Freitag, 19. Januar 2018

Revision: The Cranberries -- Everybody Is Doing It, So Why Can't We?

Es ist sicherlich überraschend, dass ich mich an dieser Stelle mit den Cranberries beschäftige, die so gar nicht zu dem hier normalerweise behandelten Genre-Spektrum passen wollen. Das bedauerliche Ableben der Sängerin der Band Dolores O'Riordan hat mich daran erinnert, wie wichtig diese Band für mich in meiner Jugend war, und wieviel sie zu meiner musikalischen Entwicklung beigetragen hat. Und nicht zuletzt um zu zeigen, dass die Band mehr ist als 'Zombie', führe ich hier das Debüt-Album der Gruppe ins Feld.

Die Wucht der unverkennbaren Stimme von O'Riordan, die man von dem schon erwähnten Hit 'Zombie' kennt, kommt auf diesem Album noch eher selten zur Geltung. Hier werden leisere, sanftere Töne angeschlagen. Traurig melancholische Balladen, die mitunter an die Smiths erinnern, dominieren das Album, das im Original mit 12 Songs kam, mittlerweile unter dem Subtitel 'The Complete Sessions' auf 18 Stücke erweitert wurde. Dabei findet man neben zwei Remixen auch erfrischenden Gitarrenpop. Aber auch das Album als solches ist keineswegs düster, sondern wird immer wieder aufgelockert von leichten, poppigen Stücken wie 'Dreams', 'Linger' oder 'Wanted', die zwar immernoch verträumt klingen, aber mit mehr positiver Verspieltheit. Klanglich wird das Album neben der Gesangsstimme vor allem vom markanten Bass von Mike Hogan dominiert, sein Bruder Noel hält sich an der Gitarre oft dezent zurück, oder spielt sich zumindest nicht in den Vordergrund. Einziger Schwachpunkt sind die gelegentlich eingesetzten Streicher, die mitunter sehr kitschig wirken, und, da sie vom Keyboard gespielt sind, auch ein wenig nach Plastik klingen. Aber so ist das wohl bei einem Debüt-Album, da fehlen vermutlich die Mittel. Einzelne Songs hervorzuheben fällt schwer, das Album ist eine schöne runde Sache, die sich auch nach fast 25 Jahren wenig abgenutzt hat. Selbst der aus den 80ern entliehene Hall auf den Drums, der zugegebenermaßen nicht so vordergründig ist, hat seinen Charme. Alles in allem ist dieses Album eine angenehm chillige Scheibe, die die gut sortierte Musiksammlung um ein Schätzchen bereichert.

Anspieltipp:

Dienstag, 16. Januar 2018

Lebenszeichen II

Mehr als drei Jahre ist es jetzt her, dass hier der letzte Artikel erschienen ist. Viele Dinge kamen dazwischen, sei es, dass mir der Zugang zu Musik ein wenig verbaut war in meinem Kopf, oder auch der Mangel an Zeit, sich einzelnen Alben so intensiv zu widmen, dass dabei etwas Lesbares herausgekommen wäre. Jetzt frage ich mich, ob diesen Blog hier überhaupt noch irgendjemand verfolgt. Denn ich hätte schon Interesse und auch Lust, mal wieder was zu schreiben.

Wenn du das hier liest, danmn schreib mir doch nen kurzen Kommentar.. Ein einziger würde mir schon reichen, um dieses Blog wieder aufleben zu lassen.

Montag, 15. Dezember 2014

Revision: Rishloo -- Living As Ghosts With Buildings As Teeth

Nach Auflösungsgerüchten und vielleicht auch ein wenig auf Druck der kleinen aber treuen Fangemeinde haben Rishloo via Crowdfunding ihr viertes Studioalbum produziert. Und das hat einiges zu bieten. Die Band klingt dynamischer, abwechslungsreicher und vielseitiger als je zuvor. So findet man beispielsweise im Opener ‚Great Rain Battle‘ bluesige Gitarrensoli auf groovigem sechs-Achtel-Takt, im anschließenden ‚Landmines‘ schwere Metal-Riffs und Polyrhythmik, und atmosphärische Postrock-Anleihen in ‚Dead Rope Machine‘. Über allem liegt der eindringliche Gesang von Andrew Mailloux, der sich in ‚Winslow‘ zwischenzeitlich schon mal als Hardcore-Shouter versucht, ohne dass der Song wirklich Hardcore wird. Dennoch ist dieser Song der härteste des Albums, zumindest in Passagen. Herzstück des Albums bilden das zehnminütige ‚Dark Charade‘ mit episch proggigem Einschlag, und das anschließende ‚Salutations‘, das mit trippigen Drums, seidenweichen Gitarren und intensiv brummendem Bass an den intensiven Sound von Archive erinnert.

Das Album ist nicht so homogen wie die Vorgänger. Doch das tut dem Sound gut. Einflüsse aus bislang bandfremden Gefilden machen das Werk interessant und spannend. Das Wechselspiel zwischen melancholisch schönen Harmonien mit filigraner Melodie und brüllenden Gitarren konnte die Band schon immer gut. Auf dieser Basis aufbauend hat sich die Gruppe positiv weiterentwickelt. Bleibt zu hoffen, dass das nicht ihr letztes Album war.

Anspieltipp:

Donnerstag, 24. Juli 2014

Revision: Tool -- 10.000 Days




Kürzlich war in der Musikpresse ein Interview zu lesen, in dem deutlich wurde, dass die Verzögerungen bei der Arbeit am neuen Tool-Album auf einen komplizierten Rechtsstreit der Band um Artwork zurückzuführen ist. Schade, dass es solche das Geld betreffenden Dinge sind, die einen Künstler immer wieder ausbremsen. Doch scheinbar geht die Arbeit an neuen Stücken mittlerweile gut voran. Bis es soweit ist, bleibt noch Zeit, sich mit den schon erschienenen Werken von Tool zu beschäftigen, zum Beispiel dem bis dato aktuellen Album '10000 Days'.

Das Cover einer CD als das Beeindruckendste an einem Album zu bezeichnen, stellt ja eigentlich die Musik ein wenig in den Schatten, denn es ist ja nicht unbedingt das Cover, nach der man sich ein Album aussucht. Aber auf jeden Fall ist es beeindruckend genug, in einer Rezension berücksichtigt zu werden. Die CD-Hülle an sich ist eine Papp-Hülle. Darin ist eine ausklappbare Brille eingearbeitet. Mit dieser Brille kann man nun das Booklet betrachten, dass an der Innenseite der Hülle befestigt ist. Das Booklet zeigt jede Menge psychedelischer Bilder und Muster, die mit Hilfe der Brille dreidimensional werden. Diese schaut man am besten während man die Musik hört. So bekommt man ein multimediales Gesamterlebnis, denn wie in der Musik, so kann man auch in den Bildern ständig etwas Neues entdecken, auch wenn man sie schon seit 10000 Tagen pausenlos betrachtet ...

Das Album ist etwas ruhiger und ausgeglichener als seine Vorgänger. Sehr viel Schwebendes, Atmosphärisches liegt in der Musik. Trotzdem ist und bleibt Tool eine Metal-Band und spielt klare, harte Hooks, wie im fulminanten Opener 'Vicarious' oder dem anschließenden 'Jambi'. Der Zweiteiler 'Wings for Marie (Pt 1)' und '10000 Days (Wings Pt 2)' bildet das transzendente Zentrum des Albums, mit düsteren, psychedelisch schwurbelnden Gitarren und tiefem, fast schon kehligem Gesang. Danach wird es mit 'The Pot' wieder metallischer, der klare und eingängige Gesang und der harte Rhythmus sind unverkennbar für die Band, und auch unkopierbar und unübertreffbar gut. Ein weiterer Höhepunkt des Albums ist 'Rosetta Stoned', ein Zehnminüter, in dem sich starke, forcierende und harte Gitarrenriffs mit leiseren, atmosphärischen Passagen abwechseln, mal treibend, mal bremsend, wodurch der Song eine unglaublich große Dynamik erhält, die sich in einem fulminanten Finale austobt. Danach wird es mit 'Intension' und 'Right In Two' wieder ruhiger, bevor das Album mit der beinahe schon obligatorischen Geräuschorgie 'Viginti Tres' abschließt.

Harte, drängende Songs mit fulminantem Finale wechseln sich mit sphärischen, trance-artigen leisen Klängen. Wieder einmal zeigt sich die ganze Palette der Ideenvielfalt der Band. Der gewaltige Stimmumfang von Maynard wird voll ausgereizt; von sanft, leise über melodisch oder auch gepresst, fast zischend, bis hin zu geschrienen Passagen ist alles dabei. Ebenso verhält es sich mit den Gitarrenklängen. Die rhythmische Begleitung beinhaltet sowohl harte, stampfende Drums als auch Tom-lastige Passagen sowie verschiedenste Percussions. '10000 Days' ist ein stringentes Werk; die Stimmung, die bereits am Anfang erzeugt wird, zieht sich durch das gesamte Album wie ein roter Faden und nimmt den Hörer mit auf eine Klangreise der Superlative! Das Album ist das bislang homogenste der Band, und gleichzeitig auch das Abwechslungsreichste, und genau das macht die große Qualität der Platte aus. Alles in allem sehr gelungen und auf jeden Fall eines der besten Alben der Band und auch des Genres.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Revision: The National Orchestra Of The United Kingdom Of Goats -- Vaaya And The Sea

'Vaaya And The Sea' ist das erste echte Album der Südtiroler Metalprogger mit dem Namen, bei dem die Gefahr, dass es ihn noch einmal gibt, praktisch ausgeschlossen ist. 

Das Konzeptalbum beginnt mit viel Bombast, breiten Klangwänden aus Gitarren und Streichern und schwelgendem Gesang. Es ist in einer beinahe pathetischen Stimmung gehalten, viele Passagen sind hymnenhaft, wie aus einem Heldenepos. Interessante Rhythmuswechsel und immer wieder eingeflochtete PostRock-Anleihen oder harte Metal-Riffs halten sie Spannung aufrecht. Doch man muss Abstriche machen. Bereits nach dem ersten Drittel des Albums bekommt man das Gefühl, sich in einer Dauerschleife zu befinden. Zu viele Akkordfolgen, Melodie- und Spannungsbögen wiederholen sich zu oft. Es gibt zwar immer wieder gute Ideen, die einen aufhorchen lassen, wie die leicht orientalisch angehauchten Passagen in den beiden 'Black Citadel'-Teilen, oder der düstere, monotone Sprechgesang in 'Black Citadel: Empire', doch es setzen sich immer wieder gleiche Themen durch, die sich wenig voneinander abgrenzen.

Handwerklich ist die Musik von guter Qualität. Die Rhythmik ist abwechslungsreich, der oft mehrstimmige Gesang klar, die Harmonik leicht vertrackt, aber meistens trotzdem eingängig. In der Umsetzung der elektronischen Zutaten hat die Gruppe allerdings nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen. Hier ein zu aufdringliches Echo, da ein Satz zu schriller Streicher, das führt dazu, dass das Album ein wenig unrund wirkt. Die Streicher als solche wie auch die Klavierpassagen, beides deutlich hörbar synthetisch erzeugt, haben zu wenig Tiefe und klingen phasenweise zu plastisch. Das mag möglicherweise an der Eingeschränktheit der vorhandenen Mittel und Möglichkeiten liegen, hilft aber leider nichts.

Fazit: Die Band zeigt sehr gute Ansätze, das Album ist aber auf die Länge wenig abwechslungsreich, mit kaum klar hervorstechenden Spitzen. Für Hörer, die bombastischen und epischen Prog mögen, ist das Album auf jeden Fall was, alle sonstig Interessierten können mal reinhören, zumal es die Platte ja als Gratis-Download gibt. Aber es wird nur wenig mehr hergeben als eine angenehme Hintergrundbeschallung.

Dienstag, 22. Juli 2014

Revision: British Theatre -- Dyed In The Wool Ghost

British Theatre ist ein Elektronik-Projekt der ehemaligen Oceansize-Mitglieder Mike Vennart und Richard Ingram. Im August 2012 erschien eine 12'' mit dem Titel 'Dyed In The Wool Ghost', zunächst nur als Download, dann als 12'' Vinyl, die mittlerweile aber auch wieder ausverkauft ist. Welchen Sound kann man von den ehemals doch recht rockig veranlagten Musikern aus Manchester erwarten, die das Projekt schon früh mit 'experimental electronica' ankündigten? Und ist das was für den gemeinen Oceansize-Fan?

Die Platte beinhaltet fünf Songs von insgesamt nicht einmal einer halben Stunde Spieldauer, bietet also einen verhältnismäßig kleinen Einblick in die Arbeit von Vennart und Ingram. Und selbstverständlich steckt eine Menge Oceansize in diesem Projekt, nicht zuletzt Mike Vennarts Stimme. Auch die Melodieführung und die vertrackte Harmonik erinnern an die ruhigeren Stücke der Vorgängerband der beiden Protagonisten. Vor allem die Songs, in denen Voodoo Six Drummer und erklärter Oceansize-Fan Joe Lazarus echtes Schlagzeug beigesteuert hat, kommen dem geneigten Hörer klanglich doch recht bekannt vor. Weiche, ambiente Klangsphären und verspielt wirkender Gesang sind gespickt mit elektronischen Spielereien. Die Stücke mit Computerdrums wirken ein wenig unruhig und rastlos, was auch durch die offene und wenig geradlinige Rhythmik noch verstärkt wird. Aber wenn man sich ein wenig in die Songs reingehört hat, findet man doch schnell Gefallen daran.

Vergleichbar mit dem Nine Inch Nails-Nebenprojekt How To Destroy Angels, oder den experimentellen Ausflügen der späten Radiohead-Alben, ist diese Platte ambitioniert und lässt immer wieder geniale Ideen durchblitzen. Es bleibt leider ein wenig Stückwerk, wirkt unvollendet, eben wie ein Experiment. Doch das Projekt ist auf jeden Fall eines, das man im Auge behalten sollte. Wenn da noch mehr kommt, und wenn die Macher den Spagat zwischen Oceansize-Kopie und etwas wirklich Neuem hinbekommen, könnte es ziemlich gut werden.

Anspieltipp: 'Give A Man Enough Rope And He Will Hang Us All'

Montag, 21. Juli 2014

Revision: Anathema -- Distant Satellites

Ein neuesWerk von Anathema ist erschienen! Nachdem die Live-DVD 'Universal' lange meine Playlist dominierte (Rezi folgt), kommt ein wenig Abwechslung gerade recht, und es lassen sich wunderbar Vergleiche ziehen.

'Distant Satellites' knüpft zunächst nahtlos an den Vorgänger 'Weather Systems' an, mit ähnlichen Harmonien, ähnlicher Stimmung, und einem Mehrteiler, der diesmal dreigeteilt ist. Auffallend ist jedoch schon im eröffnenden 'The Lost Song - Part 1', dass die Drums einen wichtigeren, treibenden Anteil an der Musik haben. Es gibt immer wieder viele ruhige Passagen, mit Streicherteppichen hinter verspielt-träumerischen Klaviermelodien, die sich um die weiche Stimme von Sängerin Lee Douglas schmeicheln, wie im zweiten Teil der 'Lost Song'-Trilogie, oder dem verzaubernden 'Ariel'. Der erste Teil des Albums hat wenig Überraschendes zu bieten,  der Weg, den die Band mit den vorangegangenen Alben eingeschlagen hat, wird weiterverfolgt. Melancholische Melodien und drängende Gitarren vermischen sich zu eingängigen und energiegeladenen Songs voller Schmerz und Sehnsucht, aber auch Zuversicht. Immer mehr Dur-Akkorde streuen sich in die fast schon poppigen Balladen ein, und das Arragement aus Streichern, Klavier, Gitarren und den drei sich perfekt in dieses Klangbett einfügenden Gesangsstimmen bringen Anathema auf diesem Album nahezu zur Perfektion.

Man findet also viel Altbekanntes auf diesem Album, was aber auf einem solchen Qualitätslevel nicht als Negativ empfunden wird. Es gibt aber auch einiges Neues. Computergestützte Drums kannte man bisher nicht von Anathema, zusammen mit der treibenden Gitarre gibt es aber eine spannende Mischung in 'You Are Not Alone', dem kürzesten Song des Albums. Die elektronischen Spielereien setzen sich fort. 'Firelight' gibt mit atmosphärischen Orgelklängen den Opener für den Titelsong des Albums. Hier findet man groovige Computerdrums, Synthie-Klangwellen sowie Gesang und Piano mit sehr viel Hall, passend zum Titel des Songs. Und mit dem abschließenden 'Take Shelter' ist das Album, und mit ihm der Hörer, entgültig in der Schwerelosigkeit angekommen.

Um beim Fazit im Bild zu bleiben: Anathema haben sich in den letzten Jahren aus den Tiefen düsterer Doom-Täler nicht nur an die Oberfläche melancholischen proglastigen Rocks gespielt, sondern sind bereits mit dem Vorgänger-Album 'Weather Systems' durch alle Schichten der Stratosphäre geschwebt, und haben nun mit dem Meisterwerk 'Distant Satellites' jegliche Umlaufbahn verlassen und gleiten nun neuen Klangwelten entgegen. Sie überschreiten Genre-Grenzen, entdecken neue Wege und bleiben sich dennoch treu und schaffen so ihren eigenen unvergleichlichen Sound. Ein großartiges Album von einer großartigen Band, die ich mich jetzt schon freue live sehen zu dürfen.

Anspieltipps: 'Anathema', 'Take Shelter'

Donnerstag, 17. Juli 2014

Exkurs: Farbgeballer zur eigenen Musik


http://www.coldbeamgames.com

Heute gibt es mal einen Exkurs, der eher entfernt mit Musik zu tun hat, aber irgendwie doch. Es geht um ein Spiel, in dem man seine eigene Musik einbindet, und die Musik generiert Level und bestimmt Intensität und Schwierigkeit.

Beat Hazard heißt das Game des Indie-Entwicklers Cold Beam, und der Name ist Programm. Es ist ein Arcade Space Shooter im Stil von Asteroids. Man steuert ein Raumschiff, und von allen Seiten kommen Asteroiden und feindliche Raumschiffe hineingeflogen, die man abschießen muss, und die dann in bunten Farben explodieren. Das Konzept ist schnell erklärt: Man wählt einen Song aus, anhand des Songs wird dann ein Level generiert. Je nach der Dynamik des Songs sind die Gegner mehr oder weniger aggressiv, die Farben und Effekte mehr oder weniger intensiv. Es gibt natürlich auch Items einzusammeln, Waffen hochzuleveln, verschiedene Raumschiffe zur Auswahl, auch zusätzliche Raumschiffe downloadbar und sogar die Möglichkeit, eigene Raumschiffe zu kreieren. Man hat verschiedene Spielmodi zur Auswahl und kann für die unterschiedlichen Schiffe auch Missionen spielen.

Das Gameplay ist äußerst rasant. Der Warnhinweis für Epileptiker am Anfang des Spiels ist in diesem Spiel absolut gerechtfertigt. Die Intensität des wilden Farbgeballers, vor allem bei schnellen und lauten Songs, kann einem schonmal Augen und Hirn flirren lassen, teilweise hat man sogar Schwierigkeiten zu erkennen, wo man sich auf dem Screen befindet. Doch der Spielspaß ist groß, und man kann gut mal einen Song zwischendurch spielen, und dabei noch seine Lieblingsmusik genießen.

Beat Hazard gibt es für so ziemlich jede Plattform (Windows, MAC OS, Linux, Android, iOS, PlayStation, xBox live), ausprobiert habe ich es auf PC (Windows) und Android. Probiert die Demo und macht euch selbst ein Bild!


http://www.coldbeamgames.com

Dienstag, 15. Juli 2014

Live: Riverside & Votum 16.04.2014 Colos-Saal Aschaffenburg

Foto: Micha
Lang lang ist's her, aber jetzt endlich habe ich mal die Zeit gefunden, in aller Kürze noch über das zuletzt besuchte Konzert von Riverside zu berichten. Es war mein erster Besuch im in Prog-Kreisen fast schon legendären Colos-Saal in Aschaffenburg, einem kleinen Club mitten in der Stadt. Die Atmosphäre ist fast schon familiär, und die Idee, vor dem Konzert auf Leinwand Live-Auftritte als Werbung für kommende Events zu zeigen, ist gar nicht mal so schlecht.

Als Vorgruppe spielten Votum, eine Progressive Metal Band, wie der Hauptact aus Polen kommend. Die Gruppe war laut und hart, mit vertrackten Riffs und Rhythmuswechseln, wenig filigran, aber technisch gut, und bestens gelaunt. Weite Teile des Publikums ließen sich von der guten Stimmung mitreißen, wurden auch immer wieder angepeitscht von Sänger Bartosz Sobieraj. Der Sound war leider, wie so oft bei Vorgruppen in so kleinen Venues, eher suboptimal, ein wenig zu laut, die Gitarren fast schon beißend. Aber die sechs haben eine ordentliche Show abgeliefert und sollten zumindest aus den Augenwinkeln weiter beobachtet werden.

Nach erstaunlich kurzer Umbaupause kam unter frenetischem Jubel Riverside auf die Bühne. Die Polen um Frontmann Mariusz Duda wirkten entspannt und waren in bester Laune. Immer wieder scherzten sie miteinander und mit dem Publikum, es war das letzte Konzert der Tour (bis auf einige Shows in ihrem Heimatland, aber Zitat Duda: "Poland doesn't count"), und entsprechend druckfrei und gelöst konnte die Band aufspielen. 

Die Soundqualität war, wie von Riverside nicht anders erwartet, ohne nennenswerte Mängel, und dass die Jungs ihr Handwerk verstehen, haben sie auch schon oft bewiesen. Die Tour war die zweite zum aktuellen Album 'Slaves Of New Generation Shrine', und im Vergleich zur ersten 'New Generation' Tour wurden einige Dinge anders gemacht. Es wurden ein paar mehr ältere Stücke gespielt, und viele Songs haben auch ein wenig ein neues Gewand bekommen, ein Extra-Solo hier, eine etwas abgewandelte Passage da. Es war also für diejenigen, die schon bei der letzten Tour dabei waren, keine Wiederholung, sondern eine Entdeckungsreise, die sich gelohnt hat.

Fazit: Riverside ist live eine echte Größe, und immer eine Reise wert. Soundqualität, gute Stimmung und die Schönheit der Musik machen es zu einem schönen Erlebnis, an das man sich gern zurück erinnert.

Montag, 2. Dezember 2013

Revision: Jolly -- The Audio Guide To Happiness (Part 2)


Der durchaus gelungene Auftritt der Paradiesvögel von Jolly weckte das Interesse für die Band. 'The Audio Guide To Happiness (Part 2)' ist das bis dato aktuellste Werk der Gruppe von der amerikanischen Ostküste.

Nach der kurzen Intro bricht im wahrsten Sinne des Wortes ein Feuersturm los. Schwere Gitarren brüllen, Becken scheppern, Bässe brummen, und zwischen all dem singt und schreit Anadale mit kratziger, aber dennoch melodischer Stimme. 'Firewell' ist überraschend hart und extrem gemischt. Man hat den Eindruck, als würde es dem Sound etwas an Mitten fehlen, doch genau das verleiht dem Song noch mehr Wucht. Nach dem sehr Metal-lastigen Stück schließt sich mit 'You Against The World' ein fast schon mainstreamiger Rocksong mit eingängiger Melodie und platzierter Riff-Führung an. Sänger Andale lässt seiner über mehrere Oktaven hin und her springenden, schwer beeindruckenden Stimme freien Lauf, der Song und das ganze Album lebt ungemein von dieser Vokalakrobatik. Aber auch sonst ist das Album sehr vielseitig. Ob kraftvoll rockig wie in 'Firewell' oder 'Dust Nation Bleak' oder proggig und verspielt, für Abwechslung ist immer gesorgt. In 'Aqualand And The 7 Suns' zum Beispiel verschmelzen ein melodischer, bundloser Bass mit pumpenden Synthies zu harmonischen, aber mit sehr interessanten Melodiesprüngen ausgestatteten vier Minuten. 'Golden Divide' wechselt zwischen Bombast und poppigen Piano-Klängen, und in 'Lucky' kombiniert die Band eine verspielte Synthie-Melodie mit stampfenden Stromgitarren. In der zweiten Hälfte des Albums wird die Härte etwas herausgenommen, es gibt mehr Klavier, mehr Synthies, weniger geschrei und mehr Gesang. Mit 'As Heard On Tape' findet man sogar eine Ballade, mit bluesigem Rhythmus, viel Hall und wie immer überzeugendem melodischen Gesang. Mit Akzenten an genau den richtigen Stellen und gekonnt platzierter Vielstimmigkeit und einem Sackpfeifen-Solo im zweiten Teil ist das sogar eins der besonders guten Stücke des Albums, bei dem es gar nicht leicht ist, Highlights hervorzuheben.

Mit diesem Album zeigt die Band, was sie kann, vielleicht nicht ganz in Vollendung, aber das macht es umso sympatischer. Abstriche kann man machen, weil die Mischung des Sounds ein wenig gewöhnungsbedürftig ist. Auch Anadales Stimme ist eine von denen, die man entweder liebt oder hasst. Pluspunkte sind aber definitiv die Vielseitigkeit und die Eingängigkeit der Musik. Es ist noch Luft nach oben, aber trotzdem empfehlenswert.

Dienstag, 26. November 2013

Revision: Cog -- The New Normal

Was alles so an einem vorbeigeht, wenn man nicht ständig mit dem Kopf im Informationskarussell Internet steckt... So muss jemand, der sich die Frage stellt, was Cog eigentlich so machen, feststellen, dass die Gruppe schon seit drei Jahren nicht mehr existent ist. Das letzte Album der Australier war ja leider nicht annähernd so erfolgreich wie es gut war. Live-Auftritte der Band wird es nicht mehr geben; ein Grund mehr, sich mit dem auf Datenträger gepressten Werk näher zu beschäftigen.

'The New Normal' ist das Debüt-Album des Trios aus Sydney. Es wurde in Kalifornien aufgenommen, und mit Produzentin Sylvia Massy, die schon Tool und System of a Down produzierte, haben die Jungs eine gute Wahl getroffen. Das Album ist laut und intensiv, etwas kratzig, aber dennoch hochwertig produziert. Das Wechselspiel zwischen schweren, aber eingängigen Riffs und atmosphärischen Passagen zieht sich durch alle elf Songs des Albums. Und immer über allem schwebt die charakteristische eindringliche Stimme von Flynn Gower. Der Sound ist homogen, aber dennoch abwechslungsreich. Vom kurzen knackigen 'My Enemy', das mit einfachen Strukturen und angezogenem Tempo der kürzeste Song des Albums ist, bis hin zu zehnminütigen Longtimern mit längeren, fast schon psychedelischen Ausschweifungen ist alles dabei. Es gibt einige Ecken und Kanten vor allem in den Strukturen der Songs, mit Tempo- und Rhythmuswechseln, aber Eingängigkeit steht immer im Fokus der Band. Der Hörer fühlt sich schnell zu Hause, schon der Opener 'Real Life' bringt auf den Punkt, was in den kommenden siebzig Minuten zu erwarten ist. Cog haben ein gutes Gespür für die Dynamik eines Songs, jedes Stück ist ein nie langweilig werdendes Auf und Ab. Die sich überlappenden mehrstimmigen Gesangsspuren und die genau im richtigen Moment einsetzenden Riffs ergänzen sich optimal. Highlights hervorzuheben fällt bei anhaltend hoher Qualität gar nicht leicht. Man kann 'Silence is Violence' mit groovigem Schlagzeug und interessanter Gitarrenführung erwähnen, die im Refrain in harte Akkorde umschlägt. Ebenso empfehlenswert ist 'The River Song', der mit Bass-Solo beginnt, sich langsam aufbaut und immer mehr an Kraft gewinnt, oder 'The Spine' mit treibendem Rhythmus und ebenfalls monströsen Gitarren im Refrain. Mit den beiden Zehn-Minuten-Stücken 'Doors' und 'Naming the Elephant' wird es etwas ruhiger, aber trotzdem nicht weniger intensiv, die besondere Spannung des Albums bleibt bis zum Schluss erhalten.

Die Band und das Album sind hierzulande kaum bekannt. Zu unrecht, muss man sagen. Das Album zeugt von songschreiberischem Geschick und überzeugt mit Eingängigkeit und Intensität, wie man sie nur selten findet. Viel Herzblut steckt in dieser Platte, und das merkt auch der Hörer, der sich darauf einlässt. Fazit: Kaufen!

Donnerstag, 21. November 2013

Live: Karnivool & The Intersphere 03.11.2013 Schlachthof Wiesbaden

Was macht man an einem Tag mit miesem Herbstwetter? Richtig, Indoor-Aktivitäten! Das Konzert von Karnivool stand schon länger auf der Agenda, und die Nachricht, dass The Intersphere als Vorgruppe auftreten sollten, sorgte im Vorfeld für zusätzliche Freude. Schließlich hatten diese ja in der Vergangenheit schon live überzeugen können, wie hier schon zu lesen war.

Zunächst ein paar Worte zur Location, für alle, die den neuen Schlachthof in Wiesbaden noch nicht kennen. Die neue Halle ist um Einiges größer als der alte Bau. Der durchaus charmante industrielle Look des einsturzgefährdeten Originals wurde nicht übernommen, man setzte offenbar auf moderne Schlichtheit, mit grauen Betonwänden und grauen Betonträgern in der Decke. Links der Bühne sorgt ein weitläufiger Getränkestand für Erfrischung, allerdings ist man beim Lesen der Preise schon erfrischt genug. Aber das ist ja leider Standard heutzutage, dass man 2,50€ für ein 0,3L Getränk bezahlt.
The Intersphere beginnen pünktlich, und gewohnt kraftvoll. Man könnte von Routine sprechen. Doch es ist mehr als das. Aus Platzgründen agieren alle vier Musiker in einer Reihe direkt am Bühnenrand. Trotzdem ist viel Bewegung auf der Bühne, und vor allem Schlagzeuger Moritz Müller spielt wie ein Besessener, bereichert die Songs immer wieder um technisch hochwertige und interessante Fills, ohne sich allzu sehr in den Vordergrund zu drängen, und stößt zum Ende hin fast noch Teile seines Instruments von der Bühne. Aber auch die Jungs an den Gitarren geben alles, und Sänger Christoph Hessler animiert das Publikum. Und der Funke springt definitiv über. Eine bessere Eröffnung können sich Karnivool nicht wünschen. Der Sound ist sehr gut, die Songs sind eingängig, aber dennoch mit einer Note Prog, und sie haben die nötige Härte, um die Zuschauer in Bewegung zu versetzen. Die Mannheimer werden nach einer knappen Stunde umjubelt verabschiedet. Es war wieder einmal eine Freude. Prädikat Empfehlenswert!
Karnivool beginnen kurz nach zehn mit Songs vom neuen Album. Die sind sperrig, die sind düster, die sind atonal und polyrhythmisch, ein starker Kontrast zu den strukturierten und harmonischen Songs der Vorgruppe. Sänger Ian Kenny visualisiert die Musik mit gollumhaften Tanzbewegungen und wirft, von hinten beleuchtet, gigantische Schatten aufs Publikum. Im Kontrast dazu schneidet er mit seiner kristallklaren Stimme durch das Gewirr aus dröhnendem Bass, vertrackten düsteren Gitarrenriffs und frickeligem Schlagzeug und fügt der Dunkelheit das Licht hinzu, das die Musik zum Schweben bringt. Der Sound ist auch hier sehr gut, die Stimme kommt optimal zur Geltung, und die Instrumente grenzen sich gut voneinander ab. Die fünf Musiker sind konzentriert, aber leidenschaftlich bei der Sache und spielen alte wie neue Songs mit gleichbleibender Sicherheit und Begeisterung, die auch gut ins Publikum transportiert wird. Vor allem bei den älteren Songs gehen die Zuschauer euphorisch und textsicher mit. Ian Kenny ist bester Laune, immer für einen lockeren Kommentar gut, und stimmlich ohne auch nur den kleinsten Ausrutscher, fast schon unheimlich gut. Leider ist der Spaß nach etwas mehr als eineinhalb Stunden schon wieder vorbei, viele gute Stücke, vor allem von der ersten Platte der Band, blieben ungespielt. Das ist aber auch alles, was es zu bemängeln gibt.

Fazit: Beide Bands haben auf ganzer Linie überzeugt, ebenso wie die Location mit ihrer sehr guten Akustik. Dementsprechend war es ein Abend, der sich auf ganzer Linie gelohnt hat. Wer auch immer die Möglichkeit hat, diese Bands live zu sehen, sollte auf jeden Fall zuschlagen!

Donnerstag, 5. September 2013

Lebenszeichen

Meinen hoffentlich noch immer treuen Lesern und Abonnenten sei gesagt: Ja, ich lebe noch! Wie ihr ja sicher schon festgestellt habt, gibt es von mir im Sommer traditionell eher wenig Neues. Doch in Kürze wird es wieder neue Rezis geben, auch von Platten, die schon seit dem Frühjahr in der Warteschleife stehen. Bis dahin.

Magno

Freitag, 29. März 2013

Live: Riverside & Jolly 28.03.2013 Centralstation Darmstadt

Mit ihrem aktuellen Album 'Shrine Of New Generation Slaves' schlagen die polnischen Progmetaller Riverside neue Töne an, rockiger, mit weniger Metal-Elementen. Wie sich dieses neue Material live in die älteren Sachen der Band einfügt, konnte man auf der New Generation Tour sehen, die am 28.03.2013 in Darmstadt zu Ende ging.

Die Centralstation in Darmstadt bildete eine gute Kulisse für das Konzert. Das Fassungsvermögen von 1200 Zuschauern wurde nicht erreicht, aber dennoch war der Saal gut gefüllt, als die erste Vorband Dianoya, ebenfalls aus Polen, pünktlich halb neun ihre Show begann. Die etwa 40-minütige Show war handwerklich sehr gut, obwohl die Gitarre zwischen den sehr lauten Bass und Schlagzeug leider etwas unterging. Der teils melodische, teils vertrackte und recht harte Progmetal der Band wurde vom Publikum wohlwollend aufgenommen, aber das Quartett schaffte es leider nicht, wirkliche Begeisterung aufkommen zu lassen.

Nach kurzer Umbaupause spielte mit Jolly eine weitere Vorband, diesmal nicht aus Polen, sondern aus den Vereinigten Staaten. Die Gruppe präsentierte natürlich Songs von ihrem aktuellen neuen Album 'The Audio Guide To Happiness Part 2', aber auch ältere Stücke. Dabei sorgten vor allem der extravagant gekleidete Sänger sowie der Bassist dafür, ordentlich Stimmung ins Publikum zu tragen. Die technisch sehr gute Show wurde ein ums andere Mal mit Scherzen und anheizenden Sprüchen angereichert, so dass die Gruppe das Publikum schnell auf seine Seite ziehen konnte. Kleinere technische Pannen wurden witzig kommentiert, und während eines Songs kamen plötzlich einige Roadies auf die Bühne, die mit Besen, Leitern und Putztüchern bewaffnet an den Instrumenten der spielenden Band herumpolierten und für allerlei Erheiterung sorgten. Kurz vor Schluss bedankte sich die von Hurricane Sandy gebeutelte Band für die Unterstützung, die sie seitdem von den Fans erfahren konnte; die Gruppe hatte bei dem Wirbelsturm Studio und zum Teil auch das eigene Heim verloren. Dann wurde das Publikum auf den Hauptact des Abends eingestimmt.

Während der Umbaupause lief im Hintergrund die 'Night Session' vom aktuellen Album von Riverside. Gegen zwanzig nach zehn war es dann endlich soweit, unter tosendem Beifall kamen Mariusz Duda und seine Kollegen auf die Bühne.


Die Band eröffnete mit den ersten beiden Songs vom neuen Album. Die Soundqualität war hervorragend, auch wenn Duda während der Show mehrfach Missfallen an dem Kopfhörer in seinem Ohr deutlich machte. Das Publikum ließ sich schnell verzaubern von perfekt vorgetragenen Stücken und von der Begeisterung, mit der die Band auf der Bühne agierte. Duda arbeitete gut zum Publikum hin, zog einige Lacher auf sich, als er einen Zettel aus der Tasche zog und die Vorstellung der Band und Ansage eines Titels auf Deutsch vortrug.

Die Gruppe spielte fast alle Songs vom neuen Album, sowie einige Stücke des Vorgängers 'Anno Domini High Definition', wie 'Driven to Destruction' oder, als erste Zugabe, 'Left Out'. Von der EP 'Memories in my Head' wurde 'Living in the Past' zum Besten gegeben, und natürlich durften Hits wie 'Panic Room' nicht fehlen. Von den ersten beiden Alben der Band war leider wenig zu hören, lediglich 'Conceiving You' vom zweiten Album wurde gespielt. gegen zwanzig nach zwölf war dann nach 'Celebrity Touch' Schluss.

Was soll man sagen ... Riverside lieferte wie immer eine sehr gute Show ab. Technisch ausgereift und mit viel Routine, aber auch mit Begeisterung und viel Humor war die Show ein absolutes Erlebnis. Hoffentlich wird man noch viele Jahre in den Genuss solcher Konzerte kommen können.

Montag, 25. März 2013

Revision: Long Distance Calling -- The Flood Inside

Intensiver eingängiger Postrock, das ist man gewohnt von Long Distance Calling. Auf jedem Album ein Song mit Gastsänger, das kennt man auch. Dann kam die Nachricht, dass auf dem neuen Album 'The Flood Inside' etwa die Hälfte aller Songs von einem festen Sänger unterstützt werden. AUFSCHREI!! Long Distance Calling waren bisher sehr gut ohne Sänger ausgekommen. Warum jetzt? Warum, nach so guten Alben, wo man keinen Sänger brauchte? Als dann aber der Name fiel, war fast alles wieder gut. Martin Fischer, Sänger von Pigeon Toe und ehemals Fear My Thoughts, den ich sehr schätze, sollte doch stimmlich ganz gut zu der Band passen...

Doch zunächst beginnt das Album wie gehabt ohne Sänger, und auch im gewohnten Stil, wobei man schon aufhorchen kann, wenn in der Mitte des Openers 'Nucleus' ein bluesiges Gitarrensolo auftaucht, für das sich Henrik Freischlader verantwortlich zeichnet, den die Band als Gast gewinnen konnte. Aber insgesamt eröffnet das Album mit einem Kracher in bewährter Manier. Danach kommt der Gesang ins Spiel. In 'Inside The Flood' fügt sich die drängende Stimme von Martin Fischer optimal in den fordernden Sound der Band ein. Besser hätte es gar nicht werden können. Die Stimme ist die perfekte Ergänzung zu dem sowieso vorher schon perfekt gewesenen Sound der Gruppe, und selbst die Passagen, wo man sich (vermutlich unter Einsatz eines Vocoders) zu Mehrstimmigkeit hinreißen lässt, sind einfach nur gut. Da ist nichts gewollt und nicht gekonnt, das passt einfach. Auch in der Mischung, denn es schließt sich wieder ein instrumentales Stück an. Mit eher ruhigem ersten Teil mit E-Piano-Unterstützung und einem flotten zweiten Teil, der auf Samba-Rhythmen aufgebaut ist, ist 'Ductus' definitiv ein Highlight in einem sehr sehr guten Album. 

Es folgen weitere Gesangsstücke wie 'Tell The End', das gut auch aus der Feder des Sängers hätte stammen können, aber trotzdem unverkennbar LDC ist, und das anschließende 'Welcome Change' mit Gastsänger Danny Cavanagh (Anathema), mit einem Refrain, der ein wenig an Khoma erinnert.
'Waves' ist wieder ein Instrumentalstück, eröffnet von einem Sound- und Wortfetzen-Mix von DJ Coolmann (ehemals Fünf Sterne Deluxe) , anschließend kommt mit 'The Man Within' definitiv das beste Gesangsstück des Albums, wieder mit Martin Fischer, und mit treibenden Drums und DoubleBass und heftigen Riffs eins der härtesten LDC-Stücke überhaupt. Da freut man sich auf Live-Shows!! Das instrumentale Stück 'Breaker' nimmt viel von der Kraft des Vorgängers mit, kann aber auf über acht Minuten Länge auch mit ruhigeren Passagen oder mit Streichern hinterlegten Gitarrenwänden aufwarten. Im letzten Stück durfte sich dann der Mann an den Tasten und Rädchen ein wenig austoben, viele Synthies und elektronische Spielereien werden kombiniert mit eher zurückhaltendem Rhythmusapparat und das Album wird zu einem sehr harmonischen Abschluss gebracht.

Trotz des Sängers - oder vielleicht gerade wegen dem Sänger? - 'The Flood Inside' ist eines der besten Alben der Band überhaupt. Vielseitig, abewchslungsreich, dabei trotzdem in sich stimmig und harmonisch, übertrifft es die ohnehin schon hohen Erwartungen und zeigt, dass die Entwicklung dieser Band auf jeden Fall in die richtige Richtung geht.