Im letzten Teil von
Retrospect soll es um Sachen gehen, die schon älter sind, die aber bis zum vergangenen Jahr irgendwie an mir vorbeigelaufen sind. Gründe davon gibt es sicher viele, vor allem kann man bei der Fülle an guter Musik, die es zwischen all dem Schrott auch gibt, bei Weitem nicht alles hören, was sich lohnt gehört zu werden. Von daher bin ich auch immer offen für Anregungen und Tipps.
Neu für mich
Amplifier: Bisher verkannt
Diese Band gehört zu denen, denen ich bisher kaum Beachtung geschenkt habe, weil der erste Eindruck mich nicht gänzlich überzeugt hat. Der erste Eindruck, das war das Southside 2005, wo
Amplifier eröffneten. Das Konzert war stimmungsmäßig gut, aber damals hat die Musik mich nicht so überzeugt, dass ich den Drang hatte, mich weiter damit zu beschäftigen. Dann bekam ich Ende 2009 die
Feed to Feed - Live-DVD von
Oceansize, wo
Amplifier's Sel Balamir bei einem Song als Gast Gitarre spielte. Das ließ mich aufhorchen, und auf der Suche nach neuer Musik, die der von Oceansize ähnlich ist, begann ich, mich mit
Amplifier auseinanderzusetzen. Ich begann mit dem aktuelleren Album
Insider, das mir ziemlich gut gefallen hat. Dann holte ich mir auch das selbstbetitelte Debüt, und das hat mich vom Hocker gehauen. Die Stimmung auf diesem Album ist so genial, und die Sons als auch die Zusammenstellung haben dazu geführt, dass diese Platte die wahrscheinlich meistgehörte im vergangenen Jahr gewesen ist. In nicht allzu ferner Zukunft werde ich dieses Album hier auch noch im Detail vorstellen. Hier eine kleine Kostprobe:
Youtube: Amplifier -- Airborne
Rishloo & Abigail's Ghost: Mehr als nur Abklatsch?
'Klingt wie' ist für viele Bands eher ein Armutszeugnis. Man will doch mit seiner Kunst einzigartig sein, etwas Neues schaffen, von dem niemand behaupten kann: 'Gibt's ja schon'. Trotzdem bin ich ab und zu auch auf der Suche nach 'Klingt wie'-Musik zu Bands, die mir sehr gut gefallen. Und dank lastFM und ähnlichen 'Schubladen-Systemen' bin ich auch schnell fündig geworden. Zwei Bands habe ich im vergangenen Jahr kennengelernt, die auf den ersten Blick den Eindruck vermitteln, wenig eigene Kreativität zu haben, sondern sich stark am Stil großer Vorbilder zu orientieren. Da wären zum Einen
Rishloo, deren Sound vor allem auf dem ersten Album
Terras Frames sehr stark nach
Tool klingen. Doch nach eingängiger Beschäftigung mit der Band konnte ich feststellen, dass sie seit ihrem Debüt eine enorme Entwicklung durchlebt haben. Das bis dato aktuelle Album
Feathergun hat zwar immer noch Elemente, die stark an Tool erinnern, doch der Sound der Jungs aus Seattle, die aktuell nicht mal einen Plattenvertrag haben, ist deutlich melodischer geworden. Man könnte fast sagen, dass
Rishloo und
Tool bei dem selben Ausgangpunkt begonnen haben, sich dann aber in verschiedene Richtungen weiterbewegt haben, so dass man nun die gemeinsamen Wurzeln noch erkennen kann, aber die Unterschiede deutlich sind.
Rishloo ist also in jedem Fall einen Versuch wert.
Youtube: Rishloo -- Turning Sheep Into Goats
Youtube: Abigail's Ghost -- Selling Insincerity
Auch
Abigail's Ghost hört man die Vorbilder an. Doch hier scheint man sich dem Blick zurück verschrieben zu haben. Die Songs, die sehr an
Porcupine Tree erinnern, erreichen die Tiefe und Brillianz der Prog-Halbgötter nicht ganz. Und auch wenn man den Jungs aus Boston zugestehen sollte, dass sie wirklich anständig Musik machen können und ich die Platten auch gern mal höre, muss man auch sagen, dass sie es bisher nicht geschafft haben, sich von ihren 'Vätern' zu lösen und einen eigenen Weg einzuschlagen. Im Gegenteil, leider musste ich feststellen, dass die aktuellere der beiden Platten zwar technisch hochwertiger ist, dass aber die Frische des Debüt-Albums verlogen gegangen ist. Ich hoffe, dass die Band noch Besseres zu bieten hat als das, denn das Potenzial hat sie meiner Meinung nach.
Riverside: Psychedelic ProgRock vom Feinsten
Im Zuge der Veröffentlichung von
Lunatic Soul II bin ich auf
Riverside gestoßen, eine polnische ProgRock-Band, deren Bassist
Mariusz Duda für
Lunatic Soul verantwortlich ist. Der Sound von
Riverside ist härter als das Solo-Projekt, mit mehr Metal-Elementen. Doch die weiche Stimme und die psychedelische Grundstimmung, die mich bei
Lunatic Soul so begeistert hat, ist auch hier vorhanden. Mein Favorit ist das Album
Rapid Eye Movement, der letzte Teil der 'Reality Dream'-Trilogie. Das ist für mich das bisher stärkste Album der Polen, und ich werde es demnächst im Detail vorstellen. Bis dahin eine kleine Kostprobe.
Youtube: Riverside -- Schizophrenic Prayer