus der Band. Der Hörer fühlt sich schnell zu Hause, schon der Opener 'Real Life' bringt auf den Punkt, was in den kommenden siebzig Minuten zu erwarten ist. Cog haben ein gutes Gespür für die Dynamik eines Songs, jedes Stück ist ein nie langweilig werdendes Auf und Ab. Die sich überlappenden mehrstimmigen Gesangsspuren und die genau im richtigen Moment einsetzenden Riffs ergänzen sich optimal. Highlights hervorzuheben fällt bei anhaltend hoher Qualität gar nicht leicht. Man kann 'Silence is Violence' mit groovigem Schlagzeug und interessanter Gitarrenführung erwähnen, die im Refrain in harte Akkorde umschlägt. Ebenso empfehlenswert ist 'The River Song', der mit Bass-Solo beginnt, sich langsam aufbaut und immer mehr an Kraft gewinnt, oder 'The Spine' mit treibendem Rhythmus und ebenfalls monströsen Gitarren im Refrain. Mit den beiden Zehn-Minuten-Stücken 'Doors' und 'Naming the Elephant' wird es etwas ruhiger, aber trotzdem nicht weniger intensiv, die besondere Spannung des Albums bleibt bis zum Schluss erhalten.

Die Band und das Album sind hierzulande kaum bekannt. Zu unrecht, muss man sagen. Das Album zeugt von songschreiberischem Geschick und überzeugt mit Eingängigkeit und Intensität, wie man sie nur selten findet. Viel Herzblut steckt in dieser Platte, und das merkt auch der Hörer, der sich darauf einlässt. Fazit: Kaufen!

Montag, 25. März 2013

Revision: Long Distance Calling -- The Flood Inside

Intensiver eingängiger Postrock, das ist man gewohnt von Long Distance Calling. Auf jedem Album ein Song mit Gastsänger, das kennt man auch. Dann kam die Nachricht, dass auf dem neuen Album 'The Flood Inside' etwa die Hälfte aller Songs von einem festen Sänger unterstützt werden. AUFSCHREI!! Long Distance Calling waren bisher sehr gut ohne Sänger ausgekommen. Warum jetzt? Warum, nach so guten Alben, wo man keinen Sänger brauchte? Als dann aber der Name fiel, war fast alles wieder gut. Martin Fischer, Sänger von Pigeon Toe und ehemals Fear My Thoughts, den ich sehr schätze, sollte doch stimmlich ganz gut zu der Band passen...

Doch zunächst beginnt das Album wie gehabt ohne Sänger, und auch im gewohnten Stil, wobei man schon aufhorchen kann, wenn in der Mitte des Openers 'Nucleus' ein bluesiges Gitarrensolo auftaucht, für das sich Henrik Freischlader verantwortlich zeichnet, den die Band als Gast gewinnen konnte. Aber insgesamt eröffnet das Album mit einem Kracher in bewährter Manier. Danach kommt der Gesang ins Spiel. In 'Inside The Flood' fügt sich die drängende Stimme von Martin Fischer optimal in den fordernden Sound der Band ein. Besser hätte es gar nicht werden können. Die Stimme ist die perfekte Ergänzung zu dem sowieso vorher schon perfekt gewesenen Sound der Gruppe, und selbst die Passagen, wo man sich (vermutlich unter Einsatz eines Vocoders) zu Mehrstimmigkeit hinreißen lässt, sind einfach nur gut. Da ist nichts gewollt und nicht gekonnt, das passt einfach. Auch in der Mischung, denn es schließt sich wieder ein instrumentales Stück an. Mit eher ruhigem ersten Teil mit E-Piano-Unterstützung und einem flotten zweiten Teil, der auf Samba-Rhythmen aufgebaut ist, ist 'Ductus' definitiv ein Highlight in einem sehr sehr guten Album. 

Es folgen weitere Gesangsstücke wie 'Tell The End', das gut auch aus der Feder des Sängers hätte stammen können, aber trotzdem unverkennbar LDC ist, und das anschließende 'Welcome Change' mit Gastsänger Danny Cavanagh (Anathema), mit einem Refrain, der ein wenig an Khoma erinnert.
'Waves' ist wieder ein Instrumentalstück, eröffnet von einem Sound- und Wortfetzen-Mix von DJ Coolmann (ehemals Fünf Sterne Deluxe) , anschließend kommt mit 'The Man Within' definitiv das beste Gesangsstück des Albums, wieder mit Martin Fischer, und mit treibenden Drums und DoubleBass und heftigen Riffs eins der härtesten LDC-Stücke überhaupt. Da freut man sich auf Live-Shows!! Das instrumentale Stück 'Breaker' nimmt viel von der Kraft des Vorgängers mit, kann aber auf über acht Minuten Länge auch mit ruhigeren Passagen oder mit Streichern hinterlegten Gitarrenwänden aufwarten. Im letzten Stück durfte sich dann der Mann an den Tasten und Rädchen ein wenig austoben, viele Synthies und elektronische Spielereien werden kombiniert mit eher zurückhaltendem Rhythmusapparat und das Album wird zu einem sehr harmonischen Abschluss gebracht.

Trotz des Sängers - oder vielleicht gerade wegen dem Sänger? - 'The Flood Inside' ist eines der besten Alben der Band überhaupt. Vielseitig, abewchslungsreich, dabei trotzdem in sich stimmig und harmonisch, übertrifft es die ohnehin schon hohen Erwartungen und zeigt, dass die Entwicklung dieser Band auf jeden Fall in die richtige Richtung geht.

Mittwoch, 20. März 2013

Revision: Amplifier -- Echo Street

Nach dem Experiment der Selbstvermarktung beim Vorängeralbum 'The Octopus' beschlossen Amplifier, dass sie doch lieber wieder in einer Band spielen wollen statt Label-Arbeit zu betreiben. Für das neue Album wurde also wieder eine Plattenfirma beauftragt, und zwar nicht irgendeine. Der Prog-Riese K-Scope nahm die Briten unter Vertrag, und die Jungs konnten sich wieder voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Wie Sänger Sel Balamir in Interviews sagte, war 'The Octopus' auch musikalisch ein Experiment, jetzt wolle man allerdings wieder auf weniger ausschweifende Strukturen vertrauen.

Es geht deutlich ruhiger zu auf 'Echo Street'. 'Matmos' beginnt atmosphärisch mit cleanen, aber recht dumpfen Gitarrenklängen und schwebendem, zunächst textlosem Gesang. In über acht Minuten steigert sich der Opener noch, der Gesang bekommt Text, die Gitarren bekommen Verstärker, der Hörer bekommt gewohnten breiten Amplifier-Sound. Trotzdem bleibt das Album deutlich ruhiger als alle seine Vorgänger. Die Gitarre bleibt oft clean, das Schlagzeug ein ums andere Mal stumm. Die Hintergründe sind gefüllt mit Orgeln oder synthetischen Streichern.

Es ist Amplifier, gar keine Frage, aber man ist vom rockigen Monstertruck mit breitem Kühlergrill umgestiegen auf einen ruhigen, aber dennoch spritzigen Hybrid, der dröhnende, rockige Passagen mit eher ruhigen, zurückhaltenden Stellen vereint. Es gibt Songs wie 'The Wheel', das an die mystische Stimmung des 'Octopus' anknüpft, mit einem interessanten Melodielauf der Synthies, der sich durch das ganze Stück zieht und die ausschweifenden Eskapaden der Gitarren in geordnete Bahnen lenkt.
Experimentierfreudig bleiben die Jungs auch, nicht selten hört man vielstimmige Gesangspassagen, die zum Beispiel in 'Where The River Goes' fast schon etwas Gospelhaftes haben. Amplifier präsentieren uns hier keinen zweiten Octopus, auch das sehr gute Debüt-Album wird nicht kopiert, sondern der Hörer bekommt eine neue Facette zu sehen, die der Band gut zu Gesicht steht.
Herzstück des Albums bildet definitiv 'Extra Vehicular', das auf epischer Länge von über zwölf Minuten alles in sich vereint, was die Qualität dieses Albums ausmacht. Leise, fast schon verträumte Strophen, krachige Refrains, fetzige Soli, das sind die Mittel, mit denen um die Gunst des Hörers geworben wird. 'Echo Street' ist wieder zugänglicher, auch wenn es die eine oder andere sperrige Akkordfolge wie in 'Paris In The Spring' etwas schwer macht, einen Song zu greifen.

Das Album ist nicht ganz so still, wie die vorab veröffentlichten Interviews glauben machten. Aber es ist deutlich ruhiger als die Vorgänger, nicht mehr so homogen, dafür vielseitiger und in jedem Fall wieder sehr spannend.

Das aufwändige Artwork der Deluxe Edition ist hochwertig produziert, und die Fans bekommen mit der inkludierten EP 'Sunriders' fünf weitere tolle Songs dazu. Die Anschaffung lohnt sich auf jeden Fall.

Montag, 4. März 2013

Revision: Riverside -- Slaves Of New Generation Shrine

Es gibt wieder neue SONGS von Riverside. Diesmal soll einiges anders sein bei den polnischen Progmetallern. Schon der vorab veröffentlichte Song 'Celebrity Touch' hatte eher Referenzen Richtung Deep Purple und Progrock. Kommt jetzt nach der vorangegangenen EP 'Memories In My Head', die sehr back to the roots war, ein ganz neues Kapitel? Wieviel Riverside steckt noch in der neuen Riverside?

Auf jeden Fall steckt eine Menge Duda in der neuen Riverside. Und, was schon in den ersten Stücken deutlich auffällt, die Hammond-Orgel spielt eine noch wichtigere, ja, tragende Rolle als auf den letzten Werken. In 'New Generation Slave' spielen zu Beginn Gesang und rockiges Riff ein Wechselspiel und eröffnen einen krachigen Rocksong mit viel Groove. Die Gitarre ist deutlich wärmer und weicher als auf den letzten Veröffentlichungen der Band, und die schon erwähnte Orgel sowie die leichten Zerr-Effekte auf dem Gesang geben dem Ganzen einen Hauch Vintage. Die ersten drei Songs, unter ihnen auch das schon erwähnte 'Celebrity Touch', sind schmissige, rockige Stücke, groovig mit psychedelischem Touch. Vor allem in 'The Depth Of Self-Delusion' sind die alten Riverside deutlich zu hören. 

Wer besonders die Härte des letzten Albums der Band mochte, der wird zunächst vielleicht etwas enttäuscht sein. Nach den drei ersten Stücken wird es deutlich ruhiger, mit hallenden Klavierklängen in der melancholischen Ballade 'We Got Used To Us'. Erinnert ein wenig an die Alben von Dudas Nebenprojekt Lunatic Soul. Etwas härter wird es dann wieder in 'Feel Like Feeling', mit schweren Riffs und kreischender Solo-Gitarre, aber trotzdem auch mit dem Kontrast der eher ruhigen Strophen.

Eine weitere typische Riverside-Ballade schließt sich an, danach folgt mit 'Escalator Shrine' eine griffige bluesige Nummer mit Referenzen an den 70er-Jahre-Prog. Dudas unverwechselbares Bass-Spiel, bluesige Gitarre und Hammond-Soli wechseln sich mit ruhigeren Passagen ab und bilden mit fast 13 Minuten den epischen Höhepunkt des Albums, das mit dem kurzen akustischen Outro 'Coda' endet.

Es gibt eine Version des Albums mit Bonus-CD, darauf befindet sich 'Night Session', in zwei Teile geteilt, beide etwas über zehn Minuten lang. 'Part One' beginnt mit sphärischen Synthies und E-Piano und steigert sich zu einem episch-psychedelischen Meisterwerk ähnlich dem 'Ultimate Trip' von der 'Second Life Syndrome'. 'Part Two' beginnt mit bluesigen, verspielten Saxophon-Klängen, die später von elektronischen Drums und weichen Synthies untermalt werden. Beide Teile sind verträumt und verspielt und laden ein zum Zurücklehnen und Entspannen.

Spätestens nach dem dritten Hörgang vermisst man die Härte des letzten Albums nicht mehr. Die Melodien und Harmonien sind gewohnt großartig, und die rockige, etwas bluesige Richtung, die die Band eingeschlagen hat, ist zwar mehr Mainstream als zuletzt, verspricht aber auch mehr Abwechslung und Überraschungen. Trotzdem bleiben Riverside natürlich Riverside, der Bruch ist nicht so groß wie zum Beispiel der zwischen den letzten beiden Opeth-Platten. Ein großartiges Werk, mit Referenzen an große Vorbilder, aber trotzdem auch mit dem eigenen Stempel, das sich nicht so gut zum angestrengten Hinhören eignet, sondern um sich genießend zurückzulehnen und einzutauchen.

Montag, 21. Januar 2013

Revision: Katatonia -- The Great Cold Distance

Nachdem das aktuelle Album von Katatonia ja nicht so eingeschlagen hat, habe ich mich mal wieder einem älteren Werk der Band zugewendet. 'The Great Cold Distance' ist eines der besseren Alben der Schweden. Was macht die Qualität aus?

'The Great Cold Distance' ist ein sehr kraftvolles Album. Der Opener 'Leaders' beginnt mit breiten, düsteren Gitarrenwänden, die aber nicht matschig klingen. Die drei Gitarren grenzen sich deutlich voneinander ab, ergänzen sich aber dennoch sehr gut. Der Gesang von Jonas Renkse stellt einen guten Kontrast zu den düsteren Gitarren, da die Stimme recht weich ist, aber trotzdem über ausreichend Druck verfügt. Growls hat sich der Sänger ja schon früh wieder abgewöhnt, nach eigener Aussage sei seine Stimme dafür nicht besonders geeignet. Im Eröffnungsstück dieses Albums lässt er dennoch den einen oder anderen Schrei los, um dem Refrain mehr Intensität zu verleihen.

Die Songs sind relativ klar durchstrukturiert und wenig progressiv. Der große Pluspunkt des Albums ist tatsächlich die Homogenität und die durchgehend aufrecht erhaltene Power und Intensität. 'Deliberation' ist nur marginal ruhiger als der erste Song, und auch 'Soil's Song' fügt sich nahtlos an. Besonders hervorzuheben ist in diesem Song die Gegenläufigkeit von Drums und Gitarren, die 6/8 und 4/4 Takt miteinander verknüpfen und zu einer Einheit verschmelzen lassen. 'My Twin' beginnt mit ruhigen Klängen, dreht dann aber im Refrain wieder auf. Wieder gibt es harte Riffs, unterstützt von fast schon verspielter Lead-Gitarre und dem eindringlichen, teils auch mehrstimmigen Gesang. 

'Consternation' erinnert ein wenig an Disillusion, mit recht vertrackter Riffführung zu Beginn, und auch die Struktur des Songs ist nicht ganz so einfach gestrickt wie bei den Vorgängern. Ein Song, der sich dadurch ein wenig hervorhebt aus der Gesamtheit des Albums. 'Follower' bleibt lange relativ ruhig, die bereits bekannten schweren Riffs mit Double Bass Drum kommen erst später hinzu. 'Rusted' und 'Increase' dagegen sind von Anfang an kraftvoll und laut. Das Muster ist längst durchschaut: Krachige Refrains mit schweren Riffs wechseln sich mit ruhigeren Strophen mit melodischem Gesang und düsteren, aber harmonischen Klangteppichen im Hintergrund ab. Durch diese Vorhersehbarkeit verliert das Album ein wenig an Spannung. Hervorzuheben bleiben noch 'July' und 'The Itch', die durch besondere Riffs oder abweichende Rhythmik auffallen.

Das Album ist eines der Besseren der Band. Es ist unheimlich kraftvoll, die Mischung aus Härte und Melodik ist gut gelungen, die Platte ist sehr homogen. Dennoch muss man Abstriche machen. Vor allem die geringe Variabilität im Gesang und die Vorhersehbarkeit der Strukturen tragen dazu bei, dass das Album nicht so gut ist, wie es hätte sein können. Trotzdem ist es ein zwar wenig progressives, aber solides Metal-Werk, düster bis melancholisch, unheimlich breit im Klang, und damit immer mal wieder gern zu hören.

Das Album gibt es auch als Re-Issue im 5.1 Surround Mix und mit zwei zusätzlichen Songs.

Anspieltipps: 'The Itch', 'Leaders', 'My Twin'

Montag, 10. Dezember 2012

Revision: Muse -- The 2nd Law

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Muse tendieren ja in letzter Zeit gerne dazu, den geneigten Hörer herauszufordern. Der kratzige, beißige Sound, mit dem sie groß geworden sind, ist immer mehr verdrängt worden. Zuletzt musste (oder wollte) die Band sogar Vergleiche mit Queen aushalten. Dann kam der Teaser zum Album 'The 2nd Law', und wieder waren Fans und Kritiker erstaunt bis vor den Kopf gestoßen. Eine Mischung aus cineastischen Orchesterklängen und Dubstep wurde zusammen mit der Meldung veröffentlicht, dass der Sound des neuen Albums überraschend anders sein würde. Die neue Muse, ein Dubstep-Album?

Nicht ganz, auch wenn die Briten vor Experimentierfreude nur so strotzen. Der erste Song hätte auch gut und gerne auf einem der beiden Vorgänger-Alben enthalten gewesen sein. 'Supremacy' überzeugt mit groovigem Gitarrensound und der eindringlichen bis fast schon überzogen schrillen Stimme von Matthew Bellamy, was sich zu einer eingängigen Kombination entwickelt. Das anschließende 'Madness' wiederum ist etwas von diesem neuen, angekündigten neuen Sound. Poppiges, elektronisches Schlagzeug und verzerrte bassige Dubstep-Synthies bilden den Klangteppich, die Bühne, auf der Sänger Bellamy sich zunächst zurückhält, aber immer wieder durch polyphone Stimmakkorde im Queen-Stil und ein kratziges Gitarrensolo Akzente setzt. Trotzdem bleibt der Balladencharakter des Stückes erhalten. 'Panic Station' dagegen ist ein recht solider Rocksong, knackig, mit Posergesang, wie Elvis es nicht besser gemacht hätte, und Trompetenunterstützung im Refrain. Der Vegas-Flair steht dem Song aber sehr gut.

Kitschige Streicher eröffnen für 'Survival', den offiziellen Olympia-Song für London 2012. Sperrig, mit langer und nicht gerade einfach zu hörender Akkordfolge, steigert sich der Song zunächst leise beginnend zu einem Klangfestival, das sich wieder einmal in die Queen-Ecke stellen lässt. Zum Ende hin wird der Song noch etwas kratzig, mit klirrenden Gitarren, so dass es nicht verwunderlich ist, dass dieses recht komplexe Machwerk während der olympischen Spiele nicht wirklich oft in den Radiostationen gespielt wurde. Der Song hat kein Mainstream-Potenzial, ist aber, von der künstlerischischen Seite aus betrachtet, gut.

Es schließt sich 'Follow Me' an, mit technoidem Beat und wieder einmal Dubstep-Elementen. Die für die Band typische Eingängigkeit der Melodieführung sorgt dafür, dass der Song trotzdem hörbar bleibt. Etwas mehr Natürlichkeit hätte dem Stück allerdings auch gut zu Gesicht gestanden, dessen Ende an die verzweifelten Schreie von Bono in wahrscheinlich der Hälfte aller bekannten U2-Songs erinnert. 'Animals' ist wieder ein eher typischer Muse-Song. Interessant gemacht, mit dem Cembalo im Hintergrund, der verspielten Gitarre, und der guten Spannungskurve des Songs, der nie wirklich laut wird, aber dennoch Kraft und Stärke entwickelt.

'Explorers' nimmt den Fuß noch ein wenig mehr vom Gas, eine leicht kitschige, theatralische Ballade, qualitativ gut, aber vielleicht eine Spur zu dick aufgetragen im ersten Teil. Mit Einsetzen des Schlagzeugs wird es besser. 'Big Freeze' ist ein guter Song, gut geschrieben, und auch gut umgesetzt, geradlinig, rockig, fast wie aus den besten Zeiten der Band. Aber eben nur fast, zum Ende hin wirkt der Song ein wenig kraftlos, es fehlt ein wenig der Druck. 'Save Me' beginnt wieder sehr kitschig, sphärisch, baut sich dann aber weiter auf und wird nach schwacher Anfangsphase ganz interessant. Drängender Beat, mehrstimmiger atmosphärischer Gesang, daraus entsteht ein recht intensiver Refrain, der allerdings in der Strophe wieder etwas ausgebremst wird. Gesungen hat diesen Song übrigens Bassist Chris Wolstenholme, genau wie auch das folgende 'Liquid State', das nochmal rockig daherkommt und an frühere Zeiten erinnert, durch Geradlinigkeit und Drive besticht und damit eines der Highlights des Albums ist.

Abgeschlossen wird das Album vom Titelstück 'The 2nd Law' in zwei Teilen. 'Unsustainable' ist der eingangs schon erwähnte Teaser, 'Isolated System' greift das Thema auf, aber statt der zerrissenen Dubstep-Elemente geben die technioden Beats und das sich wiederholende Klavierthema dem Stück einen eher atmosphärischen Charakter.

Was soll man nun halten von so einem Album? Experimentierfreudig war die Band, ob das gut ist, bleibt Geschmackssache. Es sind wenige Songs dabei, die vollkommen überzeugen, auch wenn das Album insgesamt abwechslungsreich und handwerklich durchaus gut gemacht ist. Aber es ist auch an vielen Stellen etwas zu viel und an den falschen Stellen etwas zu wenig. Mix und Produktion sind zu weich. Die Stücke sind an vielen Stellen zu durchdacht, allerdings im negativen Sinn; zu viel Kopf vergisst das Herz. Es ist eigentlich zu gut, um zu sagen, dass es ein schlechtes Album ist. Aber ein wirklich gutes ist es leider auch nicht.

Anspieltipps: 'Supremacy', 'Animals', 'Panic Station'