Montag, 30. Mai 2011

Revision: Elbow -- Build A Rocket Boys


Aktuell macht mal wieder eine Band aus Manchester von sich reden. Von einer Riesenentdeckung ist da die Rede, Meilenstein des ArtRock, und nicht nur die Fachpresse ist voll des Lobes, sondern Auftritte in amerikanischen LateNight-Shows und in ähnlich großem Umfeld zeugen von Massentauglichkeit. Da meine Affinität zu von IndieRock beeinflusster Musik eher halbherziger Natur ist, war nicht zuletzt die Empfehlung eines Kollegen ausschlaggebend dafür, das aktuelle Album 'Build a Rocket Boys!' von Elbow einmal unter die Lupe zu nehmen.

Die Platte beginnt mit 'The Birds', einem Stück mit mehrstimmigem Gesang vor minimalistischen Gitarren und filigranen Synthie-Klängen, das später in ausschweifende Streicherteppiche übergeht, immer noch von Guy Garveys hymnischen Gesang dominiert. Nachdem das über 7 Minuten lange Stück leise ausgeklungen ist, übernimmt in 'Lippy Kids' das Klavier die Kontrolle. Der fast etwas zerbrechlich wirkenden Strophe folgt wieder ein vor Sehnsucht tropfender Refrain, der optimal zu einer Filmszene mit Sonnenuntergang passen würde. 'With Love' überzeugt durch einen groovenden Rhythmus, und während das Klavier mit einer eingängigen Melodie von der Lead-Gitarre ergänzt wird, gönnt man sich den Luxus, nur für die Worte 'With Love' einen ganzen Chor zu bemühen. 'Neat Little Rows' wird wieder von der Gitarre dominiert. Das Schlagzeug kommt komplett ohne die Snare aus, und im Refrain ergänzt eine Marimba die Gesangsmelodie. Mit 'Jesus is a Rochdale Girl' und 'The Night Will Always Win' folgen zwei ruhige Stücke, die ohne pompöse Refrains auskommen, sondern ihre Qualitäten in traumhaft schönen Melodien zeigen. 'High Ideals' wiederum beginnt mit groovenden Beats, die bald von synthetischen Bläsern und der Lead-Gitarre ergänzt werden. 'The River' ist ein sehr minimalistisches und mit zweieinhalb Minuten auch sehr kurzes Stück, in dem die herrliche Stimme von Guy Garvey nur Klavier und Hintergrundchor als Rahmen braucht. Es folgt ein weiteres Highlight mit 'Open Arms'. Das zeitweise wie ein Kirmeswalzer anmutende Stück mit dem wieder durch einen Chor unterstützten hymnischen Gesang baut einen Spannungsbogen auf, der nicht nur gehalten, sondern bis zum Ende des Songs noch gesteigert werden kann. Nach einer kurzen Reprise des Eröffnungssongs, die das Zeug für einen 'Herr der Ringe' - Soundtracks hat, endet das Album mit dem bescheidenen 'Dear Friends', wo Gitarren und Klavier in harmonischer Eintracht den Teppich für Guy Garveys getragenen Gesang bilden.

Spätestens nach dem zweiten Hören merkt man, dass hier etwas wirklich Großartiges geschaffen worden ist. Die Platte besticht von vorn bis hinten durch eine schlichte, und dennoch raffinierte Schönheit. Zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl, dass etwas zu viel, zu wenig, zu schwülstig, zu laut ist, alles ist perfekt dosiert und verbindet sich zu einer Harmonie, die fast schon wehtut. Wenn diese Band ihren Weg fortsetzt, den sie begonnen hat, kann Radiohead einpacken und nach Hause fahren. Fazit: Unbedingt empfehlenswert!

Anspieltipps:

Kommentare:

  1. Über Elbow habe ich auch erst während der Zugfahrt meines Hamburg-Kurzurlaubs etwas gelesen. Habe dann im örtlichen Saturn den Vorgänger mitgenommen, da mir die aktuelle Platte für nen Blindkauf dann zu teuer war.
    Der Sänger hat jedenfalls ne richtig geile Stimme. Es taucht öfters Peter Gabriel vor meinem geistigen Auge auf :)
    Gefällt jedenfalls, muss man aber in der Stimmung für sein und Zeit muss man auch noch investieren...dämliche Hobbys ;)

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  2. Och, ich finde, es macht sich super auf der langen Busfahrt nach der Arbeit. Wunderbar stressbefreiend...

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